Hilfe & Kontakt
Schnell einen Anwalt fragen:
 Antworten,  Anwaltsbewertungen
468.561
Registrierte
Nutzer
Anwalt? Hier lang

1
 
Frage Stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage Stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Mobbing und Kündigungsfrist


| 27.12.2010 14:08 |
Preis: ***,00 € |

Arbeitsrecht


Beantwortet von



Guten Tag,

folgende Sachlage liegt vor:

Ich bin in beratender Funktion in Norddeutschland tätig. Für ein Projekt wurde nun eine Stelle in einem Verein in Bayern in Teilzeit / halbe Stelle ausgeschrieben. Ich habe dieses Projekt mit meiner Erfahrung unterstützen wollen und habe mich dort beworben.

Ich wurde dann in Teilzeit in diesem Verein zum 01.07.2010 angestellt. Als halbe Stelle sollte ich monatlich 11 Tage (jeweils 8 Stunden) arbeiten. Kündigungsfrist 4 Wochen innerhalb der Probezeit.

Im Laufe der Zeit spürte ich, dass die Werte, die dort offiziell vorhanden sein sollten, leider nicht gelebt wurden. Zugleich wurde ich gar nicht in den Räumlichkeiten des Vereins untergebracht, sondern musste innerhalb einer fremden Organisation arbeiten, die mit dem Verein gar nichts zu tun hatte. Zumindest offiziell. Viele Dinge wurden seitens des Arbeitgebers gar nicht transparent gemacht. Ich wurde somit vor vollendeten Tatsachen gestellt.

Inoffiziell war einer der Vorstände zugleich Direktor eines anderen Unternehmens. All dies wurde jedoch erst im Laufe der Zeit deutlich. Auch die scheinbar im Verein gelebten Werte zeigten sich mir in der Praxis nicht. Im Gegenteil.

Entgegen den Beschreibungen im Gespräch und auf der Homepage gab es noch keinerlei Strukturen im Verein. Daher wurde ich woanders untergebracht. DIe Ausübung meines Aufgabenbereichs wurde durch diese Situation nicht nur behindert, sondern gar unmöglich gemacht.

Ich durfte einerseits nichts entscheiden anderseits war der Vorstand nicht anwesend, sodass auch keine Entscheidungen getroffen wurden. Außerdem mussten sich der Vorstand jeweils immer wieder neu besprechen.

Laut mir auferlegter Dokumentationspflicht ist von mir genau aufgeschrieben worden, dass ich dies oder das zu tun gehabt hätte. Diese Dinge wurde abgestimmt. Dann wurden aber diese Dinge hinter meinen Rücken und ohne jegliche Absprache oftmals rückgängig gemacht. Dies, obwohl ich in Projekteiterfunktion eingestellt wurde und man mir sagte, ich solle eine leitende Funktion übernehmen. Nun spürte ich auch, dass ich als Einzelner immer 5 Vorstandsmitglieder gegenüber hatte. Dadurch wurde das hierachische Gefälle noch dramatischer. Meine Worte wurden mir immer im Munde umgedreht. Später erfuhr ich, dass es zwischen den Vorstandsmitglieder finanzielle Abhängigkeiten gab, sodass sie sich keine eigene Meinung erlauben konnten.

Zugleich wurde ich für diesen Zeitverzug
verantwortlich gemacht, wo ich aber gar kein Entscheidungsrecht aufgrund der gelebten Hierachie hatte. Ich fühlte mich daher in einer paradoxen Situation. Zum ersten Mal spürte ich so etwas wie "Mobbing" am Arbeitsplatz. Der Vorstandsvorsitzender war ein Psychiater, der nun täglich psychischen Druck auf mich ausübte.

Ich suchte dann offen das Gespräch. Hier wurde mir deutlich, dass meine Situation nicht berücksichtigt wurde. Ich sollte nur ausführen, was der Direktor mir sagte. Ich hatte dann in einem weiteren Gespräch mit 5 Vorständen zu tun. Einige kannte ich nicht einmal persönlich.

Ich wurde in diesem Gespräch sehr stark bedrängt, dass ich einen Auflösungsvertrag unterzeichnen solle. Wenn ich dies nicht täte, dann würde ich "eingefroren", "meine Zukunft würde verbaut", "man würde für einen sehr schlechten Ruf sorgen", da "wir mehr Macht haben".

Ich habe mich innerhalb des Gesprächs kurz zurück gezogen und der psychische Druck, der seit Wochen auf mich lastete, wirkte sich als "Unwohlsein" und Magenkrämpfe aus und ich musste mich mehrfach übergeben. Meine Sichtweise wurde auch in diesem Gespräch nicht im geringsten erhört.

Entsprechend bin ich unmittelbar zum Arzt gegangen, der mich dann die Folgewoche krank geschrieben hat. Ich wusste nicht, wie mir geschah. Ich sprach noch mit dem Arzt, dass ich diese Tätigkeit unmittelbar kündigen werde. Ich fühlte mich sehr stark unter Druck und unter psychischem Druck, der sich immer mehr körperlich auswirkte.

