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Erstattung von Eigenleistungen nach Wasserrohrbruch


| 31.10.2008 15:24 |
Preis: ***,00 € |

Versicherungsrecht, Privatversicherungsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Martin P. Freisler




Guten Tag,

ich hatte vor einigen Wochen in meiner Mietwohnung einen Wasserrohrbruch (Kaltwasserleitung im Boden des Bades war gebrochen). Betroffen waren ausser dem Bad auch das Gästezimmer, das Schlafzimmer und ein Flur. Die betroffenen Zimmer wurden in Eigenleistung von mir komplett ausgeräumt, die Möbel und deren Inhalte in den nicht betroffenen Wohnungsräumen zwischengelagert.
Inzwischen ist der Boden im Bad (mangels Ersatzfliesen) komplett neu gefliest worden. Die Türen und Türzargen in den betroffenen Räumen wurden ersetzt, Teppichboden neu verlegt. In den nächsten Tagen werden die Möbel in Eigenleistung wieder aufgebaut und eingeräumt.
Der Gutachter der Gebäude-Versicherungsgesellschaft hatte mir für die durch das Ausräumen und Abbrechen der Möbel angefallenen Arbeiten einen mündlich vereinbarten Pauschalbetrag bereits überwiesen.
Der weitere Schriftverkehr bezüglich des Schadenfalles soll nun über unsere Wohnungsverwalterin abgewickelt werden. Diese teilte mir jetzt mir, dass für die mir entstandenen/ausgeführten Arbeiten durch den Wasserschaden die Gebäudeversicherung nicht beansprucht werden kann. Das kann ich nicht so ganz glauben!
Im Rahmen der Reparaturarbeiten sind für Handwerkertermine von mir Urlaubstage genommen worden bzw. ich habe später angefangen oder früher aufgehört. Kann ich dafür eine Vergütung geltend machen?! Wenn ja, welchen Betrag legt man dafür zugrunde?!

Ich danke Ihnen im voraus für Ihre Hilfe!
Trifft nicht Ihr Problem? Wir haben 3 weitere Antworten zum Thema:
31.10.2008 | 17:04

Antwort

von

Rechtsanwalt Martin P. Freisler
243 Bewertungen
Sehr geehrte Fragestellerin,

aufgrund Ihrer Schilderungen beantworte ich Ihre Frage in einer ersten rechtlichen Einschätzung wie folgt:

Vorab habe ich Sie darauf hinzuweisen, dass konkret die von Ihnen getroffenen vertraglichen Vereinbarungen nebst Versicherungsbedingungen gelten. Diese sind mir hier nicht bekannt. Daher können sich meine Ausführungen nur auf die Grundsätze der Gebäudeversicherung beziehen, wobei ich auf die VGB 88 Bezug nehme, die Sie in Ihrem Fall anhand Ihres Vertrages sowie den VBG zu prüfen haben.

In der Gebäudeversicherung sind Schäden am Gebäude, wie es im Versicherungsvertrag bezeichnet ist, nebst Zubehör versichert; insoweit verweise ich auf § 1 VGB 88.

Vom Versicherungsschutz umfasst sind als Kosten dabei auch die Aufräum-, Abbruch-, Bewegungs- und Schutzkosten; insoweit verweise ich auf § 2 VGB 88.

Hinsichtlich der Entschädigung verweise ich auf § 16 VGB 88.

Im Gegensatz dazu ist allerdings die Hausratsversicherung in Anspruch zu nehmen für Schäden an den Einrichtungsgegenständen.

Soweit Arbeiten in Eigenleistungen durchgeführt werden, rate ich immer diese zuvor mit der Versicherung abzuklären. So variieren die Konditionen und eine reibungslose Abwicklung ist nur so gesichert. Die Versicherungen zeigen sich aber grundsätzlich bereit, Eigenleistungen in den versicherten Umfängen zu erstatten. Sollte dies nicht so sein, sollte zur Vermeidung einer Auseinandersetzung ein Handwerksbetrieb beauftragt werden.

Hinsichtlich des angefragten Betrages orientiert sich die Höhe nach der Art der Arbeiten. Für die geschilderten „einfachen“ Arbeiten halte ich einen Stundenlohn für bis zu 8,00 € für möglich.

Bei Ihnen ist aber zu klären, was mit dem „bereits überwiesenen Pauschalpreis“ bereits abgegolten ist. Wurde mit der Versicherung eine Pauschale für die Arbeiten vereinbart, dann haben Sie sich an diese Vereinbarung zu halten.

