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Flugüberbuchung: Haftung der Fluggesellschaft?


| 14.10.2010 18:42 |
Preis: ***,00 € |

Reiserecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Holger Hopperdietzel


| in unter 2 Stunden

Es geht um eine Flugüberbuchung

Gebucht wurde ein Flug für 6 Personen von Palma d. Mallorca nach Münster (Reguläre Flugzeit: 08:00 Uhr – 10:25 Uhr)

Am Gate wurden wir dann aufgerufen. Es wurde uns mitgeteilt das die Maschine überbucht sei und wir nicht mitgenommen werden könnten.

Es wurde uns ein Ersatzflug nach Paderborn (Reguläre Flugzeit: 08:35 Uhr - 11:00 Uhr) angeboten. Für die Unannehmlichkeiten sollten wir 150 Euro p.P. in Barform sowie ein Taxi von Paderborn zu unserem Heimatort erhalten. Unser Gepäck sollte umgeladen werden.
Dieses Angebot nahmen wir an, damit wir zumindest nach Hause kommen. Unsere Abholmöglichkeit (Münster - Heimatort) sagten wir ab.

In Paderborn angekommen stellte sich jeder heraus, dass unser Gepäck nicht mitgekommen ist. Des weiteren wurden wir von einem Taxi nur zum ursprünglichen Flughafen gebracht. Unsere Koffer konnten wir dort mitnehmen. Allerdings mussten wir einen Transfer zum Heimatort organisieren.

Nach Rücksprache mit airBerlin gab es jedoch auch die 150 Euro nicht. Es wurde uns lediglich p.P. ein Gutschein in 150 Euro angeboten. Dort wurde uns mitgeteilt das die Mitarbeiterin auf Mallorca nicht zu airBerlin gehört hätte und deshalb nichts zu sagen hätte. Außerdem hätte die Maschine einen technischen Defekt.

Dafür sind wir den Tag über durch halb Deutschland gereist ...

Besteht irgendein Rechtsanspruch auf Barauszahlung etc für

* Haftung bei verspäter Personenbeförderung
* Verspätung des Reisegepäcks
* Verpflegungsmehraufwand
* Schadensersatzansprüche bei Überbuchung

Vielen Dank im vorraus
Trifft nicht Ihr Problem? Wir haben 188 weitere Antworten zum Thema:
14.10.2010 | 19:29

Antwort

von

Rechtsanwalt Holger Hopperdietzel
33 Bewertungen
Sehr geehrter Fragesteller,
vielen Dank für Ihre Anfrage betreffend des Fluges von Mallorca nach Münster.

Aufgrund des von Ihnen geschilderten Sachverhaltes ist davon auszugehen, dass die Fluggesellschaft verpflichtet ist, jedem Passagier aus ihrer Gruppe den Betrag in Höhe von 250 € als pauschale Ausgleichszahlung zu leisten. Die Überbuchung ist der klassische Fall, der die Verpflichtung zur Leistung der Ausgleichszahlung auslöst. Die Fluggesellschaft kann sich nicht darauf berufen, dass eine anderweitige Beförderung vorgenommen wurde. Die Berufung hierauf ist nur möglich, wenn die Beförderung zum gebuchten Ziel erfolgte.

Zur Annahme von Reisegutscheinen sind sie zwar berechtigt, allerdings nicht verpflichtet. Wenn sie nunmehr die Barauszahlung wünschen, so ist die Fluggesellschaft hieran gebunden. Natürlich wird seitens der Fluggesellschaften immer wieder gerne versucht, Gutscheine auszuteilen, um Kunden an sich zu binden. Allerdings besteht-wie bereits bemerkt-keine Verpflichtung, solche Gutscheine anstelle von Barzahlung zu akzeptieren.

Weitere Ansprüche dürften ihnen allerdings nicht zustehen. Aufgrund der bloßen Verspätung des Reisegepäcks entstehen keine Schadensersatzansprüche. Die Ansprüche wegen Gepäcksverlustes beziehungsweise Verspätung entstammen dem Montrealer Übereinkommen, welches ausschließlich den Ersatz von tatsächlich entstandenen materiellen Schäden regelt. Wenn Ihnen im Zusammenhang mit der Gepäcksverspätung tatsächlich materieller Schaden entstanden ist, so wäre die Fluggesellschaft hierfür erstattungspflichtig.

Grundsätzlich steht Ihnen kein Ersatz wegen Verpflegungsmehraufwand zu. Lediglich in den Fällen, in denen eine Abflugverspätung von mehr als 2 h (auf der Kurzstrecke) vorliegt, haben sie Anspruch auf Mahlzeiten und Getränke.

Auch besteht kein weiterer Schadensersatzanspruch wegen der Überbuchung.

Ich hoffe, alle Ihre Fragen zur Zufriedenheit beantwortet zu haben. Bei Rückfragen benutzen Sie gerne die Nachfragefunktion. Selbstverständlich stehe ich Ihnen gerne auch zur Durchsetzung Ihrer Ansprüche gegen Air Berlin zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Holger Hopperdietzel
-Rechtsanwalt -


Nachfrage vom Fragesteller 14.10.2010 | 19:40

Guten Tag Herr Hopperdietzel,
Sie schrieben "Die Berufung hierauf ist nur möglich, wenn die Beförderung zum gebuchten Ziel erfolgte." Wie beschrieben wurde eine, durch Air Berlin bezahlte, Beförderung per Taxi von Paderborn nach Münster organisiert.

Aus Ihrer Antwort wird mir jetzt nicht klar, ob dies als Beförderung zum gebuchten Ziel reicht.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 14.10.2010 | 19:54

Sehr geehrter Fragesteller,
Ihre Nachfrage beantworte ich gerne wie folgt:

die Taxibeförderung von dem Alternativflughafen zu dem gebuchten Endziel ändert nichts daran, dass die Ausgleichszahlung zu leisten ist. Art. 7 Abs. 2 der Verordnung 261/2004 privilegiert Fluggesellschaften nur dann, wenn dem Passagier eine anderweitige Beförderung zu seinem Endziel mit einem Alternativflug angeboten wird, dessen Ankunftszeit bei Flügen über eine Entfernung von unter 1500 km nicht weniger als 2 h später liegt.

Vorliegend wurde Ihnen keinen Flug zum gebuchten Endziel angeboten. Die Taxibeförderung nach einem Flug zu einem Alternativflughafen stellt keinen "Alternativflug"dar. Darüber hinaus liegen zwischen Münster und Paderborn etwa 150 km. Es ist davon auszugehen, dass sie Paderborn später als 2 h nach der ursprünglich gebuchten Ankunftszeit erreicht haben. Insoweit besteht kein Anlass für die Fluggesellschaft, sich auf die Privilegierung zu berufen.

Ich hoffe, dass nun alle Fragen geklärt sind. Sollten Sie noch weitere Fragen haben, so können sie mich gerne unmittelbar über mein Büro kontaktieren.

Mit freundlichen Grüßen aus Wiesbaden

Holger Hopperdietzel
- Rechtsanwalt -

Bewertung des Fragestellers 2010-10-21 | 15:14


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ANTWORT VON
Rechtsanwalt Holger Hopperdietzel
Wiesbaden

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