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Flugstornierung - wer ist Vertragspartner bei Ansprüchen


02.07.2011 13:14 |
Preis: ***,00 € |

Reiserecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Sven Kienhöfer


| in unter 2 Stunden

Sehr geehrte Damen und Herren,

folgender Fall: Buchung einer Reise im Baukastensystem im Reisebüro bei einem Veranstalter, das sowohl Flug(an FRA, Fernstrecke, außereuropäische Fluggesellschaft) als auch Transfer und Rundreise beinhaltete.

10 Stunden vor dem Flug (durch eigene Initiative, nicht durch Information des Veranstalters/Büros/Fluggesellschaft)erfahren, dass der regulär gebuchte Flug storniert ist und wir ohne Information auf einen Flug 22 Stunden früher gebucht wurden. Obwohl fast nicht mehr umsetzbar, den Flug trotzdem angetreten.

Wir beabsichtigen nun, gemäß EU-Fluggastverordnung unseren Anspruch auf Ausgleichszahlung von 600 Euro p.P. geltend zu machen. Zusätzlich wurde durch den früheren Termin eine Zusatzübernachtung am Urlaubsziel vor Ort notwendig, deren Kosten ich ebenfalls erstattet haben möchte.

Nach telefonischer Rücksprache fühlen sich weder Veranstalter noch Fluggesellschaft als Ansprechpartner für Regreß.

Meine Frage:
- Wer ist für mich bei beiden Ansprüchen mein rechtlich korrekter Ansprechpartner, an den ich die Forderungen zu richten habe, ohne Fristen zu versäumen?
- Wie sollte ich sauber vorgehen, um den Anbietern, die bei der ganzen Sache keinerlei Unterstützung geleistet haben, keinen Spielraum für Ausflüche zu geben?

Vielen Dank für Ihren profunden Rat,

Mfg
02.07.2011 | 14:25

Antwort

von

Rechtsanwalt Sven Kienhöfer
148 Bewertungen
Sehr geehrter Fragesteller,

auf Grundlage des von Ihnen geschilderten Sachverhaltes möchte ich Ihre Frage gerne wie folgt beantworten:

Bei einer Pauschalreise(und nur bei dieser) ist grundsätzlich der Reiseveranstalter Ansprechpartner für Ihre Rechte.

In jedem anderen Fall ist der erste Ansprechpartner die jeweilige Fluggesellschaft.

Grundsätzlich würde ich Ihren Anspruch auf die Ausgleichszahlung von 600 Euro in Ihrem Falll aber nicht sicher bestätigen. Wird ein Flug annulliert, haben die Flugpassagiere trotz Flugausfall nicht automatisch Anspruch auf eine Rückerstattung des Ticketpreises oder eine Entschädigung. Zuerst einmal muss die Fluggesellschaft sich um einen Ersatzflug bemühen. Tut sie dies in ausreichendem Maße, also stellt sie ein Ersatzflugzeug zur Verfügung steht Ihnen normalerweise keine Ausgleichszahlung zu. Allerdings kommt es beim Flugausfall im Einzelfall(gemäß dem BGH) darauf an, ob ein Flug zu Recht annulliert wurde und ob die Airline sich angemessen um einen Ersatzflug bemüht habe.

Besser sieht es aus meiner Sicht für die zusätzlichen Übernachtungskosten aus.
Storniert eine Airline einen Flug, muss sie für Unterbringung, Verpflegung und Transport der Passagiere aufkommen. Dazu sind die Fluggesellschaften aufgrund der entsprechenden EU-Richtlinie verpflichtet.
Das OLG Koblenz hat z.B. entschieden, dass die Gesellschaften verpflichtet sind, im Fall eines Ausfalles für eine Hotelunterbringung sowie den Transport zum Hotel zu sorgen.

Meine Empfehlung lautet hier einen Anwalt zu beauftragen, welcher den Schriftverkehr für Sie übernimmt und die entsprechende Summe als Schadensersatz für Sie geltend macht. Erfahrungsgemäß steigen die Chancen durch anwaltliches Schreiben eine Zahlung zu erreichen doch erheblich an.

Ich hoffe, diese Ausführungen haben Ihnen bei Ihrem rechtlichen Problem weitergeholfen.
Für eine weitere Beratung stehe ich Ihnen selbstverständlich zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Sven Kienhöfer
Rechtsanwalt


Nachfrage vom Fragesteller 16.07.2011 | 14:27

Vielen Dank für diese Einschätzung.

Für uns stellt sich damit nur noch eine entscheidende Frage, die nicht klar aus der Antwort hervorgeht: Beurteilt die Rechtsprechung unsere Reise (3 separate Buchungsnummern bei einem großen dt. Reiseveranstalter, nämlich Flug, Rundreise sowie Transferleistungen mit Vorabhotel) als Pauschalreise oder nicht?
Davon hängt für mich die Adressierung meiner Forderung ab.

Vielen Dank für diese Präzisierung.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 18.07.2011 | 15:48

Sehr geehrter Fragesteller,

in Deutschland gibt es leider noch keine eindeutige Definition von Pauschalreise per Gesetz oder Rechtsprechung.

Man spricht aber von einer Pauschalreise, wenn eine vom Reiseveranstalter vorgenommene Bündelung von mind. zwei Hauptreiseleistungen wie Transport, Unterbringung, Verpflegung, Besuchsprogramm/ Ausflug, Transfer oder anderer Leistungen zu einem Arrangement vorliegt, das zu einem Gesamtpreis verkauft wird.

Entscheidender Faktor (für die Annahme der Pauschalreise) dürfte aus meiner Sicht sein, ob Sie hier einen Gesamtpreis gezahlt haben.

Mit freundlichen Grüßen

Sven Kienhöfer
Rechtsanwalt

ANTWORT VON
Rechtsanwalt Sven Kienhöfer
Waldstetten

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