Das o.g. Gespräch mit dem Vorstand des Vereins fand am Freitag, den 10.11.2010 statt.

Man kam mir dann zuvor und ich erhielt eine schriftliche Kündigung. Per Email am 12.11.2010. Per Einschreiben am 20.11.2010. Die Kündigungfrist soll nun rückwirkend am 10.11.2010 laufen und sodann am 10.12.2010 wirksam sein.

Laut Arbeitsvertrag standen mir anteilig 30 Tage Urlaub, bzw. 15 Tage zu, da es als halbe Stelle ausgeschrieben war.

In dem o.g. Gespräch wurde über eine mögliche Kündigung gesprochen und auch über einen möglichen Aufhebungsvertrag. Da es mir jedoch alles viel zu schnell ging und ich mich regelrecht "bedroht" fühlte, konnte ich dem Gespräch nicht mehr folgen. Ich musste mich übergeben. Ich zitterte am ganzen Leibe.

Für den Arbeitgeber ist nun der 10.11.2010 der Start der Kündigungsfrist. Ende 10.12.2010. Meine Krankschreibung berücksichtigt dieser nicht. Auch nicht für die Folgewoche. Der Arbeitgeber sagte nun schriftlich: Ich hätte mich durch falsche Behauptungen entzogen.

Egal was ich auch sage, es wurden alle psychologischen Tricks angewendet, um mir das Wort im Munde herum zu drehen. Ich rief daher am besagten 10.12.2010 meine Vermieterin an, um Hilfe zu rufen. Diese erfuhr ich dann bei der Mobbing-Notrufzentrale.

Meine Fragen sind:
Welche Kündigungsfrist liegt hier rechtlich vor bzw. ab wann beginnt die Kündigungsfrist rechtlich zu laufen? Wie viel Urlaubstage stehen mir rechtlich zu und wie sind die Krankheitstage im November und die Feiertage im Dezember im Hinblick auf die Frist zu bewerten?
Wie ist es rechtlich zu bewerten, dass ich zwar für einen Verein angestellt wurde, jedoch dann in einem ganz anderen Unternehmen arbeiten musste, mit einer ganz anderen Unternehmens- und Wertestruktur? HÄtte ich dies vorab gewusst, hätte ich die Stelle nie angenommen und auch keine Kosten für Umzug und Zweitwohnung auf mich genommen.

Ich bin über eine Antwort sehr dankbar.
Mit freundlichen Grüßen









27.12.2010 | 16:32

Antwort

von


146 Bewertungen
Frankfurterstr. 30
51065 Köln
Tel: 0221 16954321
Tel: 0163 2916721
Web: www.ra-serkankirli.de
E-Mail:
Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage beantworte auf der Grundlage des von Ihnen mitgeteilten Sachverhalts und unter Berücksichtigung Ihres Einsatzes.


Sowohl der Arbeitnehmer als auch der Arbeitgeber können nur wirksam schriftlich kündigen. Geregelt ist dies in § 623 BGB. Dort heißt es:

Die Beendigung von Arbeitsverhältnissen durch Kündigung oder Auflösungsvertrag bedürfen zu ihrer Wirksamkeit der Schriftform; die elektronische Form ist ausgeschlossen.

Eine Kündigung per E-Mail wahrt die Schriftform grds nicht. Die elektronische Form (die Anforderungen hierzu siehe in § 126 a BGB) ist ausgeschlossen. danach wäre die "erste" Kündigung schon unwirksam.


Eine rückwirkende Kündigung ist nicht möglich. Die gesetzliche Kündigungsfrist in der Probezeit beträgt 2 Wochen. Ein genauer Kündigungstermin, also beispielsweise zum Ende des Monats, ist nicht erforderlich. Diese 2-Wochen-Frist kann allerdings durch einen Tarifvertrag noch abgekürzt werden. Vorliegend wurde jedoch eine einzelvertragliche Kündigungsfrist von 4 Wochen eingeräumt. Da dies zu Ihrem Gunsten ist, hat diese vertragliche Vereinbarung Geltung.

Für die Berechnung der Kündigungsfrist gelten die §§ 187 ff BGB. Der Tag, an dem die Kündigung zugeht, ist nicht in die Berechnung der Frist einzubeziehen.

Die Kündigungsfrist läuft nach der gesetzlichen Regelung unabhängig von der Arbeitsunfähigkeit des Arbeitnehmers ab. Eine Hemmung der Kündigungsfrist erfolgt durch die Arbeitsunfähigkeit nicht.

Demnach läuft die vierwöchige Kündigungsfrist ab dem 21.11.2010. Die Frist würde enden am 19.12.2010. Da dieser Tag jedoch ein Sonntag ist,endet die Frist am 20.12.2010. Die Feiertage sind dann relevant, wenn der Ablauf einer Frist auf einen Feier- oder Sonntag fällt. Dann gilt der nächste Werktag als Fristende.


Während der Krankheit kann - entgegen dem weit verbreiteten Rechtsirrtum - ebenfalls gekündigt werden. Krankheit schließt also eine Kündigung nicht aus.


