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Hochzeitsfotos


| 10.10.2006 16:31 |
Preis: ***,00 € |

Urheberrecht, Markenrecht, Patentrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Elmar Dolscius




Also mein Problem ist etwas kompliziert. Ich habe eine Bekannte die gelernte Fotografin ist, diesen Beruf aber schon seit laengerem nicht mehr ausuebt. Im Mai haben mein Mann und ich kirlich geheiratet. Wir hatten diese besagte Bekannte mit unseren Fotoarbeiten betraut. Bis zum besagten Hochzeitstag war sie eine Freundin, und sie war zu unseren Feierlichkeiten so oder so eingeladen, hat bei uns schon einen Tag vorher auf unsere Kosten bei uns genaechtigt und durfte zur Hochzeit sogar noch einen Bekannten mit bringen. Das Problem ist das sie nach der Hochzeit 350Euro wollte, per Vorkasse was vorher aber nicht so ausgemacht war. Es war ausgemacht das sie die Fotos schickt und ich dir dann nach Erhalt das Geld ueberweise. Nun ist sie zum Anwalt. Es sind schon einige Briefe hin und her gegangen, allerdings habe ich bisher keinen Rechtsbeistand mit dieser Sache beauftragt. Ich habe mich ausserdem geweigert die Fotos per Vorkasse zu bezahlen weil mir der Betrag etwas arg hoch erschien und sie sich weigerte mir eine ordentliche Kostenaufstellung zukommen zu lassen. So, nun mitlerweile will sie schon nur noch 200Euro und wuerde die Sache dann als erledigt sehen. Dann wuerde ich auch meine Fotos bekommen. Allerdings weigert sie sich mir meine Negative heraus zu geben, ich zitiere, "aufgrund des photographischen Urherberrechts des Kuenstlers". Wie gesagt sie hat lediglich den Beruf erlernt uebt diesen aber nicht mehr aus, und sie war ja auch nicht agangiert sondern als Freundin um einen Gefallen gebeten. Anzumerken sei auch das sie vorher 350Euro allein fuer Fotos wollte. Im ersten Anwaltsschreiben wollte sie unter anderem 90Euro fuer Fahrtkosten, 15Euro Gebuehren fuer Copyrightaufkleber etc., 5Euro Parkgebuehren usw. Allerdings hatten sich die Preise fuer die Fotos im Stueck praktisch halbiert, was dann doch eindeutig daraufhin weisst das sie vor hatte mehr zu verlangen um dadurch Gewinn zu machen den sie nicht versteuert. Zustehen wuerden ihr etwa 150Euro, laut ihrer Stueckpreise. Fahrtkosten etc. weigere ich zu zahlen da sie ja als Gast geladen war und sie uns weitmehr als 90Euro gekostet hat. Selbst wenn ich mich auf diesen Kuhhandel einlasse und ihr nun die 200Euro zahle, weigert sie sich weiterhin die Negative heraus zu geben. Ich bin aber nur zur Zahlung bereit wenn ich meine Fotos und Negative vorab bekommen. Wie ist hier nun die Rechtslage??? Hat sie wirklich ein Urheberrecht auf meine Negative? Und wenn ja, wie genau legt sich das dar. Meines Wissens ist es so das ein Fotograf Copyright etc. auf die Negative hat da er ja spaeter einmal mit weiteren Bestellungen und somit Gewinnen rechnen kann. Sie allerdings kann das ja nicht da sie ja nicht gewerblich taetig ist. Macht es Sinn meine Negative einzuklagen? Sind die Fahrkosten etc. berechtigt?
10.10.2006 | 21:14

Antwort

von

Rechtsanwalt Elmar Dolscius
133 Bewertungen
Sehr geehrte Ratsuchende,

gerne beantworte ich Ihre Frage summarisch auf der Basis der mitgeteilten Informationen.

1. Tatsächlich hat Ihre Freundin/Bekannte das Urheberrecht an den Bildern bzw. Negativen.
Der Beruf des Fotografen ist seit der Reform der Handwerksordnung 2004 kein geschützter Veruf mehr. Es spielt daher keine Rolle, ob Ihre Freundin den Beruf noch ausübt oder nicht.

Das Recht an den Bildern in ihrer Gesamtheit (incl. Negative) können Sie natürlich erwerben. Tun Sie dies nicht, bleibt das Urheberrecht beim Fotografen.

2. Hinsichtlich der Fahrtkosten und sonstigen Forderungen ist Folgendes zu sagen: Generell scheint zwischen Ihnen und Ihrer Freundin eine Absprache bestanden zu haben. Da Sie selbst ausgeführt haben, dass Ihre Freundin bestimmte Preise für Fotos hat und in Anbetracht der Tatsache, dass Ihrer Freundin zum einen Kosten entstanden sein dürften und Sie Ihre Freundin ja gerade wegen Ihres, wenn auch nicht mehr ausgeübten Berufes gewählt haben, würde ein angerufenes Gericht vermutlich dazu tendieren, dass die Beauftragung als "Hochzeitsfotografin" nicht unentgeltlich gemeint sein konnte. Eine solche Tätigkeit dürfte über eine normale Gefälligkeit hinausgehen. Wenn keine Vergütung vereinbart wurde, richtet sich diese nach der Ortsüblichkeit. So oder so werden Sie also nicht um eine Vergütung der Tätigkeit umhinkommen.

