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Kündigung ohne Abmahnung gerechtfertigt?


16.11.2004 10:32 |
Preis: ***,00 € |

Arbeitsrecht



Wir haben folgendes Problem:
Mein Mann, Student, ist bei einem Studio für Rückentraining unbefristet angestellt. Bezahlung nach gearbeiteten Stunden, d.h. nicht gearbeitet = kein Geld. Im Juni schwere Verletzung. Bis 08.09.04 krankgeschrieben, Lohnfortzahlung 6 Wochen, kein Krankengeld von Krankenkasse wg Studentenstatus. Anfang Juli Gespräch mit Chef, daß er wohl erst Ende des Jahres arbeiten kann, da diese Arbeit ein körperliche Arbeit ist, Fitness notwendig, da Arbeit mit Gewichten, man muß in Notfällen bei Kunden eingreifen, daher körperliche Fitness Voraussetzung. Nach 08.09. keine Krankmeldung mehr, aber laut Arzt und Physiotherapeut sollte er besser nicht arbeiten. leider nicht mehr beim Chef gemeldet (wg Prüfungsstress, persönlichem Stress, Aber: Chef hat sich nie gemeldet). Sollte aber letzte Woche passieren. Aber am 11.11. kam fristlose Kündigung (Grund: nicht mehr gemeldet = absolute Anstandslosigkeit). Ist diese ohne Abmahnung gerechtfertigt?
Sehr geehrte Fragende,

zunächst einmal möchte ich darauf hinweisen, dass nicht der Arbeitgeber nachfragen, sondern der Arbeitnehmer, Ihr Mann, sich hätte melden müssen.

Dann stellt sich mir - als medizinischem Laien - die Frage, ob Ihr Mann jetzt krank war (dann Krankschreibung durch Arzt) oder nicht mehr krank war (dann Aufnahme der Arbeit). Eine Diagnose: "Du bist nicht krank, solltest aber trotzdem nicht arbeiten." gibt es im Arbeitsrecht nicht.

Grundsätzlich muss der Arbeitgeber bei einer Verhaltensbedingten Kündigung vorher eine Abmahnung aussprechen, um dem Arbeitnehmer eine Möglichkeit zu geben, sein Verhalten zu ändern. Eine Abmahnung ist nur dann entbehrlich, wenn das Vertrauensverhältnis bereits unheilbar zerstört ist.

Nachdem sich der festangestellte Arbeitnehmer hier über zwei Monate nicht gemeldet hat, obwohl er nicht mehr krankgeschrieben war und einfach nicht zur Arbeit erschienen ist, kann es durchaus so sein, dass das Arbeitsgericht hier eine Abmahnung als nicht mehr erforderlich ansieht.

Gleichwohl würde ich Ihnen wegen der kurzen Fristen und vor dem Hinblick auf etwaige Sanktionen des Arbeitsamtes raten, hier einen Anwalt aufzusuchen und zu prüfen, ob eine Kündigungsschutzklage Aussicht auf Erfolg hätte.

Dies kann an dieser Stelle wegen der Vielzahl der Fragen (andauernde Krankheit, Studium, Prüfung, etc.) leider nicht beantwortet werden.

Ich hoffe, Ihnen mit dieser ersten Einschätzung weiter geholfen zu haben.

Mit freundlichen Grüßen
Kai Breuning
- Rechtsanwalt -
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