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Ladendiebstahl - Geringwertigkeit- Einstellung - Bundeszentralregister


| 15.02.2007 18:42 |
Preis: ***,00 € |

Strafrecht


Beantwortet von


in unter 2 Stunden

Leider habe ich in einem Kaufhaus spontan Kleidungsstücke gestohlen, indem ich sie unter meiner Kleidung anzog.
Der reduzierte Wert der Waren betrug zusammen ca. 40 €,der Origínalpreis allerdings über 50 €.
Die Ladendetektivin stellte mich,ich habe alles zugegeben und ein Geständnis unterschrieben. In diesem hatte sie den Originalpreis der Waren angegeben, weil das in diesem Kaufhaus so üblich ist, wie sie sagte.
Meine Fragen:

Wie gut stehen meine Chancen auf Einstellung, auch gerne gegen Auflagen/Weisungen?
Dummerweise wird ja jetzt der Wert von über 50 € in der Anzeige genannt werden, obwohl ja wohl der Verkaufswert, und damit der reduzierte Wert für die Beurteilung, ob es sich um eine geringwertige Sache handelt, heranzuziehen wäre? Was kann ich tun, um dies zu berichtigen? Soll ich mich an das Kaufhaus wenden und um Berichtigung bitten oder sollte ich den Erhebungsbogen der Polizei abwarten?

Muss ich ernsthaft mit mehr als 90 Tagessätzen rechnen( Relevant für das Referendariat) ? Ich bin vorher nie straffällig geworden, 28 J. alt, Student/in.

Kann eine Verurteilung oder ein Strafbefehl auch bei weniger als 90 Tagessätzen später negative Auswirkungen auf eine Einstellung als Richter/in haben, wenn die Tilgungsfrist des Bundeszentralregisters von 5 Jahren noch nicht abgelaufen ist? Danach keinesfalls, oder?
Kann mir eine solche Verurteilung zu weniger als 90 Tagessätzen bei der Anwaltszulassung im Wege stehen?

Gibt es irgendetwas, was ich jetzt tun kann/sollte oder sollte ich erst einmal abwarten, ob das Verfahren eingestellt wird?

Macht eine Entschuldigung beim Kaufhaus und die Bitte um Nichtanzeige Sinn? Es gehört wohl zu dessen Geschäftspolitik, grundsätzlich Anzeige zu erstatten.

Wer bearbeitet meinen Fall? Könnte es auch sein, dass ein Referendar bei der StA damit betraut wird?

Vielen Dank für Ihre Hilfe!
15.02.2007 | 19:38

Antwort

von


38 Bewertungen
Sehr geehrter(r) Fragesteller(in),

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich auf Grundlage Ihrer Angaben summarisch wie folgt beantworten möchte:

Da Sie Ersttäter sind, der tatsächliche Wert der von Ihnen gestohlenen Sachen jedenfalls keinen allzu großen Mehrwert als 50 Euro haben dürfte und auch kein besonders schweren Fall des Diebstahls vorliegt, da etwa Sicherheitsetiketten an Verkaufswaren, die bei Verlassen des Geschäfts oder einer Abteilung des Hauses akustischen oder optischen Alarm auslösen, keine Schutzvorrichtungen im Sinne des § 243 I 2 Nr. 2 StGB sind (OLG Düsseldorf, Beschl. v. 5. 12. 1997 - 2 Ss 347/97 – 98/97 II), sollten Sie im Rahmen des Ersttäterbonus eigentlich mit einer Einstellung des Verfahrens (evtl. gegen Auflage) rechnen können.

