Hilfe & Kontakt
Schnell einen Anwalt fragen:
 Antworten,  Anwaltsbewertungen
472.814
Registrierte
Nutzer
Anwalt? Hier lang

1
 
Frage Stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage Stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Mündlicher Mietvertrag/Reservierung


10.12.2016 20:13 |
Preis: 80,00 € |

Mietrecht, Wohnungseigentum


Beantwortet von



Meine Freundin und ich haben eine Wohnung besichtigt, jeweils separat. Die Wohnung wurde mit dem Hausmeister besichtigt. Das Wohnhaus ist neu, alle Wohnungen darin sind neubezugsfertig, deswegen hat sich meine Freundin gleich noch mehrere Wohungen angesehen. Wir wussten durch das Inserat im Internet im Voraus Bescheid über Kaution und Miethöhe. Wir haben beide während unserer Besichtigungen Interesse gezeigt, den Hausmeister aber gleichzeitig informiert, dass wir uns noch andere Wohnungen in der Umgebung ansehen. Meine Freundin fragte bei ihrer Besichtigung nach, ob eine Reservierung möglich sei. Darunter verstand sie und verstehe auch ich, dass wir für eine Wohnung die Sicherheit haben, dass sie für keinen anderen Interessenten zur Verfügung steht, also keine verbindliche Zusage von unserer Seite für einen Mietvertrag, lediglich die Sicherheit, dass sie nicht an jemanden anderen vermietet wird. Nach den Besichtigungsterminen haben wir uns besprochen und beschlossen, wir suchen weiterhin nach anderen Wohnungen, reservieren uns aber eine der Wohnungen dieses neuen Gebäudes. Darauf schrieben wir dem Hausmeister per E-Mail, dass wir im linken Haus (weil drei Häuser) auf der linken Seite eine Wohnung gern reserviert hätten, doch war schon alles vergeben bis dahin. Deswegen schlugen wir dann die rechte Seite im 2. Stock des linken Hauses vor und diese wurde uns dann reserviert. Nach längerem Überlegen haben wir uns dann doch noch einmal umentschieden und fragten nach einer Reservierung für das mittlere Haus, 1. oder 2. Stock, auf der linken Seite, falls noch eine frei sein sollte. Daraufhin kam keine Antwort mehr vom Hausmeister. Kurzum: Mündlich Interesse bekundet und nach Reservierung gefragt - schriftlich per E-Mail reserviert, allerdings ohne Bestätigung für die letztgenannte Wohnung - mehrere Wohnungen innheralb des Gebäudekomplexes wurden von meiner Freundin besichtigt. Für den Großteil der besichtigten Wohnungen war der 01.12. der Erstbezugstermin, andere waren ab dem 01.01.2017 bezugsfertig. E-mail-Kontakt von 12.10. bis 17.10. . Solange ließen wir auch nichts mehr von uns hören, fanden eine andere Wohnung und schlossen für diese auch einen Mietvertrag ab. Am 25.11. kam per Mail die Aufforderung des Hausmeisters, wir sollen die erste Miete + Kaution zahlen, sonst sei die Schlüsselübergabe nicht möglch. Daraufhin telefonierte meine Freundin mit ihm und sagte ihm, wir hätten eine andere Wohnung gefunden und dass das mit dieser Wohnung nichts wird bzw. dass und dieses Missverständnis leid tue. "Na gut, dann ist das wohl erledigt" war die Antwort am Telefon und auf eine E-Mail meiner Freundin, dass doch bitte die Reservierung aufgehoben und uns das schriftlich bestätigt würde, kam dann nichts mehr zurück.
Am 03.12. kommt ein Brief vom Anwalt des Vermieters, nicht des Hausmeisters, zwischen uns und seiner Mandantschaft sei ein mündlicher Mietvertrag geschlossen worden, weil wir "die" Wohnung besichtigt und über die Mietkosten sowie den Vermieter Bescheid gewusst hätten. Aus diesem Grund wurden wir aufgefordert, die Miete i.H.v 875€ unverzüglich zu zahlen. Sollten wir in Verzug geraten, würden Zinsen geltend gemacht werden. Vom E-Mail-Kontakt mit dem Hausmeister und den Reservierungen war nicht die Rede.

Daher meine Fragen: Wie verbindlich war unsere schriftliche Reservierung per Mail? Kam durch unsere Interessensbekundung während der beiden Besichtigungsterminen ein Mietvertrag zustande bzw. sind die E-Mails als Beweis dafür zu sehen bzw. ist eine Reservierung als Zusage für einen künftigen Mietvertrag anzusehen? Immerhin haben wir uns nach den Terminen erst besprochen und erst jeweils danach beschlossen, tatsächlich eine Reservierung zu erfragen.

