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Mißbrauch einer Berufsbezeichnung?


| 17.06.2017 21:38 |
Preis: 51,00 € |

Arbeitsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Dr. Holger Traub, Dipl. Kfm.



Sehr geehrte Damen und Herren,

ich habe einige Jahre im europäischen Ausland gearbeitet. In dem Unternehmen war ich als 'Medior Engineer' eingestellt. Mein Chef hat mir nach 2 Jahren zugesagt, als 'Medior Engineer' die Bezeichnung 'Senior Engineer' tragen zu dürfen. Dabei handelt es sich um klar definierte Berufsbezeichnungen des Unternehmens, die an Qualifikationskataloge sowie Gehaltsstufen geknüpft sind. Das erschien mir ungewöhnlich aber angesichts meiner langjährigen Berufserfahrung und meiner Aufgaben und Verantwortung als angemessen, als eine Wertschätzung.
Nachdem ich gekündigt hatte weigerte sich mein Arbeitgeber, die Bezeichnung 'Senior Engineer' in mein Arbeitszeugnis aufzunehmen. Er begründete dies anfangs einfach damit daß ich als 'Medior Engineer' eingestellt war. Ich habe einen Anwalt zur Hilfe genommen, um die Aufnahme des von mir verwendeten Titels in das Zeugnis zu erreichen. Schließlich gab das Unternehmen zur Begründung an daß ich nicht allen Anforderungen an einen 'Senior Engineer' entsprach, mir der Titel lediglich mit der Einschränkung auf mein spezielles Fachwissen zugewiesen wurde. Darauf wurde ich nie vorher hingewiesen. Das Unternehmen erklärte auch daß ich die Berufsbezeichnung 'Senior Engineer' ohne Einschränkung unrechtmäßig verwendet hätte.
Abgesehen davon daß es natürlich sehr ärgerlich ist, daß meine Integrität auf diese Weise beschädigt wird und mein Vertrauen mißbraucht, mache ich mir große Sorgen daß ich bei der Bewerbung um eine neue Stelle in Deutschland mit dem Mißbrauch, der Anmaßung einer Berufsbezeichnung konfrontiert werde. Etwa dadurch daß sich ein neuer Arbeitgeber bei dem früheren Arbeitgeber nach mir erkundigt und dieser auf eine unrechtmäßige Verwendung des Titels 'Senior Engineer' hinweist.
Ich beabsichtige, in meinem Lebenslauf oder in einem Bewerbungsgespräch auf die unrechte Beschuldigung des früheren Arbeitgebers hinzuweisen. Zum einen um meine Integrität zu wahren, zum andern um einer möglichen späteren Beschuldigung zuvorzukommen.
Meine Frage ist, inwieweit meine Sorgen gerechtfertigt sind, wie schwer diese Beschuldigung wiegt? Könnte konkret ein Arbeitgeber mir kündigen, wenn er darauf hingewiesen wird daß ich die Bezeichnung 'Senior Engineer' angeblich unrechtmäßig verwendet habe - und ihn nicht darüber informiert habe?

Mit freundlichen Grüßen

B.

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Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Ihre Bedenken erachte ich als unbeachtlich.

1.) "Verleihung" der Bezeichnung "Senior Engineer"

Bei der benannten Bezeichnung "Senior Engineer" handelt es sich nicht um einen allgemein anerkannten Titel, welche Dritte eine bestimmte Eigenschaft, Bedeutung etc. zuordnen. Faktisch ist diese Bezeichnung - wie auch von Ihnen angeführt - eine unternehmsspezifische Betitelung, welche somit nur unternehmensintern Bedeutung hat.

Der Titel wurde Ihnen ausdrücklich von Ihrem Vorgesetzten verliehen. Auch hat dieser der mehrjährigen Verwendung - trotz Kenntnis - nicht widersprochen. Dies muss sich Ihr vormaliger Arbeitgeber zurechnen lassen und zwar unabhängig davon, welche Anforderungen an den unternehmensinternen Titel gestellt werden. Eine Verleihung liegt im Ermessen des AG.