Aufgrund der bislang scheinbar nur vorliegenden Aussage der Hausverwaltung rate ich in jedem Fall auf die Entscheidung der Versicherung zu warten bzw. deren tatsächliche Begründung. So kann ich ohne nähere Angaben eine Ablehnung der Kosten für eine Entfernung und Neuverlegung eines gleichwertigen beschädigten Bodenbelages und der Türzargen nicht nachvollziehen. Für den Möbelaufbau und die Einräumung sehe ich dagegen keine Kostenerstattungsmöglichkeit.

Ich hoffe, Ihnen mit meinen Ausführungen eine erste rechtliche Orientierung geben zu haben. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass eine abschließende rechtliche Bewertung Ihres Problems die Kenntnis des vollständigen Sachverhaltes erfordert. Im Rahmen dieses Forums können sich die Ausführungen aber ausschließlich auf Ihre Schilderungen stützen, und somit nur eine erste anwaltliche Einschätzung darstellen.

Ich empfehle Ihnen daher, einen Rechtsanwalt Ihres Vertrauens zu beauftragen, sofern Sie eine abschließende Beurteilung erhalten möchten. Bitten beachten Sie, dass dabei weitere Kosten anfallen.


Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen


Martin P. Freisler
- Rechtsanwalt -


§ 1 Versicherte Sachen
1. Versichert sind die in dem Versicherungsvertrag bezeichneten Gebäude.
2. Zubehör, das der Instandhaltung eines versicherten Gebäudes oder dessen Nutzung zu Wohnzwecken
dient, ist mitversichert, soweit es sich in dem Gebäude befindet oder außen an dem Gebäude
angebracht ist.
3. Weiteres Zubehör sowie sonstige Grundstücksbestandteile auf dem im Versicherungsvertrag bezeichneten
Grundstück (Versicherungsgrundstück) sind nur aufgrund besonderer Vereinbarung versichert.
4. Nicht versichert sind in das Gebäude eingefügte Sachen, die ein Mieter auf seine Kosten beschafft
oder übernommen hat und für die er die Gefahr trägt. Die Versicherung dieser Sachen kann vereinbart
werden.

§ 2 Versicherte Kosten
1. Versichert sind die infolge eines Versicherungsfalles notwendigen Kosten
a) für das Aufräumen und den Abbruch von Sachen, die durch vorliegenden Vertrag versichert sind,
für das Abfahren von Schutt und sonstigen Resten dieser Sachen zum nächsten Ablagerungsplatz
und für das Ablagern oder Vernichten (Aufräumungs- oder Abbruchkosten);
b) die dadurch entstehen, dass zum Zweck der Wiederherstellung oder Wiederbeschaffung von Sachen,
die durch vorliegenden Vertrag versichert sind, andere Sachen bewegt, verändert oder geschützt
werden müssen (Bewegungs- oder Schutzkosten);
c) für Maßnahmen, auch erfolglose, die der Versicherungsnehmer zur Abwendung oder Minderung
des Schadens für geboten halten durfte (Schadenabwendungs- oder Schadenminderungskosten).
2. Für die Entschädigung versicherter Kosten gemäß Nr. 1 a und 1 b gilt die Entschädigungsgrenze
gemäß § 17 Nr. 1.
3. Nicht versichert sind Aufwendungen für Leistungen der Feuerwehren oder anderer im öffentlichen
Interesse zur Hilfeleistung Verpflichteter, wenn diese Leistungen im öffentlichen Interesse erbracht
werden.

