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Kleinunternehmen Fotografie


| 13.01.2011 12:43 |
Preis: ***,00 € |

Generelle Themen


Beantwortet von

Rechtsanwalt Steffan Schwerin


| in unter 2 Stunden

Hallo,

Ich bin momentan Student und möchte im Bereich der Fotografie ein Kleinunternehmen anmelden. Ich möchte vorerst gucken ob ich langfristig davon leben könnte.

1. Ist es überhaupt zulässig für mich, als nicht gelernter Fotograf, ein Kleinunternehmen zu gründen?

2. Hätte ich irgendwelche Einschränkungen in der Ausübung der Fotografie oder darf ich alles machen was ein gelernter Fotograf/Fotografenmeister auch macht ?

3. Wie sieht es mit der Krankenversicherung aus (bin z.Z. familienversichert)?

4. Dürfte ich mir in meiner eigenen Wohnung ein Studio einrichten bzw. was wäre dabei zu beachten ?

5. Gelten die Unternehmensformen (GmbH usw.) auch für ein Kleinunternehmen?

6. Was muss ich bei der Schätzung des Jahresumsatzes beachten ?

7. Muss ich generell Rechnungen für erbrachte Leistungen ausstellen (an Privatpersonen oder Unternehmen) ?

Vielen Dank
13.01.2011 | 14:08

Antwort

von

Rechtsanwalt Steffan Schwerin
745 Bewertungen
Sehr geehrte(r) Fragesteller(in)

die von Ihnen gestellten Fragen beantworte ich unter Berücksichtigung des geschilderten Sachverhaltes sowie Ihres Einsatzes wie folgt:


1. Ist es überhaupt zulässig für mich, als nicht gelernter Fotograf, ein Kleinunternehmen zu gründen?

Grundsätzlich muss ein gelernter Fotograf ein Gewerbe anmelden, sofern er nicht künstlerisch und bilderstattend tätig ist.

Wenn Sie also lediglich künstlerisch tätig sind, bedarf es keines Gewerbes.

Wollen Sie aber der Auftragsfotografie nachgehen, müssen Sie ein Gewerbe anmelden.

Sie dürfen aber auch nur dann als gewerbetreibender Fotograf tätig werden, wenn Sie eine entsprechende Ausbildung im Sinne der Handwerksordnung absolviert haben.

Daher können Sie in Ihrem Fall kein Gewerbe anmelden, sondern lediglich als freischaffender künstlerisch agierender Fotograf auftreten.

2. Hätte ich irgendwelche Einschränkungen in der Ausübung der Fotografie oder darf ich alles machen was ein gelernter Fotograf/Fotografenmeister auch macht ?

Wie gesagt, Sie dürfen nicht gewerblich handeln. Dazu müssten Sie sich einen Meister suchen, der für Sie das Gewerbe anmeldet und betreibt und Sie beschäftigt.

3. Wie sieht es mit der Krankenversicherung aus (bin z.Z. familienversichert)?

Sie wären dann als freiberuflicher Fotograf tätig und müssten sich selbst versichern, also Krankenversicherung, Rentenversicherung etc.

4. Dürfte ich mir in meiner eigenen Wohnung ein Studio einrichten bzw. was wäre dabei zu beachten ?

Das wäre dann möglich.

5. Gelten die Unternehmensformen (GmbH usw.) auch für ein Kleinunternehmen?

Als Einzelperson brauchen Sie keine Unternehmensform zu wählen.

6. Was muss ich bei der Schätzung des Jahresumsatzes beachten ?

Sie können hier nur schätzen, sollten dies realistisch tun. Weiteres müssen Sie nicht beachten.

7. Muss ich generell Rechnungen für erbrachte Leistungen ausstellen (an Privatpersonen oder Unternehmen) ?

Ja, Rechnungen müssen erstellt werden.


