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Gehaltserhöhung ohne Schriftform, Gehaltsherabsetzung mit Kündigung


| 28.12.2008 23:31 |
Preis: ***,00 € |

Arbeitsrecht



Ich habe nach 3 Monaten Betriebszugehörigkeit (Assistentin der GF) eine Gehaltserhöhung erhalten bei gleichzeitiger Erhöhung der Wochenarbeitszeit von 18 auf 20 Stunden. Beides wurde damals aber nicht schriftlich fixiert, d.h. in meinem Arbeitvertrag sind das Anfangsgehalt und die anfängliche Wochenarbeitszeit festgehalten.

Die neuen Bezüge erhielt ich insgesamt 14 Monate lang. Die Gehaltsabrechnungen wurden von einer Steuerkanzlei erstellt. (Ich war die einzige Angestellte.)

Nach 17 Monaten Betriebszugehörigkeit erhielt ich die Kündigung (mit gesetzl. Frist von 4 Wochen mit sofortiger Freistellung). Textauszug aus der Kündigung: „Gleichzeitig stelle ich Sie bis zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses unter Fortzahlung der vertraglich vereinbarten Vergütung und unter Anrechnung noch etwaiger Resturlaubsansprüche unwiderruflich von der Arbeit frei.“

Mein AG reduzierte mein Gehalt nun auf mein Anfangsgehalt. Er behauptet, dass er sich an kein Gespräch bezüglich einer Gehaltserhöhung mit mir erinnert.

Welche rechtlichen Möglichkeiten habe ich meinen vollen Gehaltsanspruch einzutreiben (es geht um ca. 300 EUR netto) und bin ich ggf. in der Beweispflicht oder reichen die monatlichen Gehaltsabrechnungen aus?


Vielen Dank für Ihre Antwort.
Sehr geehrte Ratsuchende,

für ihre Anfrage möchte ich Ihnen danken und diese unter Berücksichtigung Ihres Einsatzes summarisch wie folgt beantworten:

Sie können Ihren Arbeitsentgeltanspruch beim zuständigen Arbeitsgericht einklagen, jedoch gilt im Arbeitsrecht der Grundsatz, dass in erster Instanz jede Partei Ihre Kosten selber tragen muss und nur die Gerichtskosten der unterliegenden Partei aufzuerlegen sind. Folglich beachten Sie bitte, dass bei Einschaltung eines Rechtsanwaltes die dann entstehenden Kosten von Ihnen selber unabhängig vom Ausgang des Verfahrens zu tragen sind.

In diesem Arbeitsgerichtsprozess sind Sie für sämtliche den Arbeitsentgelt begründeten Tatsachen, also auch für die Vertragsänderung, voll beweispflichtig. Aufgrund der vorhandenen Gehaltsabrechnungen liegt jedoch ein Anscheinsbeweis dafür vor, dass die Bezüge entsprechend erhöht wurden. Diesen Anscheinsbeweis muss Ihr Arbeitgeber entkräften. Andernfalls gilt zu Ihren Gunsten das neu vereinbarte Entgelt als bewiesen.

Gelingt ihm allerdings die Entkräftung des Anscheinsbeweises z.B. durch Aussagen des Steuerberaters, dass ein Abrechnungsfehler vorliegt, so bleiben Sie weiterhin voll beweispflichtig für die Tatsache, dass Ihr Entgelt entsprechend erhöht wurde. In diesem Fall würden Sie mangels weiterer Beweismittel den Arbeitsgerichtsprozess vermutlich verlieren.

Ich hoffe, Ihnen mit der Beantwortung der Frage weitergeholfen zu haben und wünsche Ihnen für die Klärung der Angelegenheit viel Glück.

Gern können Sie die Nachfragefunktion nutzen.

Abschließend weise ich daraufhin, dass das Weglassen oder Hinzufügen von Details die rechtliche Beurteilung der Angelegenheit verändern kann.

Mit freundlichen Grüßen


Christoph Lattreuter
- Rechtsanwalt -
www.ra-lattreuter.de


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Bewertung des Fragestellers 29.12.2008 | 00:21


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