Inwieweit die Fahrtkosten darin enthalten sein können, ist eher eine Sache des Anstands als der Rechtslage. Einerseits hätte ein normaler Fotograf diese Kosten durchaus auf Sie umlegen können. Andererseits war Ihre Freundin auch als Gast eingeladen. Sie wäe also sowieso gekommen.

3. Mein Rat wäre daher folgender: Einigen Sie Sich mit Ihrer Freundin auf eine bestimmte Summe für Fotos UND Negative. Als Richtwert würde ich vielleicht 300 Euro annehmen. Damit wäre dann alles abgegolten. Aus meiner eigenen Erfahrung mit Hochzeitsfotografen, wäre das ein sehr annehmbarer Preis. Zumeist sind Hochzeitsfotografen erheblich teurer, gerade wenn es um die Rechte an den Bildern geht (auch wenn sie aufgrund des Rechts am eigenen Bild nichts weiter damit anfangen können, als sie dem Hochzeitspaar zu verkaufen).

Die Alternative sieht so aus: Sie beauftrage auch einen Anwalt. Da die Beweislage nicht eindeutig ist, dürfte am Ende ein Vergleich stehen, bei dem beide Parteien Ihre Kosten selbst tragen. So kommen Sie zu den Bildern, tragen aber die Kosten für die Rechtsverfolgung selbst. Dies würde um einiges teurer werden. An die Recht am Bild kommen Sie so auch nicht, da diese in der Vereinbarung nicht zwangsläufig enthalten sein müssen. Für das Gegenteil wären Sie beweislastig.
Wenn sich Ihre Freundin also auf die 300 Euro einlassen würde, wäre das für alle Beteiligten wahrscheinlich die günstigste Methode und Sie hätten am Ende die Bilder und die Rechte.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit meiner Antwort eine erste rechtliche Orientierung geben.

Mit freundlichen Grüßen an das Hochzeitspaar

Elmar Dolscius
Rechtsanwalt


Nachfrage vom Fragesteller 11.10.2006 | 08:48

Vielen Dank fuer die Antwort. Aber wie kann es sein das sie die Urheberrechte hat, wenn sie nicht als Fotografin angagiert war? Ich meine, wenn im Urlaub ein Bekannter von mir ein Bild macht wie ich vorm Eifelturm stehe gehoert dem dann theoretisch auch mein Negativ??? Sie war als Freundin gefragt ob sie nicht die Fotos machen moechte da sie sich ja auskennt, und nie und nimmer als Fotografin angagiert. Es war auch deutlich ausgemacht das sie kein Honorar erhaelt sondern ihr nur ihre Materialkosten bezahlt werden. Noch dazu war nie ausgemacht das sie die Negative einbehaelt. Und ich hatte ihr schon einmal angeboten ihr die Negative abzukaufen, noch bevor sie zum Anwalt ging, aber als Antwort bekam ich nur das ich sowas nicht bezahlen koennte. Also wie gesagt, mir leuchtet einfach nicht ein warum sie das Recht hat meine Negative zu behalten, obwohl das nie ausgemacht war. Noch dazu, war dies nicht das erste Mal das sie fuer unsere Familie Fotos gemacht hat. Sie hatte nach der Geburt unseres Sohnes vor 3 Jahren von ihm Fotos gemacht, und da hab ich die Negative auch bekommen. Im jetztigen Fall deutet es nur darauf hin das sie aus Boshaftigkeit die Negative einbehaelt.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 11.10.2006 | 13:31

Sehr geehrte Ratsuchende,

vielen Dank für Ihre Nachfrage, die ich gerne wie folgt beantworten möchte:

Sie dürfen zwei Dinge nicht verwechseln: Urheberrecht und das Recht am eigenen Bild.

Das Urheberrecht hat schlicht immer derjenige, der ein WErk ( in Ihrem Fall ein Foto) geschaffen hat. Dieser Tatbestand ist völlig unabhängig von der Frage, ob Ihre Freundin noch als Fotografin tätig ist oder nicht. Auch Sie hätten das Urheberrecht an einem Bild, welches Sie aufnehmen.

Etwas anderes ist das Recht am eigenen Bild. Ihrer Freundin ist es nicht erlaubt, die Bilder ohne Ihre Zustimmung zu verwerten. An den Negativen hat sie jedoch das Urheberrecht.

Ich möchte nicht in Abrede stellen, dass bei Ihrer Freundin eine gewisse Boshaftigkeit mitspielt. Dies werden Sie jedoch in jedem Fall besser beurteilen und daraus auch Ihre Konsequenzen ziehen können.

Nach wie vor würde ich aber den vorgeschlagenen Weg einschlagen und versuchen, mit den 300 Euro auch die Rechte an den Bildern zu erwerben.

Ich hoffe, ich konnte Ihre Frage damit abschließend beantworten.

Mit freundlichen Grüßen

Elmar Dolscius
Rechtsanwalt

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Rechtsanwalt Elmar Dolscius
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