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Frage zur Steuerpflicht in Deutschland bei Wohnsitz im Ausland


| 10.08.2005 12:47 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt MBA Marcus Schröter


| in unter 2 Stunden

Sehr geehrte Anwältin, sehr geehrter Anwalt,

ab Oktober 2005 werde ich aus beruflichen Gründen für ca. zwei bis drei Jahre in China leben und dort auch meinen Wohnsitz haben. In Deutschland werde ich mich während dieser Zeit ca. 30 bis 50 Tage pro Jahr aufhalten.

Meine Fragen:

Muss ich auf mein Einkommen aus nichtselbständiger Arbeit in Deutschland Einkommensteuer entrichten, wenn ich zusätzlich zu meinem Wohnsitz in China einen Wohnsitz in Deutschland habe? Sind meine Einkünfte aus Kapitalerträgen (bei deutschen Banken) in Deutschland steuerpflichtig, wenn ich einen Wohnsitz in Deutschland habe?

Welche Veränderungen bei der Besteuerung meiner Einkünfte ergeben sich, wenn ich keinen Wohnsitz in Deutschland habe?

Ich bin Staatsbürger der Bundesrepublik Deutschland, ledig, keine Kinder.
Mein Gehalt wird von einer deutschen Firma auf ein Konto bei einer deutschen Bank überwiesen.

Vielen Dank für Ihre Hilfe!


Trifft nicht Ihr Problem? Wir haben 281 weitere Antworten zum Thema:
10.08.2005 | 13:31

Antwort

von

Rechtsanwalt MBA Marcus Schröter
833 Bewertungen
Sehr geehrter Ratsuchender,

Ihre Anfrage beantworte ich anhand des dargestellten Sachverhaltes wie folgt:

1. Gem. § 1 Abs. 1 EStG sind natürliche Personen, die im Inland einen Wohnsitz haben oder ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben unbeschränkt steuerpflichtig. D.h. wenn Sie einen Wohnsitz in Deutschland beibehalten sind Sie auch mit dem Einkommen aus China in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig. Die Steuerpflicht erstreckt sich dabei auf die gesamten Einnahmen (unselbständige Tätigkeit, Kapitalerträge etc.). Gleichgültig ist dabei, wo diese Einnahmen erzielt werden. Es gilt hier das Welteinkommensprinzip.

Gleiches gilt, wenn der gewöhnliche Aufenthalt in Deutschland liegt. Dies ist nicht an eine starre Grenze gebunden. Ich habe hier einige Bespiele aufgeführt, die einen gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland begründen und zur unbeschränkten Steuerpflicht führen.

- Es genügt die Wohnung 2x jährlich für mehrere Wochen zu bewohnen.

- Wird von vornherein beabsichtigt, die Wohnung nur vorübergehend(< 6Mon.) beizubehalten, begründet man dort keinen Wohnsitz.

- Gewöhnlicher Aufenthalt § 9 AO: Einen gewöhnlichen Aufenthalt hat jemand dort, wo er sich unter Umständen aufhält, die darauf schließen lassen, dass er in diesem Ort oder Gebiet
nicht nur vorübergehend verweilt.

- Ein Aufenthalt von > 6 Monaten zeitlich zusammenhängend gilt stets als gewöhnlicher Aufenthalt.
Kurze Unterbrechungen schaden nicht.

- Ausnahme: 6-Monatsregel gilt nicht bei Aufenthalt zu Besuchs- Erholungs- oder sonstigen privaten
Zwecken.Höchstgrenze hierbei 12 Monate.


Soweit Sie aufgrund Ihrer Tätigkeit in China Steuern zahlen, ist hierbei maßgebend ob zwischen Deutschland und China ein Doppelbesteuerungsabkommen besteht, was die Anrechung bereits entrichteter Steuern vorsieht, um eine Doppelbesteuerung zu vermeiden.