In übergroßer Ungewissheit
10.12.2016 | 21:58

Antwort

von


953 Bewertungen
Kaiserin Augusta Allee 102
10553 Berlin
Tel: 030 36445774
Web: www.rechtsanwalt-weber.eu
E-Mail:
Diesen Anwalt zum Festpreis auswählen Zum Festpreis auswählen
Sehr geehrter Ratsuchender,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich basierend auf Ihren Angaben wie folgt beantworten möchte:

Die Reservierung per Mail war durchaus verbindlich, aber sie war eben nur das, eine Reservierung. Der Vermieter könnte deswegen zwar Schadensersatz geltend machen, keinesfalls aber einen mündlichen Mietvertrag. Das Besichtigen und die Kenntnis der Miethöhe ist auch keine ausreichende Handlung, um daraus eine Willenserklärung für einen Mietvertrag zu konstruieren, zumal Sie ja mehrere Wohnungen besichtigt haben.

Davon abgesehen schießt sich der Vermieter auch selbst ins eigene Bein, weil ein mündlicher Mietvertrag mit massiven Nachteilen für Vermieter verbunden ist. So muß bei einem mündlichen Mietvertrag der Vermieter die Schönheitsreparaturen und die Nebenkosten tragen. Auch muß der Vermieter die Höhe der Miete nachweisen, gelingt ihm der Beweis nicht, gilt die ortsübliche Miete gemäß Mietspiegel.

Deswegen sind mündliche Mietverträge sehr unüblich, was wiederum gegen den angeblichen Mietvertrag spricht.

Da die Gegenseite einen Anwalt eingeschaltet hat, empfehle ich, ebenfalls einen Anwalt einzuschalten, um Waffengleichheit herzustellen. Der Anspruch aus dem angeblichen Mietvertrag kann dann leichter abgewehrt werden.

Ich hoffe, Ihre Frage damit beantwortet zu haben. Bitte benutzen Sie bei Bedarf die kostenlose Nachfragefunktion.

Ansonsten verbleibe ich
mit freundlichen Grüßen,

Robert Weber
Rechtsanwalt


Nachfrage vom Fragesteller 10.12.2016 | 22:44

Ich danke Ihnen für diese befriedigende Antwort. Dennoch stellen sich folgende Fragen:

1. Wie genau ist juristisch der Begriff "Reservierung" definiert bzw. wie und in welcher Hinsicht ist dieser verbindlich bzgl. eines Mietvertrags? Ist dies gleichzusetzen mit einer Zusage, also in diesem Fall eine Inkraftsetzung zu einem späteren Zeitpunkt?
2. Wie hoch kann der von Ihnen genannte Schadensersatz ausfallen, wenn die Warmmiete plus Nebenkosten z.B. 900€ gekostet hätte?
3. Kann der E-Mail-Verkehr, der die Reservierung u n d "wir würden gerne gegebenenfalls eine Wohnung nehmen" beinhaltet, als BEWEIS für einen mündlichen Mietvertrag ODER als Vorvertrag für einen schriftlichen Mietvertrag gesehen werden, also als Ankündigung für einen ausgemachten und gewollten Mietvertrag?

Beste Grüße

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 10.12.2016 | 23:49

Sehr geehrter Ratsuchender,

der Begriff "Reservierung" ist juristisch nicht fest definiert, es kommt dabei stets auf die Begleitumstände an, insbesondere darauf, was genau reserviert wird. Bei Mietwohnungen ist damit die Bereitschaft zum Abschluß eines Mietvertrages verbunden, aber noch keine Willenserklärung auf Abschluß eines konkreten Mietvertrages, weil Mietwohnungen üblicherweise nur durch schriftliche Mietverträge vermietet werden, und nicht durch mündliche Verträge.

Der Schadensersatz ist nur zu leisten, wenn der Vermieter nachweisen kann, dass er im Vertrauen auf die reservierung andere Interessenten abgewiesen hat. Die Höhe des Schadensersatzes entspricht dabei der Nettokaltmiete für den Zeitraum, für den er aufgrund der Reservierung Mietinteressenten abgewiesen hat.

Die Formulierung ist etwas schwierig, weil darin durchaus die Willenserklärung auf Abschluß eines mündliches Mietvertrages gesehen werden kann. Je nach Richter kann das Gericht daran den mündlichen Mietvertrag festmachen. Es ist kein felsenfester Beweis für den Vermieter, es mindert aber Ihre Chancen, ungeschoren aus der Sache herauszukommen.

Mit freundlichen Grüßen,

Robert Weber
Rechtsanwalt

ANTWORT VON

953 Bewertungen

Kaiserin Augusta Allee 102
10553 Berlin
Tel: 030 36445774
Web: www.rechtsanwalt-weber.eu
E-Mail:
RECHTSGEBIETE
Kaufrecht, Mietrecht, Urheberrecht, Internet und Computerrecht, Vertragsrecht, Grundstücksrecht, Medienrecht
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 58398 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Trotz für mich ungünstiger Prognose war die Antwort sehr hilfreich und verständlich. ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Einfach Spitze! Sehr kompetent... Immer wieder...! ...
FRAGESTELLER
4,2/5,0
Vielen Dank für Ihre Einschätzung meiner Situation. Ihre Beurteilung hat mir sehr geholfen. Der Vermieter (Wohngenossenschaft) ist stark zurück gerudert. Wir entfernen nur noch Tapteten in einem Raum anstatt in 3 Räumen :-) ...
FRAGESTELLER