2.) Erwähnung im Arbeitszeugnis

Faktisch haben Sie daher berechtigt diesen Titel geführt und haben auch einen Anspruch darauf, dass diese Betitelung im Arbeitszeugnis Erwähnung findet. Im Nachgang sich nunmehr darauf berufen zu berufen, dass Sie den Titel - trotz Verleihung und Kenntnis des AG - nicht hätten führen dürfen, ist widersprüchlich und rechtswidrig. Schließlich hat Ihr AG aufgrund Ihrer unternehmesspezifischen Betitelung sicherlich auch eine höhere Honorierung ggü. dem Kunden in Rechnung stellen können bzw. sogar abgerechnet.

Von einem Mißbrauch der Berufsbezeichnung ist daher nicht auszugehen. Ebenso wenig sollten Sie diesen Disput mit Ihrem vormaligen AG nicht in Ihren Lebenslauf aufnehmen bzw. bei einem Bewerbungsgespräch thematisieren.

Sicherlich schätzt Sie Ihr potentiell zukünftiger AG aufgrund Ihrer Qualifikation und erachtet es als nebesächlich - sofern er hiervon überhaupt Kenntnis erlangt - dass Sie mit Ihrem vormaligen AG einen Disput wegen einer "unternehmensinternen Bezeichung" führen bzw. führten.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und würde mich über die Abgabe einer 5-Sterne-Bewertung freuen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Traub
-Rechtsanwalt-

Nachfrage vom Fragesteller 17.06.2017 | 22:44

- Der AG behauptet, mir eine Einschränkung der Verwendung des Titels mitgeteilt zu haben und würde dies möglicherweise auch gegenüber einem neuen AG behaupten. Ich denke daß ich dies ausreichend widerlegen kann aber da stehen sich letztlich doch zwei Aussagen gegenüber.
- Die Bezeichnung erscheint mir extern von Bedeutung. Nicht aufgrund einer höheren Honorierung, sondern eher umgekehrt. Ich habe unter Verwendung der Berufsbezeichnung 'Senior Engineer' erfolgreich um Forschungsgelder geworben und an Projekten für Unternehmen gearbeitet (für das Gehalt eines 'Medior Engineer'). Ich verwende diese Berufsbezeichnung öffentlich, etwa im Internet.

Meine Sorge liegt darin daß ein neuer AG zu dem Schluß kommt daß ich mir selbst eine berufliche Reife zugeeignet habe was mir nicht zustand. Das ist was der frühere AG schließlich behauptet.

Wäre dies ein Grund, mir zu kündigen oder mir beispielsweise eine Promotion zu verweigern? Sollte ich dem vorbeugen?

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 17.06.2017 | 22:53

Sehr geehrter Fragensteller,

gerne will ich Ihre Anfrage beantworten.

Das Vorspiegeln "falscher" Qualifikationen, die auch über eine irreführende Berufsbezeichnung erfolgen kann, kann einen Kündigungsgrund darstellen. Dies insbesondere dann, wenn der AG gerade im Vertrauen hierauf eine Einstellung vornahm.

Diesem kann in der Tat durch Offenlegung beim Vorstellungsgespräch etc. erfolgen. Inwiefern Sie diesen Weg verfolgen wollen, bleibt Ihnen überlassen. Auf jeden Fall kann Ihr neuer AG sodann nicht behaupten, Sie hätten ihm etwas verschwiegen (was auch einen Kündigungsgrund in diese Richtung ausschließt).

Das Ermöglichen einer Promotion steht allein im Ermessen des AG. Allerdings kann die Gewährung einer Promotionsmöglichkeit auch auf Erfahrung, Werdegang und Betitelung in der Vergangenheit beruhen. Geht Ihr neuer Arbeitgeber von einem "unrichtigen" Werdegang Ihrerseits aus, könnte dies auch eine Promotion verhindern. Im Übrigen gelten meine Ausführungen zur Offenlegung im Rahmen eines Vorstellungsgesprächs etc.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Traub
-Rechtsanwalt-

Bewertung des Fragestellers 18.06.2017 | 00:01


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