2. Nach § 1 Abs. 4 EStG unterliegen Sie auch der Deutschen Einkommenssteuer, wenn Sie keinen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland haben, Sie allerdings Einkünfte i.S.d. § 49 EStG erzielen. Hierunter fallen auch Einkünfte aus Kapitalerträgen. Sie unterfallen dann der beschränkten Einkommenssteuerpflicht nach § 49, 50 EStG. §§ 49, 50 EStG sind Sondervorschriften, die in Abweichung zu der unbeschränkten Steuerpflicht gesonderte Regelung zu der Besteuerung der jeweiligen Einkunftsart vorsehen.
Dies gilt auch für inländische Einkünfte (Deutschland) ohne Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland.

3. Hinsichtlich der konkreten Besteuerung bieten Unternehmen, die ihre Mitarbeiter ins Ausland entsenden an, Einkommenssteuerklärung durch hierauf spezialisierte Steuerberatungsgesellschaften vornehmen zu lassen. Es ist sicherlich sinnvoll sich hier zu erkundigen, ob eine solche Dienstleistung angeboten wird.

Im Fall der Versteuerung des Einkommens ist es auch sinnvoll nicht auf die reinen Steuersätze zu achten, sondern die Besonderheiten u.a. auch durch Steuerabkommen durch Spezialisten prüfen zu lassen.

Ich hoffe Ihnen mit meiner Antwort einen ersten Überblick geben zu können. Welche Variante für Sie im Einzelfall günstiger ist, kann ich Ihnen nicht nennen, da hier die genaue steuerliche Einkommenssituation beleutet werden muß.

Die einschlägigen Gesetztestexte kann ich Ihnen gerne gesondert zusenden. Aufgrund der Länge des Gesetztestexte möchte ich diese nicht diesem Text beifügen, um die Übersichtlichkeit zu wahren.

Im Rahmen der Nachfragefunktion stehe ich ihnen gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Marcus Schröter


MBA Marcus Schröter, Rechtsanwalt

Nachfrage vom Fragesteller 10.08.2005 | 17:24

Sehr geehrter Herr Schröter,

vielen Dank für Ihre Antwort. Zu der beschränkten Einkommensteuerpflicht habe ich noch folgende Fragen:

Außer meinem Gehalt aus nichtselbständiger Arbeit (ab Oktober in China) habe ich nur noch Einkünfte aus Kapitalvermögen in Deutschland. Ist es richtig, dass ich in Deutschland nur noch Steuern auf meine Kapitalerträge entrichten muss, wenn ich keinen Wohnsitz in Deutschland habe? Auf welcher Grundlage (Höhe der Kapitalerträge oder Höhe des Gesamteinkommens) wird der Steuersatz für die deutschen Kapitalerträge festgelegt?
Müsste ich in Deutschland auch Kapitalertragssteuer entrichten, wenn ich keinen Wohnsitz in Deutschland habe und die Kapitaleinkünfte im Ausland (z.B. in Österreich) erziele?

Entfällt die Steuerpflicht auf meine Gehalt aus nichtselbständiger Tätigkeit sofort mit der Abmeldung meines Wohnsitzes in Deutschland (und meiner Ausreise nach China) oder gibt es Übergangsfristen?

Freundliche Grüße und besten Dank für Ihre Beratung.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 11.08.2005 | 13:40

Sehr geehrter Ratsuchender,

Ihre Nachfragen beantworte ich wie folgt:

1. Außer meinem Gehalt aus nichtselbständiger Arbeit (ab Oktober in China) habe ich nur noch Einkünfte aus Kapitalvermögen in Deutschland. Ist es richtig, dass ich in Deutschland nur noch Steuern auf meine Kapitalerträge entrichten muss, wenn ich keinen Wohnsitz in Deutschland habe?

