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Ladendiebstahl als Ersttäter, welche Konsequenzen erwarten mich?


28.11.2008 06:40 |
Preis: ***,00 € |

Strafrecht


Beantwortet von


in unter 2 Stunden

Hallo,

ich (34 Jahre) bin in meinem Leben noch nie straffällig geworden oder hatte Konflikte mit dem Gesetz. Dann kam der gestrige Tag... ich war einkaufen (Lebensmittel) und habe einige Sachen auf einmal spontan anstatt in den Wagen in meine Tasche gesteckt. Es ist unglaublich!!! Vor allem weil es Sachen waren die ich gar nicht brauche - z.b. 6 zigarettenschachteln (ich bin ein absoluter Nichtraucher!) oder (teure) Creme für Leute höheren Alters und Handschuhe (ich hab zig Handschuhe). Ich packe mir ständig an den Kopf und begreife es einfach nicht!!! Warum? Nun gut, es ist passiert und ich wurde erwischt! Ich leugne es natürlich nicht und kam mir vor wie in Trance. Insgesamt waren es Waren im Wert von ca. 90 EUR. Meine Güte - was ist nur los mit mir??????? Es tut mir so unendlich leid und ich fühle mich wie ein richtiger Schwerverbrecher!!! So richtig begriffen habe ich das alles erst als ich zu Hause war und traute mich nicht mehr, meiner Familie in die Augen zu schauen. Nie habe ich was angestellt und mit 34 Jahren mache ich sowas!!!

Auf jeden Fall wurden meine Personalien aufgenommen, die Ware zurückgebracht und ich sollte das Protokoll unterschreiben. 100 EUR Fangprämie wurde auch sofort gefordert und natürlich das Hausverbot ausgesprochen. Einen Durchschlag von dem Protokoll habe ich nicht bekommen und leider auch nicht verlangt, obwohl der "Fänger" mir sagte das ich das jetzt unterschreibe und er noch wer weiß was als Diebesgut hinzufügen könnte...

Nun meine Fragen:

1.
Womit muß ich strafrechtlich rechnen oder was ist erfahrungsgemäß in meinem Fall am wahrscheinlichsten?

2.
Wird das Amtsgericht eingeschaltet?

3.
Ist eine so hohe Fangprämie gerechtfertigt? Und muß ich diese wirklich sofort bezahlen?

4.
Ist es normal das ich keinen Durchschlag vom Protokoll bekomme? Immerhin habe ich etwas unterschrieben.

5.
Was kann ich tun um meine ehrliche Reue zu zeigen? Und kann ich etwas tun um eine milde Strafe zu erhalten?

6.
Wie sieht es mit Eintragungen aus (BZR, FZ)?

Über Informationen auf meinen Fall bezogen wäre ich total dankbar! Ich habe zu spüren bekommen wie es ist ein Verbrecher zu sein und dieses Gefühl macht mich total fertig! Ich kannte es vorher nie und ich will es auch nie wieder erfahren!!! Auch wenn ich nicht weiß warum ich auf einmal diesen Aussetzer hatte, weiß ich auf jeden Fall das ich es nie wieder machen werde! Ich will nie wieder so ein Gefühl haben und ich will andere Menschen doch nicht schädigen und auch meiner Familie nicht schaden! Seit gestern bin ich nur am weinen, habe nicht geschlafen und meine Familie nimmt das auch sehr mit! Am liebsten würde ich mich verkriechen und nicht mehr hervorkommen - so sehr schäme ich mich!

Natürlich muß ich für die Tat bestraft werden, aber ich möchte nicht, das es mir in irgendeiner Weise beruflich im Wege stehen könnte oder ich vielleicht noch arbeitslos werde. Ja, das hätte ich mir vorher überlegen sollen - aber ich glaube ich habe gestern gar nicht überlegt! Soll natürlich keine Entschuldigung sein!!! Bitte helfen Sie mir.

DANKE

Gruß vom
Muckel



28.11.2008 | 07:56

Antwort

von


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Sehr geehrte(r) Fragesteller(in),

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich anhand ihres Einsatzes und der gegebenen Informationen wie folgt beantworte:

1.
Womit muß ich strafrechtlich rechnen oder was ist erfahrungsgemäß in meinem Fall am wahrscheinlichsten?

Gemäß § 242 StGB wird derjenige der eine fremde bewegliche Sache in der Absicht wegnimmt sie sich rechtswidrig zuzueignen mit Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren oder Geldstrafe bestraft. Bei dieser angedrohten Strafe handelt es sich lediglich um einen Strafrahmen innerhalb dessen eine angemessene Strafe zu wählen ist. Ihrer Schilderung nach ist kein besonders schwerer Fall des Diebstahls gegeben, da die Waren nicht besonders gegen Wegnahme gesichert waren. Zwar liegt in Ihrem Fall bei einem Warenwert von 90 € kein Diebstahl einer geringwertigen Sache mehr vor, dennoch ist der Wert der Waren noch „relativ“ gering.
Hinzu kommt, dass Sie Ersttäter sind. Es könnte daher gut sein, dass das Verfahren gegen Sie eingestellt wird, evtl. gegen Auflagen. Schlimmstenfalls könnte ein Strafbefehl mit einer Geldstrafe gegen Sie verhängt werden, was ich jedoch für eher nicht wahrscheinlich halte.


