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Nach Gebrauchtwagenkauf Unfallschaden entdeckt


10.11.2014 10:57 |
Preis: ***,00 € |

Vertragsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Gerhard Raab



Sehr geehrte Damen und Herren,
ich möchte Sie bei dem folgenden Fall um Rat und Hilfe für das weitere Vorgehen bitten.

Vor 4 Wochen (10.10.2014) habe ich einen Gebrauchtwagen (Porsche Cayman, Baujahr 2006, Laufleistung 85.000km, Kaufpreis 25.500€, 3 Vorbesitzer) von einer Privatperson gekauft. Der Wagen war technisch in Ordnung und wurde mir als unfallfrei verkauft. Zur Abwicklung des Kaufs wurde ein Standardvertragsformular des ADAC für Gebrauchtwagenkäufe verwendet. Der Verkäufer wirkte seriös und vertrauenswürdig, an dem Fahrzeug wirkte alles in Ordnung und der Kaufpreis war auch angemessen akzeptabel und keineswegs besonders gering.

Vor einigen Tagen machte mich beim Besuch eines Lackierbetriebs dieser darauf aufmerksam, dass der hintere Stoßfänger schon mal nachlackiert wurde, was mich etwas stutzig machte. Ich bemerkte auch, dass das Rücklicht hinten links nicht so perfekt sitzt wie auf der rechten Seite. Um diesen Zustand zu korrigieren demontierte ich die Innenverkleidung und entdeckte, dass das Trägerblech, an dem das Rücklicht befestigt wird, verbogen ist und zur Befestigung des Lichts falsche Schrauben verwendet wurden. Nach dem Entfernen einer Innenverkleidung sah ich ferner, dass ein inneres seitliches Trägerblech einen Knick hat und das Bodenblech des Kofferraums stark verformt ist.
Mir wurde also ein Auto laut Vertrag als unfallfrei verkauft, welches einen bestehenden, nicht oder nur unzureichend reparierten Unfallschaden hinten links mit Blechverformung aufweist.

Daraufhin kontaktierte ich den Verkäufer und schilderte ihm die Situation. Er hat sich auch selbst am Samstag (08.11.2014) am Fahrzeug von dem Zustand ein Bild gemacht und stimmt zu, dass der Unfallschaden nun von innen sehr offensichtlich sei. Mein Verkäufer hat das Auto nur 3 Monate besitzt und auch ihm ist, wie am Anfang mir, der Schaden nicht aufgefallen. Auch ihm wurde das Fahrzeug von seinem Verkäufer, laut noch vorhandenem Kaufvertrag, als unfallfrei verkauft.

In diesem Zustand hätte ich das Auto nicht gekauft, auch nicht zu einem deutlich reduzierten Preis. Daher ist mein Bestreben, das ich von dem Kaufvertrag zurücktreten und das Fahrzeug zurückgeben kann.
Der Verkäufer hat schon signalisiert, dass er das Fahrzeug nicht zurücknehmen möchte, da er selber über den Zustand nichts wusste. Wir sind uns aber beide über die korrekte Rechtslage nicht im Klaren.

Meine Fragen sind nun:
- Wie sollte ich in dieser Situation weiter vorgehen?
- Welche Rechte und Pflichten haben Käufer und Verkäufer?
- Sollte der Käufer oder der Verkäufer von dem Schaden erstmal ein Gutachten erstellen lassen?
- Sollte der Fall den Rechtsanwälten übergeben werden?

Ich würde mich freuen, wenn Sie meine Fragen beantworten und weitere Hilfestellungen geben würden.

Mit freundlichen Grüssen
J. Heimann

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Sehr geehrter Fragesteller,

zu Ihrer Anfrage nehme ich wie folgt Stellung:


1.

Wenn im Kaufvertrag Unfallfreiheit zugesichert ist, das Fahrzeug aber erhebliche Schäden aufweist und wenn der Verkäufer hiervon Kenntnis hat, handelt der Verkäufer arglistig. Das hat zur Folge, dass der Käufer den Kaufvertrag wegen arglistiger Täuschung gemäß § 123 BGB anfechten kann. Folge der Anfechtung ist, dass der Kaufvertrag rückabgewickelt wird. D.h., der Käufer gibt das Fahrzeug zurück und der Verkäufer muss dem Käufer den Kaufpreis erstatten.

Eine Anfechtung wegen arglistiger Täuschung scheitert ich hier aber daran, dass der Verkäufer von dem Vorschaden keine Kenntnis hatte. Dem Verkäufer, der das Fahrzeug nur drei Monate in Besitz hatte, war das Fahrzeug ebenfalls als unfallfrei verkauft worden.

Sie können den Verkäufer, der den Porsche Ihnen verkauft hat, also nicht für Unfallschäden, die irgendwann vorher eingetreten sind, also bevor der Verkäufer den Wagen in Besitz hatte, in die Haftung nehmen. Man kann grundsätzlich nicht davon ausgehen, dass ein Laie über die Sachkenntnis verfügt, einen verschwiegenen Unfallschaden zu erkennen.

Damit scheiden Ansprüche gegen den Verkäufer des Fahrzeugs aus.


2.

Da Sie gegen den Verkäufer des Fahrzeugs keine Ansprüche haben, macht es keinen Sinn, die Schäden durch ein Sachverständigengutachten festhalten zu lassen.


3.

Gegen den Vorverkäufer, also gegen denjenigen, der das Fahrzeug an den Verkäufer, der den Porsche an Sie weiterverkauft hat, haben Sie keine Ansprüche aus Vertrag, da es hier keine vertraglichen Beziehungen gibt.

Auch Ansprüche aus Delikt (§ 823 BGB) scheiden aus.

Das ist also die Situation, dass Sie als Geschädigter keinen Anfspruch gegen den Schädiger, also den Vorbesitzer, der irgendwann einmal das Fahrzeug arglistig als unfallfrei verkauft hatte, haben.

Die rechtliche Konstellation in diesem Dreipersonenverhältnis ist nicht ganz einfach. Man spricht hier von der so genannten Möglichkeit der Drittschadensliquidation.

Sie sind hier der so genannte „Dritte", also der wirtschaftlich Geschädigte. Gegen den Schädiger haben Sie aber mangels einer Vertragsbeziehung keinen Anspruch und Ansprüche aus § 823 BGB (Deliktsrecht) gibt es nicht.

Der Geschädigte, also der Verkäufer des Fahrzeugs an Sie, hat zwar zu dem Vorverkäufer eine vertragliche Beziehungen und damit einen formalen Ersatzanspruch, allerdings ist ihm kein Schaden entstanden, weil das Fahrzeug an Sie weiter verkauft worden ist.

Daraus ersehen Sie, dass die Angelegenheit nicht unkompliziert ist.

Den Fall werden Sie also selbst ebenso wenig wie über eine allgemeine Anfrage über dieses Forum lösen können. Deshalb kann ich Ihnen nur dringend raten, die Sache einem Rechtsanwalt zu übertragen, der den Fall eingehend prüfen wird.

Dann kann entschieden werden, ob über das Rechtskonstrukt der Drittschadensliquidation eine Schadenersatzforderung besteht.


Mit freundlichen Grüßen

Gerhard Raab
Rechtsanwalt
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