400.480
Registrierte
Nutzer
Schon bei uns registriert?
Bitte melden Sie sich an.
Nutzername


Passwort
Einloggen Passwort vergessen?

Oder mit einem Ihrer Konten:
Login via Facebook

Erste Tätigkeitsstätte nach neuer Rechtslage 2014 bei Unternehmensberatung


| 19.12.2013 10:26 |
Preis: 45,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Sebastian Baur




Sehr geehrte Damen und Herren,

ich wohne in Düsseldorf und bin als Unternehmensberater angestellt bei einer Firma mit Hauptsitz in Saarbrücken und Büro in Frankfurt. Ich nutze einen Dienstwagen beruflich und privat.
In der Regel bin ich in Projekten (unter 48 Monaten) bei Kunden im Einsatz, überwiegend in Frankfurt. Falls ich nicht beim Kunden bin, arbeite ich von zu Hause aus. Das ist so auch in meinem Arbeitsvertrag geregelt. Die Büros der Firma suche ich sehr selten auf, bestenfalls einige Male im Quartal zu internen Abstimmungen oder zur Weihnachtsfeier.

Ab 2014 stellt sich für mich die Frage, ob diese Homeoffice-Regelung in dieser Form noch Bestand hat, bzw. wie die Frage nach der ersten Tätigkeitsstätte zu beantworten ist. Hierzu interessieren mich natürlich die steuerlichen Konsequenzen im Hinblick auf die Versteuerung von Fahrten von zu Hause zu einer möglichen ersten Tätigkeitsstätte.

Nach meinem bisherigen Kenntnisstand lässt sich in meinem Fall keine erste Tätigkeitstätte feststellen. Damit entfällt die Versteuerung der Fahrten.
Sollte eine erste Tätigkeitsstätte in Frankfurt durch den Arbeitgeber festgelegt werden, müssen aus meiner Sicht nur Fahrten ins Büro, nicht jedoch zum Kunden in Frankfurt zu versteuern.

Besten Dank und viele Grüße
Trifft nicht Ihr Problem? Wir haben 158 weitere Antworten zum Thema:
19.12.2013 | 12:19

Antwort

von

Rechtsanwalt Sebastian Baur
70 Bewertungen
Sehr geehrte(r) Ratsuchende(r),

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich im Rahmen einer Erstberatung, des von Ihnen gebotenen Einsatzes und aufgrund des von Ihnen geschilderten Sachverhalts wie folgt beantworten möchte:

1. Frage nach erster Tätigkeitsstätte

Zunächst kann es derzeit durchaus sein, dass sich für Sie keine erste Tätigkeitsstätte feststellen ließe:

Jedenfalls keine Tätigkeitsstätte, das sehen Sie richtig, kann Ihr Home-Office sein.

Sonst gilt Folgendes:

Die erste Tätigkeitsstätte wird in erster Linie durch den Arbeitgeber im Arbeitsvertrag festgelegt. Nach den neuen Regelungen könnte der Arbeitgeber als erste Tätigkeitsstätte etwa das Büro in Frankfurt festlegen (vorbehaltlich etwaiger arbeitsrechtlicher Fragestellungen).

Es ist hierfür nach neuer Rechtlage unmaßgeblich, wie oft Sie in diesem Büro arbeiten, Sie müssen dort nur überhaupt irgendwann und in geringem Umfang arbeiten. Ausreichend ist wohl schon, dass Sie dort Krnakmeldungen und Urlaubsanträge einreichen.

Einzelheiten finden Sie hier, unter Randnummer 6:

http://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Downloads/BMF_Schreiben/Steuerarten/Lohnsteuer/2013-09-30-Grundsaetze-steuerliches-Reisekostenrecht.pdf?__blob=publicationFile&v=3

Bestimmt der Arbeitgeber aufgrund seines Dirketionsrechts eine erste Tätigkeitsstätte nicht, kommt es auf die im neuen § 9 IV EStG genannten quantitativen Voraussetzungen an.

Für die Annahme einer ersten Tätigkeitsstätte muss der Arbeitnehmer danach mindestens 1/3 seiner vereinbarten regelmäßigen Arbeitszeit in dem Büro verbringen, dass erste Tätigkeitsstätte sein soll.

Dies ist bei Ihnen an keinem Ort der Fall, so dass bei fehlender Bestimmung im Arbeitsvertrag tatsächlich der Fall eintreten könnte, dass für Sie keine ertse Tätigkeitsstätte existiert.

2. Frage nach den steuerrechtlichen Konsequenzen

Was bedeutet das für Sie konkret?

Grundsätzlich sind Fahrten zwischen Wohnort und erster Tätigkeitsstätte als geldwerter Vorteil lohnzuversteuern.

Beispiel:

Listenpreis Fahrzeug: 50.000,00 €

Fahrten Wohnung-
erste Tätigkeitsstätte: 0,03 % x 50.000,00 x km (hier: Düsseldorf-Frankfurt: 230 km) : 3450,00 €

Bei Fehlen einer ersten Tätigkeitsstätte entfällt diese Besteuerung des geldwerten Vorteils für die Arbeitgeberfahrten. Dies stellte natürlich eine erhebliche steuerliche Entlastung dar.