§ 15 Entschädigungsberechnung
1. Ersetzt werden
a) bei zerstörten Gebäuden sowie bei zerstörten oder abhanden gekommenen sonstigen Sachen der
Neuwert unmittelbar vor Eintritt des Versicherungsfalles; in den Fällen des § 14 Nr. 1 b der Zeitwert;
in den Fällen des § 14 Nr. 1 c und Nr. 2 der gemeine Wert.
b) bei beschädigten Sachen die notwendigen Reparaturkosten zur Zeit des Eintritts des Versicherungsfalles
zuzüglich einer Wertminderung, die durch Reparatur nicht auszugleichen ist, höchstens
jedoch der Versicherungswert unmittelbar vor Eintritt des Versicherungsfalles; die Reparaturkosten
werden gekürzt, soweit durch die Reparatur der Versicherungswert der Sache gegenüber
dem Versicherungswert unmittelbar vor Eintritt des Versicherungsfalles erhöht wird.
Restwerte werden angerechnet.
2. Ersetzt werden auch die notwendigen Mehrkosten infolge Preissteigerungen zwischen dem Eintritt
des Versicherungsfalles und der Wiederherstellung.
Wenn der Versicherungsnehmer die Wiederherstellung nicht unverzüglich veranlasst, werden die
Mehrkosten nur in dem Umfang ersetzt, in dem sie auch bei unverzüglicher Wiederherstellung entstanden
wären.
Mehrkosten infolge von außergewöhnlichen Ereignissen, Betriebsbeschränkungen oder Kapitalmangel
werden nicht ersetzt.
3. Ersetzt werden auch die notwendigen Mehrkosten infolge behördlicher Auflagen auf der Grundlage
bereits vor Eintritt des Versicherungsfalles erlassener Gesetze und Verordnungen. Soweit behördliche
Auflagen mit Fristsetzung vor Eintritt des Versicherungsfalles erteilt wurden, sind die dadurch entstehenden
Mehrkosten nicht versichert.
Mehrkosten, die dadurch entstehen, dass wiederverwertbare Reste der versicherten und vom Schaden
betroffenen Sachen infolge behördlicher Wiederherstellungsbeschränkungen nicht mehr verwertet
werden dürfen, sind nicht versichert.
Wenn die Wiederherstellung der versicherten und vom Schaden betroffenen Sache aufgrund behördlicher
Wiederherstellungsbeschränkungen nur an anderer Stelle erfolgen darf, werden die Mehrkosten
nur in dem Umfang ersetzt, in dem sie auch bei Wiederherstellung an bisheriger Stelle entstanden
wären.
Für die Entschädigung versicherter Mehrkosten gilt die Entschädigungsgrenze gemäß § 17 Nr. 2.
4. Der Versicherungsnehmer erwirbt den Anspruch auf Zahlung des Teils der Entschädigung, der den
Zeitwertschaden übersteigt, nur, soweit und sobald er innerhalb von drei Jahren nach Eintritt des Versicherungsfalles
sichergestellt hat, dass er die Entschädigung verwenden wird, um versicherte Sachen
in gleicher Art und Zweckbestimmung an der bisherigen Stelle wiederherzustellen oder wiederzubeschaffen.
Ist dies an der bisherigen Stelle rechtlich nicht möglich oder wirtschaftlich nicht zu vertreten,
so genügt es, wenn das Gebäude an anderer Stelle innerhalb der Bundesrepublik Deutschland
wiederhergestellt wird.
Der Zeitwertschaden wird bei zerstörten oder abhanden gekommenen Gegenständen gemäß § 14 Nr.
1 b festgestellt.
5. In den Fällen des § 14 ist die Gesamtentschädigung für versicherte Sachen, versicherte Kosten und
versicherten Mietausfall je Versicherungsfall auf die Versicherungssumme begrenzt. Dies gilt nicht für
Schadenabwendungs- und Schadenminderungskosten, soweit diese auf Weisung des Versicherers
entstanden sind.


Martin P. Freisler, Rechtsanwalt

Nachfrage vom Fragesteller 31.10.2008 | 17:43

Sehr geehrter Herr Feisler,

Entschuldigung, da habe ich mich wohl falsch ausgedrückt: Die Reparaturarbeiten im Bad und an Teppichboden, Türen und Türzargen wurden nicht abgelehnt.
Es geht mir lediglich um die in dieser Zeit
- nicht unerheblichen angefallenen Putz- und Aufräumarbeiten verursacht durch die Reparaturen und
- die von mir investierten Urlaubstage.
Es fällt mir einfach schwer zu glauben, dass das allein zu meinem Lasten gehen soll. Der Schaden wurde schliesslich nicht von mir verursacht.
Der bereits gezahlte Betrag bezog sich lediglich auf die in den ersten Tagen angefallenen Arbeiten.

Vielen Dank für Ihre Ausführungen!

Mit freundlichen Grüssen!

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 31.10.2008 | 17:56

Vielen Dank für Ihre Konkretisierungen. Diese bringt doch etwas Licht in die Sache.

Putz- und Aufräumarbeiten, die aufgrund von Reparaturarbeiten anfallen, worunter ich z.B. den Schmutz der Handwerker verstehe, unterfallen nicht dem in einer Gebäudeversicherung versicherten Risiko. Gleiches gilt, wenn Sie für die Handwerker Urlaub genommen haben.

Diese Schäden gehen daher leider auf Ihre Kosten. Die Versicherung ist nur im Rahmen des vertraglich vereinbarten Umfang verpflichtet und nicht darüber hinaus. Grundsätzlich würden die gesamten Schäden von dem zu erstatten sein, der den Rohrbruch verursacht hat oder zu verantworten hat. Diesbezüglich sehe ich allerdings keine Anhaltspunkte, so Sie auf den Kosten des sog. „allgemeinen Lebensrisikos“ leider sitzen bleiben. So haben Sie zwar den Schaden nicht selbst verursacht, haben allerdings auch keinen, dem Sie diese Verursachung nachweisen können.

Für Schäden, die die Handwerker während der Reparatur verursacht haben, hätten Sie sich allerdings an diese zu wenden.

Mit freundlichen Grüßen


Martin P. Freisler
Rechtsanwalt

Bewertung des Fragestellers 2008-10-31 | 17:53


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