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Pauschalreise: Rückflug wg. Vulkanasche ausgefallen


| 19.05.2010 19:54 |
Preis: ***,00 € |

Reiserecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Holger Hopperdietzel




Sehr geehrte Frau Anwältin!
Sehr geehrter Herr Anwalt!

Wir haben von Salzburg aus mit DerTours eine Pauschalreise nach Palma de Mallorca gebucht und durchgeführt. Durch das Vulkanascheproblem konnte der Rückflug nicht termingerecht durchgeführt werden.

Nachdem wir eine weitere Nacht (nach dem geplanten Rückflugtermin) im selben Hotel übernachtet haben (auf eigene Kosten) wurde uns folgendes Angebot gemacht:

Um ca. 21:00 Uhr Flug nach Paderborn, Übernachtung in PB, am folgenden Tag mit der Bahn nach Salzburg.

Ich habe mit fünf weiteren Reisenden mit dem Ziel Salzburg dieses Angebot aus folgenden Gründen abgelehnt:

- Wir hatten bereits erfahren, daß mehrere Flugzeuge von Palma de Mallorca nach Sbg. geflogen sind. Auch wurde uns zugetragen, daß Urlauber aus Norddeutschland auf diesen Flug gebucht wurden und dann per Zug nach Norddeutschland gebracht wurden.

- Angesichts des Aufwandes (Flug, Transfer zum und vom Hotel in PB) Zugfahrt mit zweimaligen Umstieg in total überfüllten Zügen.

- Vier der sechs Reisenden sind bereit über 70 Jahre alt, so daß besonders für diese Personen die Reise eine große Strapaze geworden wäre.

Angesichts unserer Absage wurde von DerTours erklärt, wenn wir das Angebot PMI - PB - SBG nicht annehmen, könne man nichts mehr für uns tun,

Wir haben dann eine weitere Nacht im Hotel verbracht (auf eigene Kosten) und am kommenden Tag eine Rückreise auf eigene Regie und eigene Kosten angetreten und ausgeführt.

Durch diese - eigene - Rückreise sind uns pro Person ca. EUR 350,-- entstanden (Hotel, Flug, Mietwagen) , die wir zunächst selbst beglichen haben.

Eine Gegenrechnung an DerTours hat ergeben, daß durch das 'Abenteuer' Paderborn (Flug, Hotel, Zugreise) anhand von Tarifen ca. 360,-- EUR entstanden wären.

Genaue Beträge liegen hier vor, ist aber sicher für die Beantwortung der Frage nicht relevant.

Frage: Inwieweit können wir einen Erstattungsanspruch der uns entstandenen Kosten in Höhe von ca. EUR 350,-- begehren.? Wie sollten wir optimal gegenüber dem Veranstalten argumentieren (mangelnde Zumutbarkeit der Ersatzleistung, ersparte Kosten)?

Vielen Dank für Ihre Antwort.

Mit freundlichen Grüßen
Trifft nicht Ihr Problem? Wir haben 16 weitere Antworten zum Thema:
19.05.2010 | 21:49

Antwort

von

Rechtsanwalt Holger Hopperdietzel
33 Bewertungen
Sehr geehrter Fragesteller,

Die von Ihnen gestellte Frage beantwortet sich unter Berücksichtigung des geschilderten Sachverhaltes wie folgt:

Der Reiseveranstalter ist verpflichtet, die Reisenden zum vereinbarten Zeitpunkt an den vertraglich vorgesehenen Ort zurückzubefördern. Das gilt grundsätzlich auch dann, wenn Umstände wie höhere Gewalt vorliegen. Ist die Rückbeförderung zur vorgesehenen Zeit nicht möglich, so bleibt der Reiseveranstalter dennoch verpflichtet, die Rückbeförderung zum nächstmöglichen Zeitpunkt nachzuholen. Allerdings ist die verspätete Beförderung bereits als mangelhafte Leistung zu bezeichnen. Die Beförderung zu einem anderen Ort stellt eine nicht zumutbare Abhilfe dar. Es kann nicht verlangt werden, dass sie sich gegen ihren Willen zunächst an einen anderen Ort als den vertraglichen Zielort, verbunden mit der Weiterbeförderung mit einem anderen Verkehrsmittel fliegen lassen. Dies vor allem vor dem Hintergrund, dass Flüge von Palma nach Salzburg möglich waren. Insoweit war die ihnen angebotene Ersatzbeförderung mit der Kombination aus Flug und Zug unzumutbar.

Infolge der Mangelhaftigkeit der Reiseleistung sind sie zur Selbstabhilfe gem. § 651c III BGB berechtigt. Zwar hat die Selbstabhilfe als Voraussetzung, dass der Reisende dem Veranstalter eine Frist zur Erbringung der Abhilfe setzt. Die Fristsetzung dürfte im vorliegenden Fall allerdings entbehrlich gewesen sein, da der Veranstalter ihnen endgültig die Erfüllung des Reisevertrages verweigert hat. Als Folge der selbst organisierten Abhilfe steht ihnen Ersatz der hierfür notwendigen Kosten zu.

