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Höhere Abfindung besser oder spätere Beendigung des Arbeitsverhältnisses?


23.11.2004 19:54 |
Preis: ***,00 € |

Arbeitsrecht


Beantwortet von


in unter 2 Stunden

Aus betriebsbedingten Gründen wird meine Arbeitsstelle im Januar nächsten Jahres entfallen (outsourcing). Mein Arbeitgeber bietet an, das Arbeitsverhältniss zum 31.12.2005 aufzulösen, bei sofortiger Freistellung ab dem 1. Januar 2005. Das heißt, ich bekäme im Jahr 2005 noch Gehalt von meinem Arbeitgeber und dann im Anschluß evt. Arbeitslosengeld.

Alternativ bietet der Arbeitgeber an, eine Abfindung zu zahlen. Die Höhe der Abfindung soll dem Bruttojahresgehalt von ca. 45.000 € entsprechen. In diesem Falle würde das Arbeitsverhältniss fristgerecht zum 31. März 2005 beendet.

Welche Alternative wäre zu empfehlen? (Sperrzeiten beim Arbeitslosengeld? Anrechnung von Abfindungen, Steuern)

Oder gibt es noch bessere Alternativen? Momentan kann ich noch Alternativvorschläge machen.
23.11.2004 | 20:42

Antwort

von


767 Bewertungen
Sehr geehrter Ratsuchender,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich wie folgt beantworten möchte.

Eine einvernehmliche Auflösung des Arbeitsverhältnisses hat in der Regel eine Sperrzeit von bis zu 12 Wochen bei der Inanspruchnahme von Leistungen der Bundesagentur für Arbeit zur Folge. Das würde bedeuten, daß Ihnen die ersten 12 Wochen nach Beendigung des Arbeitsvertrages keine Leistungen zufließen werden. Von Vorteil wäre bei dieser Lösung aber natürlich, daß Sie noch 12 Monate Gelegenheit haben, bei Bezahlung des vollen Lohnes und unter Freistellung einen neuen Arbeitsplatz zu finden und dadurch Arbeitslosigkeit zu vermeiden. Ob dies eine realistische Chance ist, hängt natürlich von Ihren Qualifikationen, der Branche und weiteren Faktoren ab, wie z.B. Ihrem Alter. Gelingt es Ihnen nicht, im nächsten Jahr eine neue Stelle zu finden, erhalten Sie zwar ab Januar 2006 Arbeitslosengeld und können auf ein ganzes Jahr bezahlten Urlaub zurückschauen. Aber gewonnen haben Sie dann nichts.

Auf der anderen Seite kann Ihnen der Arbeitgeber natürlich - wenn die dringenden betrieblichen Gründe vorliegen - fristgerecht kündigen und Sie gem. § 1a KSchG in der der Kündigung auf Ihren Anspruch einer Abfindung für den Fall, daß Sie keine Kündigungsschutzklage erheben, hinweisen. Problematisch erscheint mir aber die Höhe der angebotenen Abfindung. Nach § 1a Abs. 2 KSchG beträgt die Höhe der Anfindung 0,5 Monatsverdienste für jedes Jahr des Bestehens des Arbeitsverhältnisses. Ein Bruttojahresgehalt käme danach also nur in Betracht, wenn Sie 24 Jahre in der Firma gearbeitet hätten. Ich vermute, daß dies nicht der Fall ist, weil in diesem Fall die Kündigungsfrist nicht lediglich 3 Monate betragen wird. Nach dem Gesetz würde Ihnen daher eine geringere Abfindung zustehen.

Selbstverständlich kann der Arbeitgeber auch bereits in die Kündigung hineinschreiben, daß er sich zur Zahlung einer Abfindung in Höhe eines Bruttojahresgehaltes verpflichtet. Übersteigt die Abfindung aber die nach § 1 Abs. 2 KSchG geschuldete Abfindung, liegt für das Arbeitsamt der Verdacht nahe, daß der Kündigung eine entsprechende Absprache mit Ihnen vorausgegangen ist. Denn warum sonst sollte der Arbeitgeber Ihnen eine höhere Abfindung anbieten, als er nach dem Gesetz müsste? In diesem Fall besteht wiederum die Gefahr, daß das Arbeitsamt besonders genau nachfragt und eine Sperrzeit verhängt. Es sollte also, wenn dieser Weg gegangen wird, auf keinen Fall der Eindruck einer Absprache zwischen Ihrem Arbeitgeber und Ihnen entstehen.

