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Elterngeld als Geschäftsführerin einer GmbH (50%)


26.11.2014 14:30 |
Preis: ***,00 € |

Sozialrecht



Hallo,

ich bin Geschäftsführerin einer GmbH mit 50% an Anteilen. (Firmengründung Anfang dieses Jahres)
Ich möchte gerne nächstes Jahr Elterngeld (Entbindung laut Arzt ist der 4.7.15) beziehen und habe hierzu noch fragen:

1.) Ich bekomme ein monatliches Gehalt von der Firma. Als was genau gelte ich? Selbstständiger oder als Arbeitnehmer?
Welches Gehalt muss ich beim Elterngeld angeben?
Ich bin freiwillig gesetzlich krankenversichert und möchte ab 01.01. in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen - so dass mir mit Krankenkassenbetrag ca. 650€ und Rentenversicherung wenn 20% angenommen ca. 720€ abgezogen werden müssen.

Nehm ich also das Nettogehalt an:
Gehalt - Lohnsteuer - Solibeitrag = Nettogehalt - Krankenkasse - Rentenversicherung = relevantes Gehalt oder muss ich unabhängig das Bruttogehalt angeben?
oder wie bemesse ich es?
Ich bekomme zusätzlich noch von einer Nebentätigkeit 450€. Rechne ich die auch rein?
Wie sieht es mit Mieteinnahmen aus? Gebe ich die auch mit an?

2.) Ich denke rechtlich sollte es kein Problem sein, wenn ich für das Jahr kein Gehalt von der Firma beziehe und der andere Gesellschafter sein Gehalt erhöht oder?

3.) Mutterschutzgeld bekomme ich von der Krankenkasse. Muss ich als Selbstständige die Beiträge in der Elternzeit (also nach dem Mutterschutz) weiter bezahlen?

Vielen Dank schonmal für eine Antwort.

Einsatz editiert am 27.11.2014 13:04:32
Sehr geehrte Fragestellerin,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Selbständig oder angestellt ?
Dass Sie sich selbst ein Gehalt auszahlen, bedeutet nicht zwangsläufig, dass Sie den Status eines Arbeitnehmers innehaben.
GmbH-Gesellschafter sind regelmäßig Selbständige, wenn sie zugleich Geschäftsführer der Gesellschaft sind und mindestens 50 v.H. des Stammkapitals innehaben, BFH Urteil vom 20.10.2010, VIII R 34/08. Für eine selbständige Tätigkeit spricht weiter, wenn Sie nicht weisungsgebunden bzw. persönlich abhängig sind, keine festen Arbeitszeiten haben und Unternehmerinitiative leisten. Ihre freiwillige Krankenversicherung, als auch die fehlende Rentenversicherungspflicht sind ebenfalls ein Indiz, dass Sie nicht abhängig beschäftigt sind. Ich gehe somit davon aus, dass Sie bei der Beantragung von Elterngeld als Selbständige behandelt werden.

Maßgebliches Einkommen:
Nach § 2 b Abs. 2 BEEG sind die steuerlichen Gewinnermittlungszeiträume maßgeblich, die dem letzten abgeschlossenen steuerlichen Veranlagungszeitraum vor der Geburt des Kindes in 2015 zugrunde liegen. Somit ist der Steuerbescheid 2014 vorzulegen. Dieser wird Ihnen bei Antragsstellung, also wenn das Baby da ist, vielleicht noch nicht vorliegen, weshalb vorläufig auf der Grundlage des glaubhaft gemachten Einkommens (z.B. Einkommensteuerbescheid aus dem Vorjahr, Bilanz oder Einnahmen-Überschussrechnung) entschieden wird. Nach dem Ende des Bezugs des Elterngeldes ermittelt die Elterngeldstelle dann das maßgeblichen Erwerbseinkommens und setzt endgültig das zustehende Elterngeld fest. Dabei werden zuwenig erbrachte Leistungen nachgezahlt, zuviel gezahltes Elterngeld ist zurückzuerstatten.

Berechnung des maßgeblichen Einkommens:
Abgezogen werden die Einkommenssteuer und der Solibeitrag, § 2 e BEEG. Neben den Steuerabzügen finden auch Abzüge für gesetzliche Sozialabgaben statt: Es werden 9 Prozent des Einkommens für die Kranken- und Pflegeversicherung, 10 Prozent für die
Rentenversicherung und 2 Prozent für die Arbeitsförderung abgezogen, SOFERN eine Versicherungspflicht in dem jeweiligen gesetzlichen Sozialversicherungszweig bestanden hat, § 2 f BEEG.

Der Pauschalabzug für die Krankenversicherung erfolgt somit in Ihrem Fall nicht, weil Sie als freiwilliges Mitglied in der gesetzlichen Krankenversicherung nicht pflichtversichert sind. Gleiches gilt für die Nichtberücksichtigung der Rentenbeiträge (die Sie im maßgeblichen Bemessungszeitraum auch nicht geleistet haben), da Sie nicht rentenversicherungspflichtig sind.

Alle Erwerbseinkünfte sind für die Berechnung des Elterngeldes zu berücksichtigen, also auch der Nebenverdienst (steuer- und abgabenfrei). Mieteinnahmen sind keine Erwerbseinkünfte i.S.v. § 2 BEEG.

Welches Gehalt Ihr Mitgesellschafter in Ihrer Elternzeit verdient, hat auf die Berechnung Ihres Elterngeldes keinen Einfluß.

Mutterschaftsgeld:
Dieses wird voll auf das Elterngeld angerechnet, da es die gleiche Lohnersatzfunktion hat. Insoweit fällt das Elterngeld in dieser Zeit weg.

Krankenversicherungsbeiträge in der Elternzeit:
Diese sind weiterhin (im Basistarif) zu entrichten: Für freiwillig Versicherte, die wegen Überschreitens der Jahresarbeitsentgeltgrenze nicht versicherungspflichtig waren und während des Bezugs von Erziehungsgeld keine weiteren Einkünfte haben, ergibt sich da keine Ausnahme. Dies wurde erst kürzlich wieder vom LSG Baden-Württemberg am 12.9.2014 so bestätigt, L 4 KR 75/14. Nur wenn Sie die Möglichkeit haben, familienversichert zu werden (durch den Ehemann), wäre eine Beitragsfreiheit gegeben.


Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen
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