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Mehrwertsteuer für virtuelle Serviceleistungen an 'Privatpersonen' im Ausland


12.12.2012 14:41 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Andreas Wehle



Ich habe eine Firma, die Coaches (Life und Business Coaches) dabei unterstützt, Ihre Praxis aufzubauen. Alle Leistungen sind virtuell, das heißt, meine Kunden sind sehr international. Thema: Alles, was mit der Entwicklung eines Coaching-Geschäfts zu tun hat. Rechtlich sind die meisten keine Unternehmen, sondern arbeiten als Freelancer.

Ich möchte wissen, ob ich für folgende Produkte Mehrwertsteuer verlangen muss:

1. Mitgliedschaft in unserer online Community: Die Mitgliedschaft enthält: Ein online Forum, in denen die Coaches sich austauschen können, informative Artikel zum Thema Geschäftsentwicklung und Konferenzcalls zu Themen wie Marketing, Strategie-Entwicklung, etc.

2. Der Businesskit: Ein Geschäftsentwicklungsprogramm. Es enthält:
- online Module (Videos, Texte, Arbeitsblätter)
- Konferenz-Calls
- Einzelcoaching (via Telefon)

3. Einzelcoaching zum Thema Geschäftsentwicklung via Telefon

Wenn ich keine Mehrwertsteuer verlangen muss, wie kläre ich das mit dem Finanzamt?

Herzlichen Dank!
Kathrin Krönig
Sehr geehrte Fragestellerin,

Vielen Dank für die eingestellte Frage. Diese möchte ich aufgrund ihrer Sachverhaltsangaben und in Ansehung des Einsatzes wie folgt beantworten.
Beachten Sie bitte, dass auch kleinste Veränderungen durch Hinzufügen oder Weglassen von Angabe im Sachverhalt die rechtliche Beurteilung wesentlich verändern kann.

Hinsichtlich der Steuerbarkeit von Umsätzen gemäß § 1 UStG möchte ich Ihnen eine kleine Regel an die Hand geben. Diese ist Abhängig vom Leistungsort der erbrachten Leistung. Stellen Sie sich also die Frage, wo wird die Leistung erbracht.

Auch diese Frage ist nicht immer leicht zu beantworten.
Allgemein gibt es eine Bringschuld, dann ist der Leistungs- und Erfüllungsort beim Gläubiger der Leistung. Dann wäre die Holschuld noch zu erwähnen, hier fallen Leistungs- und Erfüllungsort am Standort des Schuldners zusammen. Nur bei der Schickschuld fallen Leistungs- und Erfüllungsort auseinander. Hier leistet der Schuldner bereits seinen Teil der Leistung mit der Aufgabe an den Frachtführer, die Erfüllung fällt in diesem Fall mit der Übergabe des Frachtführers an den Gläubiger an dessen Standort.

Auch dies macht die Beurteilung des Leistungsortes Ihrer Leistungen noch nicht eindeutig bestimmbar, aber wir nähern uns der Lösung.

Das Telefonieren ist eine besondere Form der Schickschuld. Sie leisten/erbringen ihre mündliche Leistung an ihrem Geschäftssitz innerhalb Deutschland und schicken diese durch die „Leitung" zum Empfänger der diese möglicherweise empfängt. Auf den Empfang kommt es aber im Sinne des UStG nicht an. Allein entscheidend ist lediglich wo die Leistung erbracht wird.
Damit wäre die im Inland erbrachte Leistung steuerbar.

In Ihrem Fall träfe das ohne Zweifel auf die telefonischen Einzelcoachings zu. Unter Umständen ist auch die Online Community so zu behandeln.
Soweit Sie auch einen deutschen Server für die vorgefertigten (nicht individuellen) Module verwenden leisten Sie im Sinne des UStG´s auch im Inland.

Damit wäre die erste Frage nach der Steuerbarkeit geklärt, aber noch nicht die Frage, ob USt zu erheben und abzuführen ist.

Bei einer Dienstleistung ins EU- sowie ins Drittlandsgebiet muss daher unterschieden werden, ob sie von dem in Deutschland ansässigen Unternehmer
a) an einen Nicht-Unternehmer (sogenannte Business to Customer (B2C)) oder
b) an einen Unternehmer für dessen Unternehmen (Business to Business (B2B))

erbracht wird.