Die beschränkte Steuerpflicht auf Kapitalerträge richtet sich nach § 49 Abs. 1 Nr. 5 EstG, wobei hier noch unterschieden wird zwischen Kapitalerträgen nach § 20 und § 43 EStG. Bei § 20 ist Voraussetzung, dass der Schuldner, (z.B. Aktiengesellschaft, die eine Dividende ausschüttet) ihren Wohnsitz , Geschäftsleitung oder Sitz in Deutschland hat. § 43 EStG betrifft Erträge, die einer Quellensteuer unterworfen sind und das Institut Sitz in Deutschland hat. Da es sich um inländische Einkünfte handelt unterliegen dieser auch der beschränkten deutschen Steuerpflicht.

2. Auf welcher Grundlage (Höhe der Kapitalerträge oder Höhe des Gesamteinkommens) wird der Steuersatz für die deutschen Kapitalerträge festgelegt? Auf Grundlage des inländischen Gesamteinkommens, §§ 50 Abs. 3 i.V.m. § 32 a Abs. 1 EStG. Der Steuersatz beträgt danach mindestens 25 % und richtet sich im übrigen nach den folgenden Formeln

1.bis 7.664 Euro (Grundfreibetrag): 0;
2.von 7.665 Euro bis 12.739 Euro: (793,10*y + 1.600)*y;
3.von 12.740 Euro bis 52.151 Euro:(265,78*z + 2.405)*z + 1.016;
4. von 52.152 Euro an: 0,45*x - 8.845.

<3>"y" ist ein Zehntausendstel des 7.664 Euro übersteigenden Teils des auf einen vollen Euro-Betrag abgerundeten zu versteuernden Einkommens. <4>"z" ist ein Zehntausendstel des 12.739 Euro übersteigenden Teils des auf einen vollen Euro-Betrag abgerundeten zu versteuernden Einkommens. <5>"x" ist das auf einen vollen Euro-Betrag abgerundete zu versteuernde Einkommen. 6Der sich ergebende Steuerbetrag ist auf den nächsten vollen Euro-Betrag abzurunden.

Verdienen Sie z.B. 30000 € aus Kapitalerträgen, so ergibt sich eine Steuerbelastung von:
265,78 * (((30.000- 12740)/10000)) + 2.405 * (30.000-12740) + 1.016
= (265,78 * 1,726 + 2.405) * 1,726 + 1.016
= € 5958,80

Da die Steuer allerdings min. 25 % beträgt, wären hier € 7.500 an Steuern zu entrochten.

3. Müsste ich in Deutschland auch Kapitalertragssteuer entrichten, wenn ich keinen Wohnsitz in Deutschland habe und die Kapitaleinkünfte im Ausland (z.B. in Österreich) erziele?
Soweit Sie auch keinen gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland haben, nein, da §§ 49, 50 EStG die Steuerpflicht an den Sitz des Unternehmens anknüpft.

4 Entfällt die Steuerpflicht auf meine Gehalt aus nichtselbständiger Tätigkeit sofort mit der Abmeldung meines Wohnsitzes in Deutschland (und meiner Ausreise nach China) oder gibt es Übergangsfristen?

Personen, die den Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland aufgegeben haben, bleiben in Deutschland dennoch beschränkt steuerpflichtig, wenn in Deutschland weiterhin Einkünfte i.S.d. § 49 EStG erzielt werden. Die Abmeldung des Wohnsitzes in Deutschland hat lediglich Indizwirkung. Das gilt allerdings nur dann, wenn das Besteuerungsrecht für diese Einkünfte nicht aufgrund eines Doppelbesteuerungsabkommens einem anderen Staat zusteht. Denn die Bestimmungen der Doppelbesteuerungsabkommen haben Vorrang vor den Vorschriften des Einkommensteuergesetzes (§ 2 AO).

Soweit Sie Ihren Wohnsitz abmelden und keinen Anknüpfungspunkt zum Deutschen Steuerrecht mehr haben (Wohnsitz, gewöhnlicher Aufenthalt) endet die Steuerpflicht in Deutschland unmittelbar.


Ich hoffe ich konnte Ihnen weiterhelfen und wünsche Ihnen für Ihren Aufenthalt in China alles Gute.

Mit besten Grüßen

RA Schröter

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