Das Problem liegt darin, daß auch sogenannte Abwicklungsvereinbarungen, die nach der Kündigung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer vereinbart werden und eine Abfindung enthalten, vom Arbeitsamt dahingehend ausgelegt werden können, daß zwischen den Parteien vor Ausspruch der Kündigung eine Absprache stattgefunden hat und Sie somit an der Beendigung des Arbeitsvertrages beteiligt gewesen sind. Eine Vereinbarung, nach der Ihnen Ihr Arbeitgeber eine über § 1a Abs. 2 KSchG hinausgehende Abfindung verspricht, wird daher m.E. nicht ohne das Risiko einer Sperrzeit abzuschließen sein. Dies sollten Sie mit dem Arbeitgeber besprechen. Unter Umständen erklärt er sich bereit, die Abfindung um den Betrag des Arbeitslosengeldes, welches Ihnen durch die Sperrzeit entgeht, aufzustocken.

Über eine mögliche Sperrzeit hinaus, würde die Abfindung, sofern die Kündigungsfrist eingehalten wurde, nicht angerechnet. Allerdings müssten Sie die Abfindung versteuern. Steuerfreibeträge bestehen auf Abfindungen nur bis in Höhe von EUR 7.200,00, bzw. bei Vollendung des 50. Lebensjahres und mindestens 15-jähriger Betriebszugehörigkeit für EUR 9.000,00 und bei Vollendung des 55. Lebensjahres und mindestens 20-jähriger Betriebszugehörigkeit für Abfindungen bis zur Höhe von EUR 11.000,00.

Die Entscheidung, ob Sie den ersten Weg - Auflösungsvertrag zum 31.12.2005 und Freistellung - oder den zweiten Weg - Kündigung mit Abfindung - gehen möchten, ist also zum einen eine Rechenaufgabe und hängt davon ab, wie schnell Sie damit rechnen, eine neue Stelle zu bekommen. Im Idealfall bekommen Sie die Abfindung und finden direkt eine neue Stelle. Im schlechtesten Fall dauert die Stellensuche länger und die Abfindung ist bis dahin verbraucht.

Die Entscheidung darüber, welchen Weg Sie einschlagen möchten, kann Ihnen leider niemand abnehmen. Sie sollten sich überlegen, welche Chancen sich auf dem Arbeitsmarkt für Sie bieten. Sodann sollten Sie, ggf. nach Rücksprache mit einem Steuerberater, abklären, welcher finanzielle Unterschied zwischen den beiden Möglichkeiten besteht. Da Sie die Abfindung zum großen Teil versteuern müssen und - nach wahrscheinlicher Sperrzeit - Arbeitslosengeld in Höhe von 60% des letzten Nettoverdienstes erhalten werden, lässt sich der Unterschied ausrechnen:

Variante 1: Gehalt Januar bis Dezember 2005, danach Sperrzeit.
Variante 2: Abfindung nach Steuern + Arbeitslosengeld (ggf. mit Sperrzeit)

Welche Variante nun günstiger ist, kann an dieser Stelle nicht gesagt werden. Es wird auch darauf ankommen, wie schnell Sie eine neue Stelle finden und ob Sie das Risiko eingehen möchten, daß dies u.U. länger dauert.

Ich hoffe Ihnen mit meiner Antwort einige Anhaltspunkte gegeben zu haben, die Ihnen helfen, die richtige Entscheidung zu treffen und stehe für eine darüber hinausgehende Beratung gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

A. Schwartmann
Rechtsanwalt


--
Rechtsanwalt Andreas Schwartmann
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