Bei einer Leistungserbringung an einen Nicht-Unternehmer (B2C) gilt als Leistungsort weiterhin der Ort, an dem der leistende Unternehmer ansässig ist (§ 3 a Abs. 1 UStG). Wird eine Dienstleistung an einen unternehmerischen Leistungsempfänger (B2B) erbracht, ist nicht mehr der Sitz des leistenden Unternehmens maßgeblich, sondern der Sitz des Leistungsempfängers (§ 3 a Abs. 2 UStG). Von diesen beiden Grundregeln gibt es weiterhin einige Ausnahmen. Diese vom Grundsatz abweichenden Sonderregelungen stellen entweder auf den Ort der tatsächlichen Tätigkeit ab (§ 3 a Abs. 3 UStG) oder gelten, wenn die Leistungen an einen im Drittlandsgebiet ansässigen Nicht-Unternehmer erbracht werden (§ 3 a Abs. 4 UStG).

Ihre Geschäftspartner als Freelancer sind in jedem Falle als Businesspartner zu klassifizieren, so dass die jeweilige USt-Verpflichtung von Ihrem Geschäftspartner im Einzelfall abhängig ist.

Generell zu sagen bleibt jedoch, dass nach § 4 UStG innergemeinschaftlichen Leistungen von der USt befreit sind.
Eine konkretere Antwort kann hier leider nicht gegeben werden, weil die Problematik der Umsatzsteuerverpflichtung auch nach den Änderungen in 2010 nicht wirklich einfacher gestaltet wurde.

Ich hoffe Ihnen mit meinen Ausführungen einen ersten Überblick gegeben zu haben.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen
Andreas Wehle, Rechtsanwalt

Nachfrage vom Fragesteller 12.12.2012 | 20:29

Vielen herzlichen Dank! Eine Frage noch zur Klärung mit dem Finanzamt:
Letztendlich ist es doch so: Ich gebe auf der Rechnung den Grund für die Umsatzsteuerbefreiung (oder Nicht-pflicht) an. Das Finanzamt akzeptiert das oder eben nicht. Wie ist der Prozess?
Denn einerseits möchte ich nicht für ein Jahr Steuern nachzahlen, andererseits macht es für die Preise große Unterschiede, denn meine Kunden in den USA können sich ja die deutsche Umsatzsteuer nicht zurückerstatten lassen, was bedeutet, dass meine Services 19% teurer sind als sie sein müssten.
Es handelt sich ja um drei "standardisierte" Produkte, so dass es einmal ein für allemal geklärt werden sollte. Wie gehe ich konkret vor?

Vielen herzlichen Dank für Ihre Mühe!

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 13.12.2012 | 14:37

Sehr geehrte Fragestellerin,

Sie müssen Ihren Kundenstamm aslo in verschiedene Kategorien einordnen. Beispielsweise drei(3).
Die Innerdeutschen (mit USt 19%), die Innereuropäischen (Teile der EU; ohne USt wegen § 4 UStG) und die Drittländer (nicht steuerbar bzw. frei wegen §§ 3 ff. UStG Leistungsort am Sitz des Empfängers).
Ihre drei standartisierten Angebote sind leider für die Einteilung, ob mit oder ohne USt nicht geeignet. Seit der Änderung 2010 hängt dies vom Sitz des B2B Vertragspartners ab.

Persönlich habe ich auch die vorherige Regelung bevorzugt, jedoch nimmt der Gesetzgeber darauf leider keine Rücksicht.
Bitte gestalten Sie Ihre Angebote zwecks der Unterscheidung der Umsatzsteuerpflicht doch einfach nach Regionen.

Ich hoffe Ihnen mit meinen Ausführungen behilflich behilflich sein zu können.
Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen
A. Wehle

Ergänzung vom Anwalt 12.12.2012 | 19:17

Zur Frage wie Sie das mit dem FA klären sei gesagt, dass die jeweiligen Rechnungen den Grund angeben für die Umsatzsteuerfreiheit enthalten müssen.
Erbringen Sie also sonstige Leistungen innerhalb der EU, so sind diese nach § 4 UStG innergemeinschaftliche Leistungen umsatzsteuerfrei.
Geht eine Lieferung in ein Drittland ist diese nach § 1 UStG nicht steuerbar usw..
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