Sie sollten sich natürlich nochmals beim Kaufhaus entschuldigen und dieses darum bitten, von einer Anzeige abzusehen, wenn dies noch zu verhindern ist. Fragen Sie bei der Staatsanwaltschaft nach, ob eine Anzeige gegen Sie vorliegt.
Sollte dies der Fall sein, sollten Sie als angehender Jurist nichts dem Zufall überlassen und – mit anwaltlichem Beistand - nach Akteneinsicht im Rahmen des Ermittlungsverfahrens Ihr Geständnis noch einmal ausdrücklich gegenüber der Staatsanwaltschaft wiederholen. Sie sollten Ihr Bedauern zum Ausdruck bringen. Vielleicht schildern Sie auch besondere "nachvollziehbare" Umstände (etwa Geldnot,) aus denen die Tat entstanden ist.
Haben Sie dem Kaufhaus eine Entschädigung zahlen müssen? Dann teilen Sie dies der Staatsanwaltschaft mit. Teilen Sie auch mit, dass die Waren anders ausgepriesen waren, als von der Kaufhausdetektivin später angegeben. Sollte die Staatsanwaltschaft nach Ihrem Vortrag nämlich von geringwertigen Sachen ausgehen, liegt eine Einstellung ohne Auflage nahe. Teilen Sie der Staatsanwaltschaft mit, dass Sie sich nochmals entschuldigt haben. Auch Ihr Nachtatverhalten fließt in das Strafmaß ein.

Ansonsten sollten Sie der Staatsanwaltschaft in jedem Falle vorsorglich Ihre Einkommenssituation darlegen, da diese - sollte wider Erwarten doch ein Strafbefehl ergehen - für die Bemessung der Tagessatzhöhe herangezogen wird: Da Fälle wie der vorliegende (zumindest bei Wiederholungstätern) meist im Wege des Strafbefehls erledigt werden, wäre es ärgerlich, wenn das Gericht anhand geschätzter Einkommensverhältnisse einen zu hohen Tagessatz in Ansatz bringt.

Die Verhängung einer Strafe von 90 Tagessätzen halte ich im vorliegenden Fall (Ersttäter, Geständnis, geringwertige bzw. annährend geringwertige Sache) für absolut ausgeschlossen. Einer anders lautenden Entscheidung wäre mit anwaltlicher Hilfe im Wege der zulässigen Rechtsmittel entgegenzutreten.

In das von Arbeitgebern angeforderte Führungszeugnis werden dann stets nur Strafen in Höhe von 90 TS und mehr eingetragen. Unter 90 Tagessätzen liegende Strafen werden dort erst nach fünf Jahren gelöscht.

Im Bundeszentralregister finden sich dagegen auch Strafen, die darunter liegen.
Für angehende Juristen ist insoweit bedeutend, dass wenn sie als Anwalt arbeiten wollen, eine Zulassung durch die zuständige Anwaltskammer erfolgen muss. Diese darf einen Blick ins Bundeszentralregister werfen. In den Beamtengesetzen verlangen die Länder von ihren Staatsdienern ebenfalls eine "persönliche Eignung". Ob Ihnen eine solche aber wegen eines einfachen Ladendiebstahls abgesprochen werden könnte, bezweifle ich. Eine solche Entscheidung wäre ebenfalls angreifbar.

Im Ergebnis wird, sollte alles mit rechten Dingen zugehen, das Verfahren (evtl. gegen Auflage) einzustellen sein. Da es um Ihre juristische Zukunft geht, würde ich Ihnen aber in jedem Falle raten, sich anwaltlich vertreten zu lassen.
Gerne biete ich meine Dienste an.

Mit freundlichen Grüßen

Fabian Sachse
Rechtsanwalt


Nachfrage vom Fragesteller 15.02.2007 | 22:53

Die Anwaltskammer darf Einblick in das Bundeszentralregister nehmen, aber es auch bei einem Strafbefehl sehr unwahrscheinlich, dass ich mir die Zulassung verweigert wird, oder?

Ansonsten vielen Dank für Ihre schnelle und hilfreiche Antwort!

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 16.02.2007 | 10:22

Wie ich schon bemerkt habe, ist ein einmaliger einfacher Ladendiebstahl sicherlich kein Zulassungshindernis zur Rechtsanwaltschaft, selbst wenn Sie zu einer geringen Geldstraße verurteilt würden.

Ich hoffe, Ihnen abschließend geholfen zu haben.

Mit freundlichen Grüßen

Fabian Sachse
Rechtsanwalt

Ergänzung vom Anwalt 15.02.2007 | 19:42

Soweit ich Rahmen der Antwort angegeben habe,dass Straftaten unter 90 TS im FÜHRUNGZEUGNIS erst nach fünf Jahren gelöscht werden, bezieht sich dies auf das Bundeszentralregister. Im Führungszeugnis tauchen diese ja nicht auf.

Entschuldigen Sie das Schreibversehen.
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