Es gibt folgenden Möglichkeiten für Sie:

1) Wer die Fotografie nicht als stehendes Gewerbe ausübt, kann als Reisegewerbetreibender eingestuft werden, der keinen Meisterbrief, sondern nur eine Reisegewerbekarte benötigt, § 55 GewO.

Dabei wird nicht die fachliche Befähigung, sondern nur die persönliche Zuverlässigkeit (polizeiliches Führungszeugnis) geprüft.

Reisegewerbs-Fotograf kann sein, wer auf einer Veranstaltung fotografiert und die Fotos nach einer Stunde zum Kauf anbietet, der Fotograf, der Flugreisende beim Ausstieg aus dem Flugzeug mit einer Sofortbildkamera fotografiert, der Fotograf, der einem Brautpaar an der Kirchenpforte seine Leistung anbietet, der Fotograf, der auf einem Jahrmarkt das Publikum in einem Westernkostüm fotografiert und die digitalen Bilder direkt ausdruckt etc.


2) Die freiberufliche Tätigkeit als Fotoreporter bzw. Bildjournalist sowie die gewerbliche, aber nicht handwerkliche Tätigkeit als Werbe-, Mode- und Industriefotograf bzw. Fotodesigner ist im Regelfall ohne Meisterbrief möglich, wobei die Abgrenzung der Werbefotografen und Fotodesigner im Einzelfall fließend sein kann.

Bei gewerblicher, nicht handwerklicher Fotografie besteht eine Zwangsmitgliedschaft in der IHK (Industrie- und Handelskammer).

Auch bei der künstlerischen Fotografie bedarf es keiner Eintragung in die Handwerksrolle. Die Frage, ob eine künstlerische Tätigkeit nach § 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG vorliegt, wird vom Finanzamt von Amts wegen ermittelt.


Steffan Schwerin, Rechtsanwalt

Nachfrage vom Fragesteller 13.01.2011 | 15:18

Vielen Dank für Ihre ausführlichen Antworten.

Der Unterschied zwischen handwerklicher und gewerblicher Fotografie ist mir nicht ganz klar.

Handwerklich - das Fotografieren an sich und der spätere Privatverkauf meiner Fotografien?
Gewerblich - Auftragsfotografie egal in welcher Richtung (Portraits usw.)

1. Ist es also für mich, als nicht gelernter Fotograf, nicht möglich gewerblich Aufträge anzunehmen (z.b. Familienfotos, Hochzeitsfotos oder Aufnahmen von Firmengebäuden für Unternehmen) ? Was ist mit dem Verkaufen von Fotos an Stockagenturen?

Vielen Dank



Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 13.01.2011 | 15:30

Sehr geehrter Fragesteller,

gern beantworte ich Ihre Nachfrage wie folgt:

Der Unterschied zwischen handwerklicher und gewerblicher Fotografie:

Es gibt keinen Unterschied. Sie müssne zwingend einen Meistertitel nach der Handwerksordnung haben, um ein Gewerbe anmelden zu können.

Als "Hobbyfotograf" kann man kein Gewerbe anmelden.

Sie können dann nur künstlerisch tätig sein. Sie dürfen nicht gewerbsmäßig Auftragsfotografien durchführen.

Dazu müssten Sie sich entweder einen Meister anstellen, der das Gewerbe führt oder sich selbst eine Anstellung besorgen.

Oder Sie betreiben ein sogenanntes Reisegwerbe.

Dann können Sie Aufträge insoweit durchführen, dass Sie Fotos auch auf Hochzeiten machen, die Fotos dann aber vor Ort auch verkaufen müssen.

Ein Verkauf an Stockagenturen ist nur insoweit möglich, als dass es künstlerische Bilder sind.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen weiterhelfen und verbleibe mit freundlichen Grüßen

Steffan Schwerin
Rechtsanwalt

Bewertung des Fragestellers 2011-01-15 | 18:20


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Rechtsanwalt Steffan Schwerin
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