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Kann ich mich als Musiklehrer von der Umsatzsteuer befreien lassen?


20.12.2016 13:19 |
Preis: 25,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von


in unter 2 Stunden

Zusammenfassung: Unternehmer mit Umsätzen von 17.500 € oder mehr unterfallen der Umsatzsteuerpflicht des UStG. Dies gilt generell für alle Leistungen, bis auf Ausnahmen beim Baugewerbe und im Kfz-Handel. Für Kleinunternehmer kann die IST-Versteuerung eine Erleichterung sein.


Ich unterrichte Gitarre an verschiedenen internationalen Schulen (Kinder zwischen 5 und 18 Jahren).
Die Rechnungen schicke ich allerdings als Selbständiger direkt an die Eltern und es handelt sich bei dem Unterricht nur um ein zusätzliches Angebot außerhalb der Unterrichtszeit. Die Schule ist praktisch nur insoweit involviert, als das sie mir die Räumlichkeiten zur Verfügung stellt.

Ich bin dieses Jahr über die 17.500€ Jahresverdienst gekommen und deshalb ab nächsten Jahr umstatzsteuerpflichtig.

Kann ich mich in dem Fall von der Umsatzsteuer befreien lassen ?
Vielen Dank
20.12.2016 | 14:04

Antwort

von


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Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Als Selbständiger unterliegen Sie der Besteuerung nach dem Umsatzsteuergesetz (§ 1 Absatz 1 Nr. 1 UStG). Dies gilt leider unabhängig davon, ob Sie Künstler, Maurer oder Händler sind. Nur bei sehr wenigen Ausnahmen, wie dem Autohandel oder am Bau, kommt es auf die Art der Leistungen an.

Eine Unterscheidung nimmt das Umsatzsteuerrecht generell nur in der Größe der Umsätze vor. zur Vereinfachung der Abwicklung für die Steuerverwaltung und zur Entlastung der Geringverdiener (Kleinunternehmer) hat der Gesetzgeber die Ausnahme des § 19 Umsatzsteuergesetz geschaffen.

Dort sind die Bedingungen festgelegt, unter denen ein Kleinunternehmer nicht gezwungen ist, Umsatzsteuervoranmeldungen und Jahresumsatzsteuererklärungen abzugeben und die daraus jeweils resultierenden Beträge zu zahlen. Wenn Sie im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz (also nicht Verdienst oder Gewinn) von weniger als 17.500 € hatten UND im kommenden Geschäftsjahr voraussichtlich nicht mehr als 50.000 € umsetzen werden, sind Sie befreit.

Diese Bedingungen sind zum einen kumulativ und zum anderen abschließend. Es gibt leider keine Ausnahme, auch wenn Sie im kommenden Geschäftsjahr weniger als 17.500 € zu verdienen erwarten. Sollte es so kommen, könnten Sie ab dem Geschäftsjahr 2018 wiederum die Ausnahme des § 19 UStG für sich geltend machen.

Sind Sie als Selbständiger tätig und umsatzsteuerpflichtig, so müssen Sie grundsätzlich Ihre Umsatzsteuer nach Voranmeldung zahlen, wenn Sie die Leistung erbracht haben (§ 16 Absatz 1 UStG). Dies nennt sich die Soll-Versteuerung und kann dazu führen, dass Sie Steuern auf etwas zahlen, was Ihre Kunden nicht bezahlt haben.

Um das zu vermeiden und vor allem den Geldabfluss durch die Umsatzsteuerpflicht klein zu halten, sollten Sie beim zuständigen Finanzamt den Wechsel zu IST-Versteuerung beantragen. Das können Sie als Selbständiger mit einem Umsatz von unter 500.000 € nach § 20 Absatz 1 UStG verlangen. Es reicht ein formloser Brief.

Sollten Ihre Umsätze und vor allem Gewinne über die Jahre weiter klein bleiben, lässt auch die Frequenz der zu erstellenden USt-Voranmeldungen nach.

Zusammengefasst:
Die Ausnahmekriterien des UStG sind abschließend. Es kommt generell nur auf die Umsatzhöhe an, nicht auf die Art der Leistung. Als Selbständiger mit Umsätzen von unter 500.000 € im Jahr können Sie zur Erleichterung die IST-Besteuerung beantragen.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen


Rechtsanwalt Stefan Pieperjohanns

Nachfrage vom Fragesteller 23.12.2016 | 10:35

Danke, aber meine Frage bezog sich mehr auf folgenden Absatz im Umsatzsteuergesetz, der in §4 Ausnahmen von der Umsatzsteuer definiert:

"….die unmittelbar dem Schul- und Bildungszweck dienenden Leistungen privater Schulen und anderer allgemein bildender oder berufsbildender Einrichtungen, wenn die zuständige Landesbehörde bescheinigt, dass sie auf einen Beruf oder eine vor einer juristischen Person des öffentlichen Rechts abzulegende Prüfung ordnungsgemäß vorbereiten."

Wie wird dieser Paragraf ausgelegt / angewendet? Gibt es Urteile hierzu? Denn ich kenne Musikinstitute die auch nur "normalen" Instrumentenunterricht beim Schüler zu Hause anbieten und keine Umsatzsteuer entrichten müssen. Wie machen die das?

Schönen Gruß

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 23.12.2016 | 20:45

Sehr geehrter Fragesteller,

die von Ihnen in Bezug genommene Ausnahmevorschrift bezieht sich leider nur auf Honorarkräfte von umsatzsteuerbefreiten Schulen oder deren Bildungsdienstleistern. Es bedarf einer Bescheinigung der Schule, dass Sie Leistungen für Sie erbringen und dass die Schule selbst wiederum steuerbefreit ist.

Da Sie aber als selbständiger Musiklehrer Leistungen an die Eltern erbringen und diesen in Rechnung stellen, habe ich diese Ausnahme nicht berücksichtigt. Ihre Konkurrenz dürfte einfach ein anderes Abrechnungsmodell haben.

Sie könnten zwar versuchen, mit der Schule einen anderen Modus zu verabreden, aber ich vermute, diese wird das nicht machen wollen. Gegebenenfalls sollten Sie Rücksprache mit dem zuständigen Finanzamt nehmen. Mehr als eine Umsatzsteuerpflicht kann nicht herauskommen.

Mit freundlichen Grüßen
Rechtsanwalt

Pieperjohanns

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