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Nachbildung eines Hauptbahnhofs in einem Computerspiel


| 24.11.2014 19:26 |
Preis: ***,00 € |

Urheberrecht, Markenrecht, Patentrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Jan Wilking



Aus privatem Interesse und Hobby möchte ich für die "Source Engine" (von Valve) einen Hauptbahnhof gestalten. Um das Ganze möglichst gut aussehen zu lassen, möchte ich den Grundriss und die äußere/innere Gestaltung an die des Mainzer Hauptbahnhofs anlehnen.
Da ich mit dem Gedanken spiele diese "Map" nach Fertigstellung auch (kostenlos) zu veröffentlichen, kamen bei mir nun einige rechtliche Fragen dazu auf:

- Darf ich das Gebäude "Mainzer Hauptbahnhof" überhaupt digital nachbauen (selbst oder gerade wenn es nicht originalgetreu ist)?

- Inwieweit darf ich die Schilder und/oder Automaten/Infotafeln/etc. nachbilden?

- Darf ich Bilder von Netzplänen/Fahrplänen verwenden?

- Darf oder muss ich dabei das DB-Logo verwenden? Oder bin ich sogar verpflichtet das Logo vollständig abzuändern, so dass keinerlei Rückschlüsse auf das Original zurückzuführen sind?

- Inwieweit darf ich Geschäfte und Werbung nachbilden? Reicht es, wenn ich fiktive Logos gestallte? (Ich plane derzeit eigentlich nur die Fassaden abzubilden)

Da ich das Projekt rein aus Spaß betreibe und keinerlei böse oder kommerzielle Absichten habe, sind mir diese Fragen nun doch sehr wichtig geworden.

Sofern benötigt, kann ich auch Bilder meiner digitalen Nachbildung bereitstellen um mehr Klarheit zu schaffen.

Über eine hilfreiche Beratung würde ich mich sehr freuen.
Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Geht man davon aus, dass auch der Mainzer Hauptbahnhof urheberrechtlich geschützt ist, was z.B. für den Stuttgarter (LG Stuttgart, 20.05.2010 - 17 O 42/10) und Berliner Hauptbahnhof (LG Berlin, 28.11.2006 - 16 O 240/05) bejaht wurde, ist auch eine virtuelle Abbildung grundsätzlich nur mit Einwilligung der Rechteinhaber zulässig.

Eine Ausnahme hiervon ist aber in § 59 UrhG gesetzlich verankert, die sogenannte Panoramafreiheit:

"Zulässig ist, Werke, die sich bleibend an öffentlichen Wegen, Straßen oder Plätzen befinden, mit Mitteln der Malerei oder Graphik, durch Lichtbild oder durch Film zu vervielfältigen, zu verbreiten und öffentlich wiederzugeben. Bei Bauwerken erstrecken sich diese Befugnisse nur auf die äußere Ansicht."

Eine originalgetreue Abbildung der äußeren Ansicht eines Bahnhofs und der Fassaden von Geschäften wäre daher von der Panoramafreiheit gedeckt. Inwieweit die Panoramafreiheit auch für die Bahnhofshalle, also die innere Gestaltung gilt, ist unter Juristen umstritten - die wohl herrschende Meinung verneint dies, selbst wenn die Halle Tag und Nacht frei betreten werden kann. Daher könnte eine originalgetreue Abbildung der inneren Ansicht eine Urheberrechtsverletzung darstellen.

Auch Zeichnungen, Pläne, Karten, Skizzen, Tabellen können gemäß § 2 Absatz 1 Nr. 7 urheberrechtlich geschützt sein. Bezüglich der Logos spielt zudem noch das Markenrecht hinein, wobei in Ihrem Fall nicht die Herkunftsfunktion, sondern die originalgetreue Abbildung im Vordergrund stehen dürfte und daher wohl keine Markenrechtsverletzung vorliegen würde (vgl. EuGH, Urteil vom 25.01.2007, Az. C-48/05 - Opel-Logo auf Spielzeugauto).
Dasselbe gilt natürlich auch für Logos und Werbung anderer Geschäfte im Bahnhof, soweit diese urheberrechtlichen Schutz genießen (was stets von der konkreten Gestaltung abhängt und daher nicht pauschal beurteilt werden kann).

Fazit:
Die virtuelle Nachbildung der äußeren Ansicht des Hauptbahnhofes und anderer Gebäude ist von § 59 UrhG gedeckt. Soweit auch die innere Bahnhofshalle als Werk der Baukunst geschützt ist, wäre eine Abbildung dagegen nach wohl herrschender Ansicht nur mit Einwilligung des Rechteinhabers zulässig - dasselbe gilt auch für die Fassaden der im Bahnhof befindlichen Geschäfte.
Auch Fahrpläne und Logos sind oftmals urheberrechtlich geschützt, sodass sich diesbezüglich eine Abwandlung empfiehlt, also ein Rückgriff auf fiktive, selbst gestaltete Formen und Farben, die im Rahmen freier Benutzung (§ 24 UrhG) auch an die Originale angelehnt sein dürfen.

Soviel zur juristischen Theorie, in der Praxis wird dagegen wohl kaum ein Einwand gegen eine originalgetreue virtuelle Abbildung vorgebracht werden (zumindest wenn die Nachbildung nicht in einem negativen Kontext verwendet wird). Vielmehr dürften sich die Inhaber über kostenlose Werbung freuen. Daher sollte durchaus auch eine konkrete Anfrage bei der Verwaltung des Bahnhofs in Betracht gezogen werden - denn mit einer entsprechenden Einwilligung der Rechteinhaber dürfen Sie natürlich auch Gebäudebereiche nachbilden, die nicht von der Panoramafreiheit gedeckt wären.


Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

Nachfrage vom Fragesteller 24.11.2014 | 21:41

Sehr geehrter Jan Wilking,

zunächst möchte ich mich für schnelle und informative Antwort bedanken.

Da ich primär die äußere Fassade, im Inneren aber nur eine Anlehnung an den Grundriss, nicht aber die Details, abbilden möchte, würde ich, wenn ich das richtig verstehe, keine Urheberrechtsverletzung begehen.
Gleiches gilt für die Geschäfte. Diese plane ich ebenfalls nur im Grundriss abzubilden, jedoch mit eigenen fiktiven Logos ohne eine fotografische Abbildung der äußeren Fassade.
Die Pläne werde ich, nach Ihrer Auskunft, nur in Anlehnung an die Originale selbst gestalten.
Logos werde ich ebenfalls gänzlich durch fiktive Eigenkreationen ersetzen.

Bezüglich der äußeren Fassade und der im Bahnhof verwendeten Schilder, werde ich mich bei der Bahnhofsverwaltung erkundigen.

Habe ich Ihre Antwort soweit korrekt verstanden?

Mit freundlichen Grüßen

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 24.11.2014 | 22:10

Vielen Dank für Ihre Nachfrage, die ich wie folgt beantworten möchte:

Ja, das haben Sie korrekt verstanden. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrem Projekt und verbleibe

Mit freundlichen Grüßen
Jan Wilking, Rechtsanwalt

Bewertung des Fragestellers 24.11.2014 | 21:50


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