Hilfe & Kontakt
Schnell einen Anwalt fragen:
 Antworten,  Anwaltsbewertungen
472.406
Registrierte
Nutzer
Anwalt? Hier lang

1
 
Frage Stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage Stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Pensions- und Rentenalter


| 08.12.2016 05:33 |
Preis: 80,00 € |

Sozialrecht


Beantwortet von

Rechtsanwältin Doreen Prochnow



Ich bin Deutscher, wohne in Deutschland und arbeite seit 2005 als Grenzgänger in der Schweiz und dort werden auch Beiträge in eine Pensionskasse eingezahlt. Bis 2005, als Arbeitnehmer in Deutschland, sind die Pflichtbeiträge in die deutsche Rentenversicherung eingezahlt worden.

Am 14. Mai 2017 werde ich 65 Jahre alt. Und die Pensionierung würde eigentlich ab 01.06.2017 beginnen, aber in Deutschland würde ich die abschlagsfreie Regelaltersgrenze erst am 01.12.2017 erreichen.

Nach meiner Auffassung erkenne ich hier eine Lücke von sechs Monaten. Nun besteht für mich die Frage, würde ich am 01.06.2017 in der Schweiz pensioniert werden, wäre ich dann in Deutschland bis zum 01.12.2017 eigentlich arbeitslos und müsste oder könnte ich auch ALG I beantragen, zur Überbrückung?

Ich habe vor ein paar Tagen meinen Arbeitgeber in der Schweiz signalisiert, dass ich, ab 01.06.2017, nicht in Pension gehen möchte, um zumindest diese Zeit zu überbrücken. Aber, auch weil ich mich noch absolut fit fühle, würde ich auch noch Jahre darüber hinaus gern meine jetzige Tätigkeit fortsetzen wollen. Die Antwort steht aber noch aus.

Nun stellt sich aber für mich bereits die Frage, ob oder was sich verändert wird mit den Beiträgen insbesondere zur Pensionskasse und der Arbeitslosenversicherung in der Schweiz?

Denn ich würde auch gern weiterhin die Beiträge an die Pensionskasse abführen wollen um meine späteren Altersbezüge aus der Schweizer Pensionskasse und der Deutschen Rentenversicherung aufzubessern.

Und wenn ich richtig informiert bin (?) würde die Deutsche Rentenversichrung, ab Eintritt der Regelaltersgrenze für jeden Monat wo ich die Rente nicht in Anspruch genommen habe noch einen halben Prozent drauflegen, also z.B. für 12 Monate wären dies 6 % mehr. Oder gibt es hier auch noch etwas unbedingt zu beachten?

Vielen Dank für die Antwort

Notfall?

Jetzt vertrauliche kostenlose Ersteinschätzung von einem erfahrenen Anwalt erhalten!

Feedback noch heute.

Kostenlose Einschätzung starten
Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

1. Möglichkeit in der Schweiz die Rente hinauszuschieben und Folgen:
a) Nach den Bedingungen der AHV ist das gesetzliche Rentenalter von 65 Jahren in der Schweiz um 1 bis höchstens 5 Jahre hinaus schiebbar, wenn sie bisher keine Invalidenrente bezogen haben und zusätzlich zur Schweizer Rente keine Hilflosenentschädigung gewährt wird. Während dieser Aufschubdauer können sie die Rente nach freier Wahl beziehen oder weiter aufschieben, sie müssen sich also nicht von Anfang an festlegen.

Alle Sozialabgaben ( also insbesondere Beiträge zur AHV, IV- und Erwerbersatzbeiträge) werden weiter erhoben. Lediglich die Arbeitslosenversicherung entfällt, da sie mit Eintritt in das Rentenalter ohnehin keinen Anspruch mehr auf Arbeitslosengeld haben. Die Abgaben werden aus ihrem Einkommen erhoben dass (derzeit) einen Freibetrag von 1400 Franken pro Arbeitgeber und Monat übersteigt. Die AHV-Beiträge selbst, die sie in dieser Zeit bezahlen, sind Solidaritätsabgaben und haben keinen Einfluss mehr auf ihre eigene Rentenhöhe.

