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Häufiger Ausfall wegen Erkrankung - droht eine Kündigung


09.10.2004 13:12 |
Preis: ***,00 € |

Arbeitsrecht


Beantwortet von



Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin seit 12/00 als Verkaufsberater bei einem bundesweit tätigem größerem Unternehmen unbefristet beschäftigt.

Im letzten Jahr war ich wegen drei verschiedener Gründe von Oktober bis Ende Dezember arbeitsunfähig.

Zuerst ca. 2 Wochen wegen einer Ohrenentzündung, daran anschließend ca. 3 Wochen wegen einer Bronchitis. Dann erlitt ich einen privaten Treppensturz, bei welchem ich mir eine
Fußverletzung zuzog, wegen welcher ich ca. 6 Wochen arbeitsunfähig war.

Laut Arzt hatten weder die beiden Erkrankungen, noch der Unfall miteinander zu tun.

Seit Anfang Januar diesen Jahres habe ich wieder gearbeitet.

Mitte März diesen Jahres erlitt ich durch einen Sportunfall (Fußball) eine schwere Knieverletztung. (Bänder-und Meniskusabriss) Seit dem Unfall, bin ich arbeitsunfähig.

(Ich muss während meiner Arbeit fast immer stehen, da 1. der Vorgesetzte es nicht wünscht, dass wir uns hinsetzen und 2. die Beratung der Kunden an einem Counter stehend erfolgt und fast immer Kundenverkehr herrscht)

Nach der ersten kleinen Knie-Op kurz nach dem Unfall, wird in der nächsten Woche die abschließende Op erfolgen.

Laut meinem Arzt, werde ich nach der dann anschließenden Reha, Ende November bis Mitte Dezember mit großer Wahrscheinlichkeit wieder voll und ohne Einschränkungen einsatzbereit sein.

Leider weiß ich schon jetzt, dass ich mich dann wegen einer kleineren Magen-OP für ca. 1 Woche in ärztliche Behandlung begeben werden muss und daher dann wieder für 1 Woche ausfalle.

Nun meine Fragen:

Kann der Arbeitgeber mich dann wegen persönlicher Gründe (Krankheit) kündigen und hat diese Kündigung Aussicht auf Erfolg, obwohl kein Zusammenhang zwischen den Erkrankungen oder den beiden Unfällen besteht und der Arzt, welcher mein Knie behandelt, eine günstige Prognose macht?

Falls eine Kündigung erfolgt, wie stehen meine Chancen bei einer Kündigungsschutzklage?

Wie hoch ist eine eventuelle Abfindung?

Falls ich mich mit dem Arbeitgeber nach einer von ihm ausgesprochenen Kündigung auf eine Abfindung einige oder diese vom Arbeitsgericht zugesprochen wird, erhalte ich deswegen vom Arbeitsamt eine Sperrfrist?


Vielen Dank für Ihre Antworten.

Mit freundlichen Grüßen


Hubert B.
09.10.2004 | 15:10

Antwort

von


9 Bewertungen
Sehr geehrter Herr B.,

zu Ihren Fragen kann ich folgendes mitteilen:

1.) Kündigung

Eine Kündigung aufgrund häufiger Krankheitsausfälle ist nicht ganz auszuschließen, da diese Umstände grundsätzlich als (personenbezogener) Kündigungsgrund in Betracht kommen können.
Gleichwohl hielte ich Ihre Erfolgsaussichten sich gegen eine solche Kündigung wegen sozialer Ungerechtfertigtheit wehren zu können für ausreichend groß.
Eine mit häufigen Erkrankungen begründete Kündigung ist dann gerechtfertigt, wenn eine negative Gesundheitsprognose gegeben ist, weil zu befürchten steht, dass der Arbeitnehmer auch in Zukunft häufig erkrankt sein wird.
Den Vorerkrankungen kommt hierbei eine Indizwirkung zu, um dem Arbeitgeber die Darlegung und den Beweis dieser negativen Gesundheitsprognose zu erleichtern.
Im allgemeinen wird für die Bestimmung der häufigen Fehlzeiten und ihre Gesamtdauer in der Vergangenheit auf rund drei Jahre abgestellt. Eine die Kündigung rechtfertigende Fehlzeit kann bei einer Fehlzeit von rund 14 v.H. vorliegen (BAG AP 4 zu § 1 KSchG 1969 Krankheit). Der Gesetzgeber geht, wie sich aus § 3 I EntgeltFG ergibt, von einer zumutbaren Fehlzeit i.H.v. 13 v.H., also 6 Wochen aus.
Eine Kündigung wegen häufiger Kurzerkrankungen ist dann nicht sozialwidrig, wenn eine negative Gesundheitsprognose sowie erhebliche Beeinträchtigungen betrieblicher Interessen vorliegen und schließlich eine Interessenabwägung ergibt, dass die Interessen des Arbeitnehmers nicht höher zu bewerten sind, als die des Arbeitgebers.

In Ihrem Fall ist zwar festzuhalten, dass eine Ausfallzeit vorliegt, die über die üblicherweise hinzunehmende Ausfallzeit hinausgeht, jedoch wird man im Hinblick auf die Gesundheitsprognose aufgrund der Verschiedenheit der Erkrankungen gut argumentieren können, dass die Vorerkrankungen diesbezüglich keinen Schluss zulassen. Anders könnte dies allenfalls dann sein, wenn im Anschluss an die Knie-OP eine negative Gesundheitsprognose zu stellen ist.

Fazit: Dass Ihnen aufgrund der Umstände gekündigt wird ist nicht auszuschließen. Ihre Chancen im Kündigungsschutzstreit stünden nicht schlecht – eine Garantie gibt es vorliegend aber natürlich nicht.

2.) Abfindung

Eine Abfindung kommt in Betracht, wenn das Gericht im Arbeitsgerichtsrechtsstreit die Kündigung für unwirksam hält und dem Arbeitnehmer die Weiterbeschäftigung aber nicht zuzumuten ist.
Die Abfindung beträgt 12 Monatsgehälter, bei Arbeitnehmern über 50 und hat über 15 Jahre im Betrieb gearbeitet sind es 15 Monatsgehälter.


3.) Eine Sperrfrist kommt in Betracht, wenn Sie aus eigenem Verschulden die Arbeitslosigkeit herbeigeführt haben. Bei Abschluss eines Aufhebungsvertrages ist in diesem daher hervorzuheben, dass Sie nicht aus Eigeninteresse den Arbeitsplatz aufgeben.
Eine Anrechnung der Abfindung auf das Arbeitslosengeld kann vorgenommen werden, wenn diese aufgrund eines Aufhebungsvertrages gezahlt wird und mit diesem z.B. die Kündigungsfrist verkürzt oder hierauf verzichtet wird.

Ich hoffe, Ihnen weitergeholfen zu haben.

Mit freundlichen Grüßen

Falk Brorsen
Rechtsanwalt


ANTWORT VON

Braunschweig

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