2.
Wird das Amtsgericht eingeschaltet?

Dies kommt darauf an. Zunächst führt die Polizei das Ermittlungsverfahren. Nach Abschluss der Ermittlungen erhält die Staatsanwaltschaft den Vorgang. Diese ist die so genannte „Herrin“ des Ermittlungsverfahrens. Sie entscheidet, wie das Ermittlungsverfahren beendet wird. Bei hinreichenden Tatverdacht erhebt Sie die öffentliche Klage und dann wird das Amtsgericht eingeschaltet. Die Staatsanwaltschaft entscheidet im Übrigen auch über die oben geschilderte Einstellung des Verfahrens.


3.
Ist eine so hohe Fangprämie gerechtfertigt? Und muß ich diese wirklich sofort bezahlen?

Fangprämien gehören mit zu dem durch den Täter zu ersetzenden Schaden. Die Prämie muss allerdings in einem angemessenen Verhältnis zu dem Wert der gestohlenen Waren stehen. Im Normalfall ist eine Prämie in Wert von 50 Euro angemessen. Werden die Gelder mit zur Finanzierung der Kundenüberwachung genutzt, so fällt dies nicht in Ihren Pflichtenkreis. Wäre dies nicht der Fall stünden Ihnen Rückforderungsansprüche gegen den Geschäftsinhaber zu. Dennoch ist durch den BGH entschieden, dass auch höhere Prämien angemessen sein können. In Anbetracht des Wertes der durch Sie gestohlenen Waren erscheint diese hier noch angemessen.

Sollte die Prämie angemessen sein, so haben Sie diese auch zu bezahlen. Dies ergibt sich aus § 249 BGB. Mit der Aufforderung zur Zahlung wird diese auch fällig. Sie sollten Sie daher umgehend bezahlen.

4.
Ist es normal das ich keinen Durchschlag vom Protokoll bekomme? Immerhin habe ich etwas unterschrieben.

Wenn Sie das ausgefüllte Formular für die Strafanzeige meinen, so muss es Ihnen nicht ausgehändigt werden. Trotzdem dürfen natürlich durch den „ Fänger“, den Detektiv nachträglich keine Ergänzungen oder Veränderungen vorgenommen werden. Ich denke einerseits wird dieser kein Interesse daran haben Diebesgut hinzuzufügen und andererseits würde er selber ein großes Risiko eingehen, da er sich damit einer Urkundenfälschung strafbar machen kann.


5.
Was kann ich tun um meine ehrliche Reue zu zeigen? Und kann ich etwas tun um eine milde Strafe zu erhalten?

Falls noch keine Anzeige gegen sie erstattet wurde, können Sie versuchen sich bei dem Ladeninhaber zu entschuldigen und versuchen Ihn darum zu bitten von einer Anzeige abzusehen. Sie können auch bei der Staatsanwaltschaft anfragen ob eine Anzeige gegen Sie vorliegt und gegebenenfalls dieser gegenüber Ihr Geständnis ausdrücklich wiederholen und erläutern wie es zur Tat gekommen ist. Sie sollten ausdrücken wie leid es Ihnen tut und auch ggf. angeben dass Sie eine Entschädigung an den Ladeninhaber gezahlt haben. Denn auch Ihr Verhalten nach der Tat findet Berücksichtigung.


6.
Wie sieht es mit Eintragungen aus (BZR, FZ)?

Sollte das Verfahren gegen Sie eingestellt werden, so wird dies weder im Führungszeugnis noch im Bundeszentralregister eingetragen.
Ansonsten werden in das Führungszeugnis das von dem Arbeitgeber angefordert werden kann nur Strafen in Höhe von 90 Tagessätzen oder mehr eingetragen, wovon in Ihrem Fall nicht auszugehen ist. Ins BZR werden jedoch auch darunter liegende Strafen eingetragen.


Ich hoffe Ihnen einen ersten Überblick gegeben zu haben und stehe Ihnen gerne weiterführend, insbesondere im Rahmen der kostenlosen Nachfragefunktion, zur Verfügung.


Mit freundlichen Grüßen


Rechtsanwältin Katarina Zdravkovic

Nachfrage vom Fragesteller 30.11.2008 | 08:57

Hallo,

danke für Ihre Antwort in meiner Angelegenheit!

Wegen den Eintragungen ins BZR/FZ hab ich noch eine Nachfrage:

Da ich Tarifbeschäftigter in der Landesverwaltung bin habe ich natürlich Angst das mein Arbeitgeber davon erfährt. Ist davon auszugehen das er von meiner großen Dummheit erfährt oder eher nicht? Muß ich mit einer Kündigung rechnen?

Vielen lieben Dank!

Gruß
Muckel

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 30.11.2008 | 09:39

Sehr geehrte/r Fragesteller/in,

gerne beantworte ich Ihre Nachfrage.

Wie schon gesagt, wird eine Eintragung ins Führungszeugnis bei Ihnen wohl nicht in Betracht kommen. Bezüglich der Eintragung ins Bundeszentralregister möchte ich Sie auf § 41 BZRG verweisen. Dort ist geregelt, wer uneingeschränkt Auskunft aus dem BZR erhalten kann. Sie finden diese Regelung ganz einfach, wenn sie dies in eine Suchmaschine eingeben. Zwar sind dort oberste Bundes-und Landesbehörden genannt, dies sind jedoch lediglich die Behörden, denen keine weitere Behörde mehr übergeordnet ist. Z. B sind gemäß § 3 LOG NRW - Landesorganisationsgesetz
Gesetzüber die Organisation der Landesverwaltung, die Obersten Landesbehörden die Landesregierung, der Ministerpräsident und die Landesministerien, also nicht die Landesverwaltung. Sie brauchen daher keine Sorge haben, dass Ihr Arbeitgeber davon erfährt.

Ich hoffe Ihre Nachfrage damit beantwortet zu haben.

Mit freundlichen Grüßen

ANTWORT VON

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