Allerdings wird auf die Rente ein prozentualer Zuschlag gewährt. Die Höhe des Zuschlages richtet sich nach der Aufschubsdauer. Sie beträgt nach einem Jahr etwa 5, 2 %, Nach 2 Jahren dann 10,8 % , nach 3 Jahren 17,1 %, Nach 4 Jahren 24,0 € und nach 5 Jahren schließlich 31,5 %.

Der Aufschlag berechnet sich nach folgender Faustformel:
Höhe ihrer Rente x Zuschlagshöhe in %.
Der so erhaltene Wert wird dem Grundbetrag den sie mit ihrer Pension erreicht haben zuaddiert.

Um den Aufschub zu erhalten müssen sie binnen des 1 Jahres nach dem erreichen des Rentenalters eine Aufschubserklärung abegeb. Das bedeutet sie setzen in ihrem Rentenantrag an die AHV das entsprechnde Kreuzchen. Geben sie diese Aufschubserklärung nicht ab, kommen sie nicht in den Genuss des Zuschlages.

Achtung, beantragen sie den Aufschub nicht und/oder nehmen sie eine Rentenleistung wiederspruchlos hin, ist kein Aufschub der schweizerischen Rente mehr möglich.

Sobald sie für sich entscheiden, dass der Aufschub beendet werden soll, müssen sie die Rente abrufen. Dafür hält die für sie zuständige Ausgleichskasse und ihre Niederlassungen in ihrem Kanton spezielle Dokumente bereit. Die Rentenauszahlung erfolgt ab dem Monat, der auf die Antragstellung folgt.

Bitte prüfen sie zudem ihren Arbeitsvertrag. Diese sehen in der Regel eine (nach einheitlicher Rechtsprechung zulässige) Befristung bis zum Tag des Eintritts in das Rentenalter vor. Klauseln die als "bedingte Kündigung" auszulegen sind, sind hingegen meist unwirksam, so dass das Arbeitsverhältnis fortbesteht. Dies sollte nochmals geprüft werden um in Verhandlungen mit ihrem Chef durchaus einen Wissensvorsprung zu geniessen.

Fazit für die Schweizer Rente:
Sie können ihren Renteneintritt um bis zu 5 Jahre hinausschieben. Alle Sozialabgaben mit Ausnahme der Arbeitslosenversicherung laufen weiter. Dadurch erhöht sich die Altersrente allerdings nicht direkt. Hier wird in Abhängigkeit von der Dauer des Aufschubs ein prozentualer Zuschlag zwischen 5,2 und 31,5 % gewährt.

2. Und nun die Lage in Deutschland bei "verfrühtem Renteneintritt"

Sollten sie vor Eintritt in das abschlagsfreie Rentenalter in Deutschland erwerbslos werden, so haben sie unter bestimmten Bedingungen Anspruch auf Sozialleistungen in Form von Arbeitslosengeld II ( Hartz IV). Hierbei wird das Amt auch nach ihren Rentenanwartschaften fragen und feststellen, dass ein mit Abschlägen behafteter Vorbezug ihr Existenzminimum höchstwahscheinlich deckt. Folge wäre, dass das Jobcenter sie zunächst auffordert ihre Rentenbezüge zu verwerten und den Rest mit ALG II bzw. ab Eintritt in das Rentenalter mit Sozialgeld (Wird beim Jobcenter automatisch bei Beantragung von ALG II beschieden, wenn die Voraussetzungen der Erwerbsfähigkeit mit Renteneintritt nicht mehr vorliegen) "aufzustocken".

Leider haben sie in Deutschland mangels Einzahlung keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld I, während es in der Schweiz aufgrund des niedrigeren Renteneintrittsalters keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld für sie gibt.

