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Kindesunterhalt Erwerbsobliegenheit


18.01.2011 22:46 |
Preis: ***,00 € |

Familienrecht


Beantwortet von


in unter 1 Stunde

Sehr geehrte(r) Anw(ä)lt/in,
meine Tochter (15) ist Anfang letztes Jahres zu ihrem Vater gezogen. Vater hatte immer mehr Geld und war an den Wochenenden nicht so streng (bzgl. Schule, Aufräumen usw.) wie die Mutter. Ich war teilzeit beschäftigt, sodass ich genügend Zeit für sie hatte. Nach dem Umzug verlangte mein Ex-Mann Unterhalt für die Tochter. Gleichzeitig hatte ich Ende Februar 2010 meine Arbeit (wg. Firmeninsolvenz) verloren. Die Arbeitsagentur berechnete ein Unterhalt von 133,00 Euro (903 Arbeitslosengeld abzgl. 770 Selbstbehalt). Eine neue Anstellung sollte ich sofort melden. Nach langem suchen (überwiegend Vollzeitstellen) und vielen Absagen, bekam ich endlich ab dem 01.11.10 eine Anstellung, allerdings in Teilzeit. Verdienst 1200 Brutto/ 911 Netto. Heute bekam ich einen Brief vom Jugendamt, in dem die Berechnung für "meine gesteigerte Erwerbsobliegenheit" stattgefunden hat und der Unterhalt für Vollzeit (d.h. fiktiv 2400 Brutto / 1553,07 Netto) berechnet wurde. Ich soll 334 Euro meinem Ex-Mann zahlen. Ist hier Widerspruch sinnvoll? Ich habe das Geld nicht, und bin immernoch auf der Suche nach Vollzeit beschäftigung. Es wäre doch besser arbeitslos zu bleiben oder? Gibt es eine Möglichkeit diese Forderung zu verzögern bis ich das Geld tatsächlich habe?
Vielen Dank für Ihre Hilfe.
Bea S.
18.01.2011 | 23:08

Antwort

von


543 Bewertungen
Sehr geehrte Fragestellerin,

Ihre Anfrage möchte ich anhand Ihrer Sachverhaltsschilderung wie folgt beantworten:

Es besteht tatsächlich eine sog. gesteigerte Erwerbsobliegenheit zur Sicherstellung des Mindesunterhaltes für minderjährige Kinder. D.h. im Ergebnis, dass der Unterhaltsschuldner alle zumutbaren Anstrengungen unternehmn muss, um ausreichende Einkünfte zu erzielen, damit der Mindestunerhalt nach der Düsseldorfer Tabelle gezahlt werden kann.

Auf der anderen Seite dürfen die Anforderungen auch nicht vollkommen überspannt werden. Deshalb empfehle ich Ihnen durchaus, der Unterhaltsfestsetzung durch das ASD zu widersprechen. Sie können nach Ihren Angaben nachweisen, dass Sie sich intensiv um eine Vollzeitstelle beworben haben. Wenn es Ihnen aber trotz intensiver Bemühungen nicht gelingt, eine Vollzeitstelle zu bekommen und so mehr Geld zu verdienen, dann können Ihnen nicht willkürlich fiktive Einkünfte zugerechnet werden.

Es ist also im Ergebnis durchaus sinnvoll, der Erhöhung der Unterhaltsverpflichtung entgegenzutreten.

Ich hoffe, Ihre Frage damit im Rahmen dieser Erstberatungsplattform zufriedenstellend beantwortet zu haben und stehe ihnen für weitere Beratung oder Vertretung bei Bedarf gern zur Verfügung.



Rechtsanwalt Sascha Steidel
Fachanwalt für Familienrecht

ANTWORT VON

Kiel

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