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Niedgigerer Lohn als meine Kollegen - Falsche Eingruppierung - Recht auf mehr?


08.12.2008 14:32 |
Preis: ***,00 € |

Arbeitsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Guido Matthes



Sehr geehrte Damen und Herren,

ich arbeite seit 05/2001 in einem Milchwerk.

Wir sind tarifvertraggebunden.

Im März 2004 habe ich meine Ausbildung zum Molkereifachmann erfolgreich absolviert und wurde verbunden mit einem festen Arbeitsvertrag übernommen.

Ich bin als Molkereifachmann als UHT - Fahrer eingesetzt. Ich bediene dort mehrere UHT-Anlagen, teilweise 3 gleichzeitig.

Ich bin in der Lohngruppe 6 C eingeteilt- mein Stundenlohn beträgt dort derzeit 14,98 Euro.

Viele meiner anderen Kollegen, die die selbe Tätigkeit ausführen sind zwar schon rund 10 Jahre länger da wie ich, sind aber in der Lohngruppe 7 C eingruppiert und haben einen Stundenlohn von 16,03 Euro.

Alle Tariflohngrupen sind wie folgt aufgeteilt:


A ab ersten Arbeitsjahr
B ab zweiten Arbeitsjahr
C ab dritten Arbeitsjahr


Meine Frage ist jetzt, ist es rechtlich vertretbar und mit dem Tarifvertrag vereinbar, dass ich von meinem Betrieb in eine niedrigere Lohntarifgruppe eingeteilt bin, obwohl ich exakt die gleiche Arbeit im gleichen Betriebsbereich ausführen muss.

Ich würde verstehen, mein Betrieb arbeitet auch mit Leistungszuschlägen, wenn ein Mitarbeiter mit mehr Berufserfahrung auf die zugeteilte Lohngruppe höhere Leistungszulagen erhalten würde.

1. Kann der Betrieb aber handhaben, dass er neueren Mitarbeitern einfach nicht mehr die höhere Lohntarifgruppe bezahlt, obwohl andere Mitarbeiter für exakt selbe Tätigkeit die höhere Tarifgruppe bezahlt bekommen?

2. Habe ich die Möglichkeit die Tarifgruppe meiner Kollegen einzuklagen?

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Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre gestellte Frage beantworte ich wie folgt:

Der Arbeitgeber hat nicht einseitig das Recht, von den Regelungen eines Anwendung findenden Tarifvertrag zu Ihrem Nachteil abzuweichen. Inwieweit Ihre Eingruppierung zutreffend ist, kann hier leider nicht beurteilt werden, da zum einen nicht bekannt ist, welcher Tarifvertrag gilt, zum anderen Ihre Tätigkeit und die darin enthaltenen Arbeitsvorgänge genaustens bekannt sein müssen.

Sofern der Arbeitgeber Sie nicht freiwillig nach der höheren Lohngruppe vergütet, besteht grundsätzlich die Möglichkeit zur Klage. Es kann dann entweder auf Zahlung der Differenz zwischen den Lohngruppen geklagt werden oder eine Klage auf Feststellung einer Einordnung in eine bestimmte Lohngruppe erhoben werden. Einfacher zu handhaben ist dabei die Klage auf Feststellung einer bestimmten Lohngruppe, allerdings aus einem solchen Urteil nicht gegen den Arbeitgeber vollstreckt werden, wenn sich der Arbeitgeber einem Urteil des Gerichtes nicht freiwillig beugt.

Eingruppierungsklagen sind regelmäßig komplex, so dass ich Ihnen empfehle, sich in anwaltliche Beratung und Vertretung zu geben, wenn Sie gegen Ihren Arbeitgeber vorgehen wollen. Zur Vorbereitung empfehle ich Ihnen, Ihre Tätigkeiten im Einzelnen genau zu dokumentieren, insbesondere wenn Sie mit wechselnden Aufgaben betraut sind. Dokumentieren Sie genau, welche Aufgaben welchen Anteil am Umfang Ihrer Gesamttätigkeiten haben. Für die Richtigkeit der von Ihnen begehrten Einordnung tragen Sie im Prozess die Darlegungs- und Beweislast. Sie müssen dann diejenigen Tätigkeitsmerkmale konkret darlegen, die eine Einordnung in die höhere Lohngruppe rechtfertigen.

Ich hoffe, Ihnen einen ersten hilfreichen Überblick in der Sache verschafft zu haben. Ich weise darauf hin, dass die Beantwortung Ihrer Frage ausschließlich auf Grundlage Ihrer Schilderung erfolgt. Die Antwort dient lediglich einer ersten rechtlichen Einschätzung, die eine persönliche und ausführliche Beratung durch einen Rechtsanwalt in den seltensten Fällen ersetzen kann. Das Weglassen oder Hinzufügen weiterer Sachverhaltsangaben kann möglicherweise zu einer anderen rechtlichen Beurteilung führen. Eine endgültige Einschätzung der Rechtslage ist nur nach umfassender Sachverhaltsermittlung möglich.

Mit freundlichen Grüßen

Matthes
Rechtsanwalt
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