Hinsichtlich des Urlaubes haben Sie im Falle der Übertragung einen Abgeltungsanspruch, wenn der Urlaub nicht mehr genommen werden kann. Insoweit wäre die Weiterbeschäftigung unter Freistellung bei Anrechnung des Urlaubs eine beidseits sinnvolle Lösung.
Auch in der Probezeit hat man einen Anspruch auf ein zwölftel des Jahresurlaubs.


Ihre letzte Frage beantworte ich wie folgt:
Grundsätzlich ergeben sich die Rechte und Pflichten, somit auch der Aufgabenbereich des Arbeitnehmers aus dem Arbeitsvertrag. Jedoch werden die Arbeitspflichten des Arbeitnehmers durch das sog. Direktionsrecht konkretisiert. Im Umkehrschluss bedeutet dies:

Je konkreter der Arbeitsvertrag gestaltet ist, umso enger ist das Direktionsrecht des Arbeitgebers. Grds steht in Verträgen, dass der Arbeitnehmer bzw. der Angestellte auch mit anderweitigen zumutbaren Aufgaben beschäftigt werden kann.Inwieweit dies bei Ihnen der Fall ist, dürfte von den Umständen des Einzelfalles abhängen.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen behilflich sein.

Abschließend weise ich Sie darauf hin, dass dieses Plattform lediglich zu einer ersten rechtlichen Orientierung dient und den Besuch beim Anwalt nicht ersetzt.



Rechtsanwalt Serkan Kirli

Nachfrage vom Fragesteller 27.12.2010 | 17:31

Sehr geehrter Herr Rechtsanwalt S. Kirli,

vielen Dank für die konkrete Antwort. Diese hilft mir schon etwas weiter.

Eine kurze Nachfrage zum Verständnis habe ich:

Es erfolgte in der Tat eine Freistellung ab Kündigung. Jedoch nicht unter Anrechnung des Urlaubes. Steht mir in diesem Fall Urlaub entsprechend zu? Und wie wäre dieser für den Dezember rechtlich sicher zu berechnen.

Mit freundlichen Grüßen





Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 27.12.2010 | 22:34

Sehr geehrter Fragesteler,

Sie haben noch Anspruch auf "Urlaub".

Aber es ist folgendes zu beachten:

Der volle Urlaubsanspruch wird erst erworben, soweit das Arbeitsverhältnis mind. 6 Monate besteht.
Dies ist bei Ihnen nicht der Fall.
Insoweit steht Ihnen lediglich ein Anspruch auf Teilurlaub gemäß §5 Abs.1 a BurlG zu. Hierbei handelt es sich um ein zwölftel des Jahresurlaubs für jeden vollen Monat des bestehenden Arbeitsverhältnisses. Angebrochene Monate gelten jedoch nicht als volle Monate i.S.d. §5 Abs.1 a BurlG. Dies hat bei Ihnen zur Folge, dass für den Monat Dezember ein Teilanspruch entstanden ist. Hierbei ist folgende Berechnungsmethode anzuwenden:

Für die ersten 5 Monate:
30 Tage Jahresurlaubsanspruch / 12 Monate = 2 Tage pro Monat


Für den Monat Dezember:
2 mal 0,66 (also ein Drittel des Monats)= 1,32

Gemäß § 5 Abs. 2 BUrlG sind Bruchteile von Urlaubstagen, die mindestens einen halben Tag ergeben, auf volle Urlaubstage aufzurunden.


Soweit der Urlaub wegen Beendigung des Arbeitsverhältnisses nicht mehr gewährt werden kann, ist dieser gemäß §7 IV BurlG abzugelten.


Abschließend weise ich Sie darauf hin, dass die Veränderung des Sachverhalts, das Weglassen von bestimmten Umständen eine völlig andere Bewertung nach sich ziehen kann.

Mit freundlichen Grüßen

RA Kirli

Ergänzung vom Anwalt 27.12.2010 | 16:41

Mit freundlichen Grüßen

Rechtsanwalt S. Kirli
Ergänzung vom Anwalt 28.12.2010 | 08:34

Es müsste natürlich heissen:

30 / 12 = 2,5

und für Dezember:
2,5 / 3 (da nur ein Drittel des Monats) = 0,83
Bewertung des Fragestellers 28.12.2010 | 09:38


Hat Ihnen der Anwalt weitergeholfen?

Wie verständlich war der Anwalt?

Wie ausführlich war die Arbeit?

Wie freundlich war der Anwalt?

Empfehlen Sie diesen Anwalt weiter?

"Herzlichen Dank. "
Mehr Bewertungen von Rechtsanwalt Serkan Kirli »
BEWERTUNG VOM FRAGESTELLER 28.12.2010
5/5.0

Herzlichen Dank.


ANTWORT VON

146 Bewertungen

Frankfurterstr. 30
51065 Köln
Tel: 0221 16954321
Tel: 0163 2916721
Web: www.ra-serkankirli.de
E-Mail:
RECHTSGEBIETE
Strafrecht, Vertragsrecht, allgemein, Arbeitsrecht, Mietrecht, Ausländerrecht, Verkehrsrecht, Familienrecht, Kaufrecht