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Erbengemeinschaft zwangsweise auflösen, wie?


20.07.2008 00:12 |
Preis: ***,00 € |

Erbrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Marco Liebmann


| in unter 2 Stunden

Sehr geehrte Damen und Herren,

meine Mutter ist im Jahr 1989 verstorben, sie hatte mit meinem
Vater gemeinsam ein Haus/Grundstück.
Meine Mutter und mein Vater je zur Hälfte als Eigentümer.
Ich erbte ja nun die Hälfte von der Hälfte meiner Mutter,
also bin ich nun Miteigentümer zu ein Viertel.

Soweit ist auch alles klar, da aber mein Vater kurz nachdem Tod
meiner Mutter wieder geheiratet hat und er seitdem keinen Kontakt
zu mir und auch seinem Enkel mehr möchte, möcht ich nun meinen
Erbteil ausbezahlt haben.
Da er dies ablehnt, möchte ich nun von Ihnen wissen, was ich
veranlassen muß und die Erbengemeinschaft aufzulösen und ggf.
das Haus/Grundstück zwangsversteigern zu lassen.

Auch würde mich interessieren mit was für Kosten ich in etwa zu
rechnen habe, bzw. ob sich die andere Partei daran beteiligen muß.

Wäre ich dann auch nach wie vor mit dem Pflichtteil bei Tod
meines Vaters erbberechtigt, da er inzwischen ein Testament
zu Gunsten seiner 2. Frau hat.

-- Einsatz geändert am 20.07.2008 00:23:25
Trifft nicht Ihr Problem? Wir haben 246 weitere Antworten zum Thema:
20.07.2008 | 01:35

Antwort

von

Rechtsanwalt Marco Liebmann
341 Bewertungen
Sehr geehrter Ratsuchender,

ich möchte Ihre Fragen auf Grund des dargelegten Sachverhalts und unter Berücksichtigung Ihres Einsatzes wie folgt beantworten:

Ich weise darauf hin, dass dies einer ersten Orientierung über die bestehende Rechtslage dient und ein ggf. persönliches Beratungsgespräch bei einem Anwalt Ihrer Wahl nicht ersetzt.

Das Hinzufügen oder Weglassen von Informationen kann die rechtliche Beurteilung beeinflussen.

Dies vorangestellt beantworte ich Ihre Fragen wie folgt:

Frage 1)

Gemäß § 2042 Abs. 1 BGB kann jeder Miterbe jederzeit die Auseinandersetzung verlangen.

Hier kommt eine Teilungsversteigerung nach § 180 ZVG in Betracht, wenn vom Erblasser keine anderweitige Anordnung getroffen wurde, die dieser entgegensteht.

Die Teilungsversteigerung von Grundstücken dient dazu, die für die Begleichung der Nachlassverbindlichkeiten erforderlichen Barmittel zu beschaffen sowie einen in wertgleiche Teile spaltbaren Nachlassbestand zu erhalten. Sie kann von jedem der Miterben jederzeit verlangt werden. Zur Versteigerung bedarf es nicht der Zustimmung der übrigen Miterben.

Zugleich dient die Teilungsversteigerung natürlich, wie in Ihrem Fall der Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft über ein im Miteigentum stehendes Grundstück.

Zuständig ist das Amtsgericht, in dessen Bezirk das Grundstück liegt.

Hier können Sie einen Antrag auf Teilungsversteigerung stellen, aber nur mit dem Ziel, dass die Erlösverteilung der Auseinandersetzung vorbehalten bleibt.

Der Erlös aus der Versteigerung steht der Erbengemeinschaft zur gesamten Hand (sowohl Ihnen, als auch Ihrem Vater) zu.

Eine endgültige Auseinandersetzung bezüglich der versteigerten Gegenstände findet mithin durch die Versteigerung nicht statt. Eine erfolgreich abgeschlossene Teilungsversteigerung erleichtert aber sowohl ein FGG Vermittlungsverfahren als auch eine Auseinandersetzungsklage in ganz erheblicher Weise, da Grundstücke oftmals den Hauptstreitpunkt bilden. Erfahrungsgemäß führt deshalb bereits die Einleitung des Verfahrens dazu, ins Stocken geratene Verhandlungen wieder in Gang zu bringen.

Ein Viertel dieses Erlöses steht Ihnen dann zu, sofern keine Nachlassverbindlichkeiten mehr bestehen.

Beizufügen ist dem Antrag nach § 35 Grundbuchordnung ein beglaubigter Grundbuchauszug, der nicht älter als 1 Woche sein sollte und aus welchem sich das Eigentumsrecht des Erblassers bzw. der Erbengemeinschaft ergeben muss.

Des Weiteren ist entweder eine beglaubigte Abschrift des öffentlichen Testaments mit Ausfertigung des Eröffnungsprotokolls oder eine Ausfertigung des Erbscheins beizufügen.

Reine Privaturkunden, wie z. B. ein privatschriftliches Testament können, sofern das Zwangsvollstreckungsgericht sich im Wege freier Beweiswürdigung von ihrer Echtheit überzeugt, ebenfalls Grundlage einer Zwangsversteigerung sein.

Frage 2)

Die Kosten für eine Erbauseinandersetzung und vor allem einer Teilungsversteigerung lassen sich derzeit auch nicht grob abschätzen. Grundlage bildet der volle Wert des Grundstücks.

Im Zwangsversteigerungsverfahren findet kein Kostenausgleich statt. Ein solcher Ausgleich ist vielmehr außerhalb eines Verfahrens durchzuführen. War die Versteigerung gerechtfertigt, fallen sie den Miterben entsprechend ihrer Quote zur Last (Münchener Anwaltshandbuch Erbrecht - 2. Auflage 2007; § 61 Rz. 3).

Demzufolge hat Ihr Vater ¾ der Kosten des Zwangsversteigerungsverfahren zu tragen.

Frage 3)

Ja, nach dem Tod Ihres Vaters wären Sie zumindest weiterhin pflichtteilsberechtigt am Nachlass Ihres Vaters, sofern Sie von der Erbfolge durch Verfügung von Todes wegen ausgeschlossen werden, da die jetzige Auseinandersetzung lediglich den Erbteil am Nachlass Ihrer Mutter betrifft.


Ich hoffe ich konnte Ihnen einen ersten Überblick über die bestehende Rechtslage geben und Ihre Fragen zu Ihrer Zufriedenheit beantworten.

Bestehende Unklarheiten beantworte ich Ihnen gern innerhalb der kostenlosen Nachfragefunktion, wobei ich darum bitte, die Vorgaben dieses Forums zu beachten.

Darüber hinausgehende Fragen beantworte ich Ihnen gern im Rahmen einer Mandatserteilung.
Durch eine Mandatserteilung besteht auch die Möglichkeit einer weiterführenden Vertretung.
Die Kommunikation bei größerer Entfernung kann via Email, Post, Fax und Telefon erfolgen und steht einer Mandatsausführung nicht entgegen.

Mit freundlichen Grüßen

Marco Liebmann
Rechtsanwalt


Marco Liebmann, Rechtsanwalt

ANTWORT VON
Rechtsanwalt Marco Liebmann
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