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Grafiker hat Mist gebaut


02.12.2008 20:45 |
Preis: ***,00 € |

Vertragsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwältin Dr. Corina Seiter



Ich habe einem Grafiker 5 CD-Covers in Auftrag gegeben. Ich habe Ihm 5 ältere Varianten gegeben, von denen er einfach den Text abtippen, und dazu neue Grafiken erstellen sollte.
Als er die Grafiken fertig hatte, schickte er sie mir mit der Bitte um Freigabe. Da aber noch einige Änderungen zu machen waren, wurde meinerseits nie eine Freigabe erteilt, sondern diese im guten Glauben an das CD-Presswerk gesandt.
Nachdem nun heute 3000 CDs der verschiedenen Varianten ankamen, stellte ich fest das überall in den Grafiken Schreibfehler, falsche Satzstellungen sind, die so auf den Originalvorlagen die ich Ihm überlassen habe nicht waren. Ich setzte voraus das er seine Arbeit kontrolliert, und nicht so schlampig arbeitete, da er dies Hauptberuflich macht.
Wie ist meine rechtliche Lage? Ich bin ein Einzelunternehmen.
Habe ich eine Chance vor Gericht?
Sehr geehrter Fragender,

es handelt sich hierbei um einen mangelhaften Werkvertrag.

Von einem Mangel spricht man, gem. §633 Abs. 2 BGB wenn

1. es sich für die nach dem Vertrag vorausgesetzte oder
2. für die für die gewöhnliche Verwendung eignet und eine Beschaffenheit aufweist, die bei Werken der gleichen Art üblich ist und die der Besteller nach der Art des Werkes erwarten kann.
3. ein anderes als das bestellte Werk oder
4. das Werk in zu geringer Menge hergestellt wurde.

Die vorliegende Arbeit ist daher aufgrund der vielen Rechtschreibfehler nicht die Art, die Sie erwarten durften. Sie durften eine Gestaltung ohne diese Fehler erwarten.

Daher stehen Ihnen nach dem Werkvertragsrecht gem. §§634 ff BGB die Möglichkeit der Nachbesserung, Rücktritt, Minderung, Schadensersatz oder Selbstvornahme (im Falle der erfolglosen Fristsetzung zur Nachbesserung oder Ablehnung durch den Ersteller) zu.

Zur Nacherfüllung (Beseitigung des Mangel oder Neuerstellung):
Die Kosten hat der Ersteller zu tragen, er kann zwischen Beseitigung oder Neuerstellung wählen (anders als im Kaufrecht), eine Verweigerung ist nur bei unverhältnismäßig hohen Kosten (§635 Abs. 3 BGB) möglich.

Dieses Recht ist vorrangig auszuüben.

Nun ist mir nicht bekannt, inwieweit Sie Kaufmann sind, da Sie dann eine sofortige Rügepflicht besitzen.

Wollen Sie Ihre Rechte durchsetzen, müssen Sie den Mangel (schriftlich) anzeigen und dem Ersteller eine Möglichkeit der Nachbesserung ggf. Neuherstellung geben.

Die Frist ist dabei angemessen zu setzen.

Die Frist ist nur entbehrlich, wenn

1. Der Unternehmer die Nacherfüllung verweigert
2. Die Nacherfüllung fehlgeschlagen ist
3. Die Nacherfüllung dem Unternehmer unzumutbar ist. (s.o.).

Sollte diese Frist fruchtlos ablaufen oder sich der Ersteller weigern, so besteht die Möglichkeit, vom Vertrag zurückzutreten und ggf. Schadensersatz zu verlangen bzw. das Werk anderweitig zu bestellen (Selbstvornahme).

Dieser Schritt wäre notwendig, bevor Klage eingereicht wird. Wenn dies erfolgt, haben Sie gute Chancen vor Gericht. Sie dürfen jedoch zu keiner Zeit die Leseprobe genehmigt haben.

So wie ich Sie verstanden habe, habe Sie auch nicht Ihr Einverständnis erteilt. Führen Sie hierzu ggf. in der Nachfragefunktion noch näher aus.

Vor Erhebung der Klage müsste Ihr Fall ausführlich geprüft werden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. C. Seiter

Nachfrage vom Fragesteller 03.12.2008 | 10:09

Guten Tag Herr Dr. Seiter,
ich habe bei diesen CDs kein Einverständnis erteilt.
Ich habe nun bei der Durchsicht knapp 100 Schreibfehler bei 5 CDs gefunden. Der Schaden für die Neudruckung sowie Konfektionierung beträgt über 1500 Euro, die ich jetzt meinem Auftraggeber erst einmal vorstrecken muss.

Ich bin ein normales Einzelunternehmen, d.h. kein eingetragener Kaufmann o.ä.

Ich habe den Grafiker sofort nach Erhalt der CDs angeschrieben.
Gleich anschliessend habe ich ihm die Fehlerliste zugesendet.

Er redet sich heraus indem er sagt das ich diese Sachen selbst hätte korrektur lesen müssen, und jeder Mensch würde sich "mal" vertippen.

Aber mal ehrlich bei knapp 100 Schreibfehlern??

Was schätzen Sie wird mich ein Anwalt kosten?
Wäre es ratsam zu einem Anwalt zu gehen? Wenn die Chance nur sehr gering ist, würde ich es lieber lassen, da sonst noch höhere Kosten auf mich zukämen.

Herzlichen Dank im Voraus!

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 03.12.2008 | 12:01

Sehr geehrter Fragender,

die Kosten für den Neudruck müssen Sie nicht bezahlen. Wichtig ist, dass Sie eine letzte Frist mit der Androhung und Benennung weiterer Schritte setzen.

Bezüglich der Anwaltskosten habe ich Ihnen eine Mail geschrieben.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. C. Seiter

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