Gleichzeitig fällt auch der Pauschalansatz für den Arbeitsweg in Höhe von 0,30 € pro Kilometer (einfache Fahrt) im Rahmen Ihrer Werbungskosten weg (soweit diese Kosten nicht durch den Arbeitgeber erstattet werden).

Stattdessen könnten Sie normale Reisekosten als Werbungskosten geltendmachen, also 0,30 je gefahrenen Kilometer (also OHNE die Beschränkung auf die einfache Fahrt).

Letzlich ist also Sache Ihres Arbeitgebers, den Ort der ersten Tätigkeit im Rahmen seines Direktionsrechts festzulegen.

Vorliegend dürfte es indes für Sie günstig sein, wenn eine solche Festlegung nicht erfolgt. Sie müssen dann allerdings darauf achten, dass nicht das Büro durch tatsächlich längeren Aufenthalt als in der Vergangenheit aufgrund der angesprochenen quantitativen Kriterien zu einer ersten Tätigkeitstätte wird.

Und letztlich haben Sie natürlich auch damit recht, dass nur Fahrten zum Arbeitgeber zu versteuern wären, nicht solche zum Kunden.

Ich hoffe, Ihnen mit meinen Ausführungen einen ersten Überblick verschafft haben zu können, wie er im Rahmen einer Erstberatung möglich ist und bedanke mich nochmals für die Anfrage.

Ich bitte um Berücksichtigung, dass derzeit eine Einschätzung des Sachverhalts nur aufgrund des Gesetzeswortlautes möglich ist, es an Verwaltungsanweisungen und Urteilen hierzu natürlich noch fehlt.

Darüber hinaus empfiehlt sich vielleicht, die Situation nochmals mit Ihrem Steuerberater zu besprechen. Dieser hat den Gesaamtblick auf Ihre persönlcihen Verhältnisse und ist damit alleine in der Lage, die für Sie günstigste Gestaltung zu empfehlen.

Bitte beachten Sie, dass diese Webseite lediglich dazu dient, Ihnen einen erste Einschätzung zur Rechtslage zu liefern. Eine ausführliche und persönliche Beratung soll und kann hierdurch nicht ersetzt werden.

Außerdem kann das Fehlen oder Hinzufügen wesentlicher Angaben im Sachverhalt zu einer anderen rechtlichen Einschätzung führen.



Mit freundlichen Grüßen

Sebastian Baur


Sebastian Baur, Rechtsanwalt

Nachfrage vom Fragesteller 19.12.2013 | 14:13

Sehr geehrter Herr Baur,

vielen Dank für Ihre schnelle und konkrete Antwort.
Eine Frage zu Ihrer Rechnung unter Punkt 2 an Ihrem Beispiel: Ist der Betrag der geldwerte Vorteil pro Kalenderjahr bei der Annahme, ich würde regelmäßig, z.B. jede Woche von Düsseldorf nach Frankfurt fahren?

Besten Dank und viele Grüße

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 19.12.2013 | 14:30

Danke für Ihre Nachfrage!

Diese beantworte ich wie folgt:

Der zu versteuernde geldwerte Vorteil kann auf zwei verschiedene Arten berechnet werden. In meiner Rechnung findet sich der Pauschal-Ansatz, der, da haben Sie Recht, in aller Regel bei regelmäßiger täglicher Fahrt zur Arbeitsstätte Sinn macht. Der Betrag ist der geldwerte Vorteil pro Monat!

Alternativ kann auch ein Fahrtenbuch geführt werden. Die Berechnung ist etwas zu kompliziert, um sie hier darzustellen, in Ihrem Fall macht macht die Fahrtenbuchmethode aber wohl auf jeden Fall mehr Sinn.

Bewertung des Fragestellers 2013-12-19 | 14:16


Hat Ihnen der Anwalt weitergeholfen?

Wie verständlich war der Anwalt?

Wie ausführlich war die Arbeit?

Wie freundlich war der Anwalt?

Empfehlen Sie diesen Anwalt weiter?

"Schnelle, konkrete und damit hilfreiche Antwort. Hat mir sehr weitergeholfen. Vielen Dank."
Mehr Bewertungen von Rechtsanwalt Sebastian Baur »
BEWERTUNG VOM FRAGESTELLER 2013-12-19
5/5.0

Schnelle, konkrete und damit hilfreiche Antwort. Hat mir sehr weitergeholfen. Vielen Dank.


ANTWORT VON
Rechtsanwalt Sebastian Baur
Flensburg

70 Bewertungen
RECHTSGEBIETE
Strafrecht, Steuerrecht, Verkehrsrecht, Versicherungsrecht, Vertragsrecht
Testsieger
einer unabhängigen Verbraucherstiftung
Im Test: 8 Anbieter von Online Rechtsberatung Ausgabe 02/2008
Zahlungsmöglichkeiten:
Testsieger
einer unabhängigen Verbraucherstiftung
Im Test: 8 Anbieter von Online Rechtsberatung Ausgabe 02/2008