Fazit:
Natürlich haben sie, so sie hilfebedürftig sind, Anspruch auf Sozialleistungen die sich nach ihrem vermögen richten. Hierbei wird auch die bereits erreichte Rente ( Schweiz und Deutschland) berücksichtigt, so dass ich fürchte , dass sie die Hilfegrenze mit ihrem Einkommen überschreiten, oder aber wegen dem Abschlag bis zum Lebensende auf Sozialgeld angewiesen sind. Dies ist aus meinr Sicht, gerade wenn sie sich noch fit fühlen, keine gute Perspektive.
Insofern kann ich sie in ihrem Plan, noch mindestens 6 Monate weiterzuarbeiten nur bekräftigen.

3. Der Aufschub in der deutschen Rentenkasse:

Grundsätzlich beginnt das abschlagsfreie Rentenalter für sie bei 65 Jahren und 6 Monaten, wenn sie 1952 geboren sind, wovon ich ausgehe. Wenn sie im Mai 65 Jahre alt werden so können sie ab 01.12. 2017 abschlagsfrei die Rente zahlen lassen ( Antrag ab November möglich)..

Arbeiten sie in Deutschland weiter so zahlen sie ( parallel zur Schweiz) alle Sozialabgaben wie z.B. Rentenkasse, Krankenversicherung weiter, mit Ausnahme der Arbeitslosenversicherung, da sie auch in Deutschland nach Eintritt in das Rentenalter keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld I haben. Im Gegensatz zum Schweizer Rentensystem zahlen sie hier die Beiträge für ihre eigene Rentenerhöhung, d.h. mit der Beitragszahlung erhöht sich auch ihre Regelrente im Alter.

Unabhängig von der weiteren Beitragszahlung wird bei Rentenbezugsaufschub für die Aufschubszeit monatlich ein Aufschlag von 0,5 % auf die bis dato erreichte Regelrente gewährt Regelrente gewährt.

Sie können also wie folgt rechnen:
Erreichte Regelrente x Aufschubsmonate x 0,5 %

Der so errechnete Zuschlag ist ihrem Regelsatz hinzu zu addieren.

In Deutschland wird die Rente nur auf Antrag gezahlt. Sie erhalten bei Erreichen der Regelaltersgrenze ein Schreiben von der Rentenkasse, welches sie auch noch einmal über die Auswirkungen der Weiterarbeit oder des Aufschubs informiert.


Fazit: Es ist korrekt, dass bei Rentenaufschub in Deutschland pro aufgeschobenen Monat ein Zuschlag von 0,5 % gewährt wird.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können gern Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen
Bewertung des Fragestellers 14.12.2016 | 17:28


Hat Ihnen der Anwalt weitergeholfen?

Wie verständlich war der Anwalt?

Wie ausführlich war die Arbeit?

Wie freundlich war der Anwalt?

Empfehlen Sie diesen Anwalt weiter?

"Vielen Dank für die ausfühlichen Antworten und diese waren sehr hilfreich. Ich habe schon meinen Arbeitgeber signalisiert länger arbeiten zu wollen, aber die entgültige Entscheidung steht noch aus. Und ich sehe es zwar optimistisch dass der Arbeitgeber zustimmen wird, aber ich möchte auch einen tragbaren Plan B entwickeln falls ich einer Pensionierung in der Schweiz, ab 01.06.2017, nicht ausweichen kann. Und dazu waren die Informationen sehr hilfreich. Noch einmal Vielen Dank."
FRAGESTELLER 14.12.2016 5/5.0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 58304 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
4,6/5,0
Rasche und kompetente Antwort! ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
sehr umfassende und hilfreiche ausfuehrungen, vielen dank. ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Klare verständliche Antwort - und besonders sehr zeitnah. Danke! ...
FRAGESTELLER