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Ladendiebstahl Minderjährig Vodka im Wert von 7€


22.04.2017 11:03 |
Preis: 25,00 € |

Strafrecht


Beantwortet von


in unter 2 Stunden

Zusammenfassung: Ein Jugendlicher hat wegen eines geringwertigen Diebstahls grundsätzlich keine gravierende Sanktion und keinen Eintrag im Führungszeugnis zu erwarten. Eine angemessene, nicht überhöhte "Fangprämie" kann verlangt werden. Wird ein Hausverbot verhängt, muss dieses unbedingt beachtet werden.


Sehr geehrte Anwälte,
ich weiss nicht was mich dazu geritten hat, ich bereue es sehr. Gestern habe ich im Edeka einen Vodka im Wert von 7€ geklaut. Beim Rausgehen hat es gepiept, die Mitarbeiterin bat mich mitzukommen, ich rannte los und wurde kurze zeit später von ihr aufgehalten. Wir gingen zurück in den Laden, ich zeigte mich kooperativ und war bereit für eine Taschendurchsuchung. Außerdem hatte ich noch eine Malibu-Flasche dabei, den ich aber nicht dem Laden entwendet habe. Ich bin jedoch 16 Jahre alt, weshalt auch diese Flasche mir weggenommen wurde. Sie stellen Strafanzeige und sagten meine Eltern müssen eine Famgprämie von 100€ zahlen und ich habe 1 jahr lang hausverbot.

Meine Fragen nun sind:
- Kann das Verfahren eingestellt werden ohne Sozialstunden odersonstiges und das obwohl ich weggerrannt bin?
- Wird das nun in meiner Akte oder im Führungszeugnis stehen?
- Was passiert mit der Malibu-Flasche, den ich ja nicht aus diesem Laden geklaut hatte? Soll ich sagen eine ältere Freundin hat mir den gekauft, dann muss ich doch sicherlich den Namen dieser Freundin, die dann also einerMinderjährigen Alkohol gekauft hat?

Lg
22.04.2017 | 12:14

Antwort

von


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Sehr geehrte Fragestellerin,

das von Ihnen geschilderte Verhalten stellt grundsätzlich - wie Ihnen sicher klar ist - einen Diebstahl dar. Hätten Sie sich gewaltsam gewehrt, würde hier ein räuberischer Diebstahl, also eine deutlich schwerere Straftat im Raum stehen. Das bloße Weglaufen fällt aber nicht darunter und ist als solches auch nicht strafschärfend.

Zu Ihren konkreten Fragen:

- Ja, das Verfahren kann durchaus eingestellt werden. Wenn Sie bisher nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten sind, dann ist das sogar sehr wahrscheinlich. Das Weglaufen ist insofern kein Hinderungsgrund. Im Jugendstrafrecht geht man davon aus, dass einzelne Verfehlungen nicht derart schwerwiegend sind, dass unbedingt eine gerichtliche Verurteilung erfolgen muss. Ob diese Verfahrenseinstellung unmittelbar oder nur gegen Auflagen wie Sozialstunden geschieht, kommt sehr auf den ermittelnden Staatsanwalt an.

- Ein Eintrag im Führungszeugnis kommt hier keinesfalls in Betracht. Ein solcher erfolgt bei Jugendlichen regelmäßig nur bei einer Verurteilung zu einer Jugendfreiheitsstrafe ohne Bewährung - dies steht hier aber sicher nicht zur Debatte.

- Eingetragen wird die Entscheidung allerdings in das sogenannte Erziehungsregister - das ist eben Ihre "Akte". In dieses haben aber nur öffentliche Stellen Einblick, nicht jedoch ein zukünftiger Arbeitgeber o.ä. Wenn Sie aber noch einmal strafrechtliche Probleme bekommen sollten, würde es natürlich negativ berücksichtigt, dass das nicht Ihre erste Verfehlung ist.

- Diese Malibu-Flasche hätte Ihnen nach meiner ersten Einschätzung nicht weggenommen werden dürfen. Allerdings sollte man dieses Thema meines achtens nicht näher aufgreifen. Solange sich die Staatsanwaltschaft nicht näher für diese Flasche interessiert, sollte es dabei erst einmal bleiben.

Darüber hinaus noch einige Bemerkungen:

- Eine Fangprämie ist grundsätzlich zu zahlen. Allerdings gibt es Urteile, die eine Fangprämie von 100 Euro als zu hoch ansehen. Dafür sind aber Sie persönlich zuständig, Ihre Eltern haben damit nichts zu tun - und Ihre Eltern haften auch nicht für Sie. Ggf. müsste Sie mit dem Filialleiter besprechen, wann Sie diese bezahlen sollen, dabei könnte man auch darauf hinweisen, dass diese zu hoch angesetzt ist. Unter Umständen haben Sie dann auch Glück und es wird, zumal Sie als Jugendliche wohl nicht allzu zahlungskräftig sind, auf diese Zahlung verzichtet.

- Das Hausverbot müssen Sie unbedingt ernst nehmen. Dieses ist auch von allen anderen Fragen wie der Verfahrenseinstellung unabhängig. Wenn Sie trotzdem während des nächsten Jahres in den Supermarkt gehen, machen Sie sich eines Hausfriedensbruchs, also einer weiteren Straftat schuldig. Diesen Ärger sollten Sie sich ganz sicher ersparen.

- Sie fragen sich möglicherweise, ob Sie sich auch im Verfahren durch einen Anwalt vertreten lassen sollten. Erfahrungsgemäß ist es zwar so, dass eine Verteidigung im Ermittlungsverfahren die Chancen einer Verfahrenseinstellung deutlich erhöhen. Andererseits müssten Sie dafür wohl mit einigen hundert Euro Anwaltshonorar rechnen. Dazu kann ich Ihnen angesichts des geschilderten Sachverhalts und der minimalen zu erwartenden Sanktion nicht guten Gewissens raten.

Zusammengefasst: Nehmen Sie das alles nicht allzu tragisch. Es sollte aber unbedingt der einzige Vorfall in dieser Richtung bleiben.

Falls Sie weitere Fragen haben, können Sie die kostenlose Nachfragefunktion auf dieser Plattform verwenden. Sie oder Ihre Eltern können mich für einzelne Auskünfte auch gerne in meiner Kanzlei kontaktieren. Meine Daten finden Sie rechts oben auf dieser Seite.

Mit freundlichen Grüßen aus München

Thomas Hummel
Rechtsanwalt


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