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Haftung bei Reitunfall


08.11.2004 17:58 |
Preis: ***,00 € |

Schadensersatz



Am 23.12.2003 habe ich mich bei einem Reitunfall in einer Reithalle schwer verletzt. Da ich durch den Unfall ein halbes Jahr arbeitsunfähig war, meine Ausbildung zur Krankenschwester wiederholen muss und außerdem eine bleibende Bewegungseinschränkung am linken Arm bestehen bleibt möchte ich evtl. Haftungsansprüche gegen das Reitsportzentrum geltend machen. Bei dem Pferd handelt es sich um ein Schulpferd welches dem Reitsportzentrum gehört. Ich habe dort Unterricht gegen Bezahlung erhalten, jedoch ohne einen Mitgliedsvertrag o. ä.

Das Pferd ging "durch" und ohne direkten Befehl in Galopp über und in Folge dessen stürzte ich von dem Pferd.

BGB § 833:
Wird durch ein Tier ein Mensch getötet oder der Körper oder die Gesundheit eines Menschen verletzt oder eine Sache beschädigt, so ist derjenige, welcher das Tier hält, verpflichtet, dem Verletzten den daraus entstehenden Schaden zu ersetzen. Die Ersatzpflicht tritt nicht ein, wenn der Schaden durch ein Haustier verursacht wird, das dem Beruf, der Erwerbstätigkeit oder dem Unterhalt des Tierhalters zu dienen bestimmt ist, und entweder der Tierhalter bei der Beaufsichtigung des Tieres die im Verkehr erforderliche Sorgfalt beobachtet oder der Schaden auch bei Anwendung dieser Sorgfalt entstanden sein würde.

Meine Frage hierzu ist: muss der Reitleher bzw. der Reitverein die Beweispflicht bringen, daß er die erforderliche Sorgfalt brachte? Ich stelle mir das sehr schwierig vor zu beweisen, dass er alles dafür getan hat, dass der Unfall nicht passiert...
Wie sind die Aussichten hier eine Schadenersatzforderung geltend zu machen? Darüberhinaus habe ich erfahren, dass es einen Unterschied in den Haftungsfragen bezügl. der Einstufung gibt ob das Tier als Nutztier oder als Luxustier gehalten wird.

Ich wäre sehr dankbar eine hilfreiche Antwort zu bekommen.



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Guten Abend,

die Beantwortung Ihrer Fragen hängt von mehreren Faktoren ab.

1.
Anspruchsgrundlage ist grundsätzlich der von Ihnen bereits zitierte § 833 BGB, die sogenannte Tierhalterhaftung. Im Rahmen dieser Haftung müssen Sie allein die Halterstellung und die Tatsache beweisen, daß sich die sogenannte Tiergefahr realisiert hat, also der Schaden durch ein typisches, unberechenbares Tierverhalten entstanden.

2.
Der Pferdehalter hat nur die Möglichkeit, sich überhaupt zu entlasten, wenn es sich um ein Nutztier handelt. Dies bedeutet, daß das Tier gewerblich zur Erzielung von Gewinn eingesetzt wird.
Handelt es sich -wie typischerweise bei Reitvereinen- um ein Tier, das rein zum Pläsier und Luxus gehalten wird, gibt es gar keine Entlastungsmöglichkeit.

Ob es sich um ein Nutztier handelt, läßt sich anhand Ihrer Schilderung nicht abschließend sagen. Hier hängt es auch von der Vertragskonstuktion ab.
Wenn es ein Nutztier war, kann sich der Pferdehalter aus der Haftung befreien, wenn er die erforderliche Sorgfalt eingehalten. Hier sind die Verhaltensmaßstäbe natürlich umso höher, je schlechter Ihre Reitfähigkeiten zum Zeitpunkt des Unfalles waren. Auch hier ist es letztlich eine Frage des Einzelfalles.

Die Entlastung, also die Einhaltung der erforderlichen Sorgfalt und den Status als Nutztier muß der Pferdehalter vollständig beweisen.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen weiterhelfen. Für Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Michael Weiß
Rechtsanwalt und auch Fachanwalt für Arbeitsrecht
Esenser Straße 19
26603 Aurich
Tel. 04941 60 53 47
Fax. 04941 60 53 48
e-mail info@fachanwalt-aurich.de
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