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Ladendiebstahl rückwirkend per Video


03.08.2012 14:08 |
Preis: ***,00 € |

Strafrecht


Beantwortet von

Rechtsanwältin Silke Jacobi


| in unter 2 Stunden

Eine Frage, eine Freundin wurde von einem Geschäft angerufen, dass Sie einen Parfum-Tester gestohlen hat. Dies wurde auf Video aufgenommen. Eine Mitarbeiterin meint die Kundin zu kennen, da die Sie schon mal die Kundin zurückgerufen hatte wegen einer Nachfrage und die Handy-Nr. war bei Ihnen in der Kunden-Kartei.

Hat das Geschäft eine rechtliche Handhabe wegen Anzeige und gilt eine Videoüberwachung als Beweis ?

Kann die Person vom Video von der Polizei indendifiziert werden.

Vielen Dank für eine schnelle Beantwortung.
Trifft nicht Ihr Problem? Wir haben 191 weitere Antworten zum Thema:
03.08.2012 | 15:18

Antwort

von

Rechtsanwältin Silke Jacobi
280 Bewertungen
Sehr geehrte(r) Ratsuchende(r),

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich anhand Ihrer Angaben im Rahmen einer ersten rechtlichen Beurteilung gern wie folgt beantworte:

Das Vorgehen des Geschäfts, eine angebliche Beschuldigte nachträglich anzurufen, weil man sie auf einem Überwachungsvideo erkann haben will, ist tatsächlich etwas ungewöhnlich. Allerdings ist es grundsätzlich zulässig, dass Verdachtsmomenten, auch wenn sie erst nachträglich bekannt werden, nachgegangen wird.

Grundsätzlich sind legal gefertigte Videoaufnahmen geeignete Beweismittel, die im Strafverfahren zur Tataufklärung verwertet werden dürfen. "Überwachungsvideos" aus Geschäftsräumen- ausgenommen der Umkleiden - fallen in der Regel auch nicht unter das Verbot des § 201 a StGB, da dadurch grundsätzlich nicht die Privat- und/oder Intimsphäre des Gefilmten verletzt wird.

Sofern auf der Videoaufzeichnung Ihre Freundin identifiziert werden konnte und auch die Tatbegehung dokumentiert wurde, ist es dem Geschäftsinhaber möglich, eine entsprechende Strafanzeige zu erstatten und die Videoaufzeichnung als Beweismittel zu nutzen.

Die Polizei bzw. Staatsanwaltschaft wird im Falle einer Strafanzeige näher prüfen, ob die Videoaufzeichnung im konkreten Fall tatsächlich als Beweismittel geeignet ist. Sofern Ihre Freundin als Beschuldigte angegeben wird, wird sie von der Polizei zur Vernehmung geladen, so dass spätestens dann von der Polizei auch geprüft werden kann, ob Ihre Freundin tatsächlich auf dem Video zu erkennen ist. Auch wenn die Verkäuferin meint, Ihre Freundin wieder erkannt zu haben, muss im Rahmen der Ermittlungen überprüft werden, ob es sich bei der Person auf dem Video um Ihre Freundin handeln könnte.

Sofern ein Strafverfahren gegen Ihre Freundin eingeleitet wird, ist es auf jeden Fall sinnvoll, wenn Ihre Freundin über einen Verteidiger Akteneinsicht beantragt. Dann kann normalerweise das Video in Augenschein genommen und beurteilt werden, ob und inwieweit sich aus der Videoaufzeichnung der Tatvorwurf bestätigt.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen Ihre Frage damit beantworten und Ihnen einen ersten Überblick verschaffen.

Mit freundlichen Grüßen

Silke Jacobi
Rechtsanwältin




Silke Jacobi, Rechtsanwältin

Nachfrage vom Fragesteller 03.08.2012 | 15:29

Vielen Dank für die schnelle Antwort !

Mich würde noch interessieren, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass wenn das Geschäft den Diebstahl zur Anzeige bringt, die Person zu identifizieren .

Eine Verkäuferin hat meine Freundin erkannt und sie am Handy angerufen und gemeint Sie ist sich sicher, dass meine Freundin gestern im Geschäft war und die Tat begonnen hat.

Fact ist das Geschäft hat die Videoaufzeichnung und eine Handy nummer, wo die Verkäuferin meint die gehört zu meiner Freundin.

Aber die Handy nummer kann sich doch in den letzten Monaten geändert haben...
Bekäme es die Polizei raus mit der Videoaufzeichnung und einen Familiennamen und der Handy Nummer ohne Adresse und Vorname.

Hätte es rechtliche Folgen oder hat das Geschäft nur so mal "gedroht" Anzeige zu erstatten.
Haben ja nicht viele Angaben.

Vielen Dank im voraus.


Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 03.08.2012 | 15:37

Sehr geehrte(r) Ratsuchende(r),

wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, jemanden anhand einer Videoaufzeichnung zu identifzieren, hängt wesentlich von der Qualität der Aufzeichnung ab. Es ist also unmöglich, die Wahrscheinlichkeit abzuschätzen, wenn man die Aufnahmen nicht gesehen hat.

Sofern sich der Verdacht gegen Ihre Freundin erhärtet, wird die Polizei anhand der Videoaufnahmen und der mitgeteilten Handynummer plus Namen in der Lage sein, Ihre Freundin ausfindig zu machen und zu einer Beschuldigtenvernehmung zu laden. Ob sich der Verdacht danach bestätigt oder nicht, hängt dann wiederum von den schon vorhandenen Beweismitteln sowie von dem persönlichen Eindruck der Polizei (Vergleich Videoaufzeichnung mit der anwesenden Person) ab. Auch hier kann ich seriöseweise keine Wahrscheinlichkeit abschätzen.

Sofern sich das Geschäft so sicher ist, wie man dort behauptet, würde ich davon ausgehen wollen, dass man tatsächlich beabsichtigt, Strafanzeige zu erstatten. Bei einer bloßen Drohung wäre wahrscheinlich auch gleich ein Einigungsvorschlag unterbreitet worden, wamm man auf die Strafanzeige verzichtet.

Mit freundlichen Grüßen

Silke Jacobi
Rechtsanwältin

ANTWORT VON
Rechtsanwältin Silke Jacobi
Bielefeld

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