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Kinder sollen den Hauptwohnsitz beim Vater haben


22.12.2008 20:26 |
Preis: ***,00 € |

Familienrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Oliver Wöhler



Hallo.
Seit März 2003 lebe ich von meinem Exmann getrennt, seit März 2004 sind wir geschieden.
Unsere gemeinsamen Kinder (8 & 11) leben bei mir. Er wollte sie über zwei Jahre gar nicht sehen - jetzt läuft der Kontakt wieder an (jeden 3. Samstag von 9.00 - 18.00). Er hat mir vor zwei Jahren freiwillig das alleinige Sorgerecht übertragen.

Er hat nun wieder geheiratet, lebt in sehr geordneten Verhältnissen und hat einen gesicherten Arbeitsplatz. Die Kinder wären bei ihm gut aufgehoben.
Ich möchte (aufgrund unterschiedlichen, persönlichen und gesundheitlichen Problemen) dass die Kinder dauerhaft beim Kindsvater leben und nicht bei mir.

Wie realistisch ist eine Klage, die dem Kindsvater mehr Umgang, bzw. mehr Verantwortung überträgt bzw. ein Antrag auf die "Umkehrung der derzeitigen Verhältnisse" (Kinder leben beim Vater, entweder mit geteiltem Sorgerecht oder alleinigem, Mutter zahlt Unterhalt)?

Wie stehen hier die Chancen, dass ein Gericht dieses Urteil fällt (Bayern) evtl. auch gegen den Willen des Vaters?

Wie relevant sind die Wünsche der Kinder?

Welche Kriterien gibt es, dass ein Gericht dieses Urteil fällen würde - z. B. Krankheit etc.?

Ich möchte selbstverständlich die Kinder trotzdem weiter regelmäßig sehen - würde dies erfahrungsgemäß ein Problem darstellen?

Wie gehe ich am besten vor?



Vielen Dank für Ihre Hilfe.
mfg

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Sehr geehrte Fragestellerin,

gerne beantworte ich Ihre Frage. Ihre Situation läßt sich regeln, allerdings nicht gegen den Willen des Vaters und der Kinder.

Sie als alleinige Inhaberin der elterlichen Sorge können keine Klage auf Umkehrung führen. § 1671 BGB sieht eine Antragsstellung nur durch den Elternteil vor, der die Übertragung auf sich begehrt. Die Übertragung der elterlichen Sorge findet nur statt, wenn Sie dem Wohl des Kindes am besten entspricht. Das Kindeswohl ist immer der Hauptprüfungsmaßstab. Der Antrag würde nach § 1671 II Nr. 1 BGB immer erfolgreich sein, wenn Ihr Exmann diesen stellen würde und Sie im Verfahren zustimmen. Sie sollten sich also zwingend mit Ihrem Exmann abstimmen, denn wenn er nicht bereit ist die Kinder zu sich zu nehmen, oder wenn die Kinder dies nicht wollen, dann würde keine Chance bestehen. Sie können sich nicht durch ein Verfahren der elterlichen Sorge "entledigen", wenn nicht der andere Elternteil diese übernimmt. Die Gerichte, gerade in Bayern, legen viel Wert auf den Kontinuitätsgrundsatz. Ein Wechsel in der Betreuung kann nur stattfinden, wenn zwingende Gründe des Kindeswohls dies gebieten. Wenn Sie aus gesundheitlichen Gründen die elterliche Sorge nicht mehr ausüben könnten, besteht die Gefahr das Maßnahmen über das Jugendamt notwendig werden.

Ich würde Ihnen zu einem Mittelweg raten. Wenn Ihr Exmann vorläufig einverstanden wäre, dann bräuchte überhaupt kein Verfahren geführt zu werden. Sie können Ihrem Exmann zunächst eine Erziehungsvollmacht ausstellen, damit er entsprechend berechtigt ist. Diese kann widerruflich sein, damit Sie die Möglichkeit haben, die Situation evtl. später zu ändern. Natürlich steht Ihnen immer ein Umgangsrecht mit den Kindern zu, wenn diese beim Vater leben.

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