Darüberhinaus können sie die Kosten für die beiden Hotelübernachtungen am Urlaubsort vom Reiseveranstalter ersetzt verlangen. Der Reiseveranstalter ist auch im Falle der auf höhere Gewalt beruhenden Verlängerung des Aufenthaltes verpflichtet, seine Gäste auf eigene Kosten bis zur Möglichkeit der Rückbeförderung unterzubringen .

Bitte beachten Sie unbedingt, dass sie ihre Ansprüche innerhalb einer Frist von einem Monat nach vertragsgemäßem Ende der Reise beziehungsweise nach tatsächlicher Beendigung der Reise bei dem Reiseveranstalter, was heißt hier wohl DerTour in Frankfurt anmelden müssen. Die Anmeldung muss die Schilderung des Sachverhaltes und die Forderung nach einem finanziellen Ausgleich erhalten.

Die eventuelle Klage können Sie sowohl in Frankfurtam Main als auch am Gericht ihres Wohnsitzes gegen DerTour erheben.

DerTour ist mir als großzügiges Unternehmen im Zusammenhang mit der Regulierung von Kundenreklamationen bekannt. Ich gehe daher davon aus, dass sie bereits außergerichtlich eine zufrieden stellende Einigung herbeiführen können. Sie sollten-wie sie es bereits vermuteten-mit der Unzumutbarkeit der angebotenen Lösung argumentieren. Natürlich können Sie dem Reiseveranstalter auch die geringeren Kosten, die sie durch ihre Wahl der Eigenabhilfe verursacht haben, vorhalten.


Sollte Ihre Argumentation nicht zum Erfolg führen, so stehe ich Ihnen gerne für weitere Aktivitäten zur Verfügung.

Für den Fall, dass sie noch weitere Fragen zu diesem Vorgang haben, stehe ich gerne zu deren Beantwortung zur Verfügung.


Nachfrage vom Fragesteller 20.05.2010 | 11:34

Vielen Dank für ausführliche Antwort.
Eine kurze Klarstellung noch: Wir haben die Reise durch den Vermittler Kuoni Reisen in Salzburg gebucht. Unsere Ansprüche sind gegenüber Kuoni schriftlich geltend gemacht worden. Dieser hat auch nachweislich unsere Ansprüche gegenüber DerTours geltend gemacht.
Frage: Reicht es, wenn wir uns an Kuoni halten? In den Reisebedingungen steht, daß Kuoni als Vermittler die Willenserklärungen an den Veranstalter nachweislich weiterzuleiten hat.
Mit freundlichen Grüßen

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 20.05.2010 | 12:10

Sehr geehrte Fragesteller,
gerne beantworte ich ihnen ihre Rückfrage wie folgt:

grundsätzlich sind Ansprüche aus dem Reisevertrag gegenüber dem Reiseveranstalter geltend zu machen. Natürlich ist es möglich, dass der Vermittler die Anspruchsanmeldung des Reisenden entgegennimmt und weiterleitet. Zur Einhaltung der Frist kommt es dann allerdings auf den rechtzeitigen Eingang bei dem Reiseveranstalter an, es sei denn dieser hat in seinen Bedingungen die Anmeldung beim Vermittler gestattet.

Soweit sie auf die Reisebedingungen abstellen, die eine Weiterleitungspflicht der Willenserklärungen an den Veranstalter vorsehen, unterstelle ich nun, dass es sich hierbei um die Bedingungen des Vermittlers handelt. Von Reiseveranstaltern kenne ich nur die Form der Bedingungen, dass die Anmeldung unmittelbar bei ihnen (den Veranstaltern) erfolgen muss.

Wie dem auch sei, wenn sie nunmehr den Nachweis darüber haben, dass ihre Anspruchsanmeldung bereits weitergeleitet wurde, sollten sie sich nur noch Gedanken darüber machen, dass die Anspruchsanmeldung auch zugegangen ist. Denn nicht die Absendung der Anmeldung genügt den Erfordernissen, die Anspruchsanmeldung muss auch tatsächlich zugehen. Ich empfehle Ihnen daher, in Ihrem Reisebüro vorstellig zu werden, um abzufragen, wie dort mit dem Nachweis des Zuganges der Anspruchsanmeldung umgegangen wird. Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass ein Telefax, zu dem ein Übersendungsprotokoll mit einem ok-Vermerk existiert, tatsächlich zugegangen ist. Wenn allerdings ein Telefax nicht vorab verschickt wurde, sollte die Anspruchsanmeldung in jedem Fall per Einschreiben, besser per Einschreiben mit Rückschein verschickt werden. Sollte ihr Vermittler das Anspruchsanmeldeschreiben lediglich mit einfachem Brief ohne Versand vorab per Telefax verschickt haben, so würde ich darauf bestehen, dass das Schreiben zur Sicherheit nochmals per Telefax oder in wiederholter Form mit Zugangsnachweis verschickt wird.

Sollten sie aber bereits eine Eingangsbestätigung des Veranstalters haben, so erübrigen sich vorgenannte Gedanken.

Mit freundlichen Grüßen

Bewertung des Fragestellers 2010-05-20 | 10:27


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BEWERTUNG VOM FRAGESTELLER 2010-05-20
5/5.0

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ANTWORT VON
Rechtsanwalt Holger Hopperdietzel
Wiesbaden

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