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Ein Bein gestellt


| 14.12.2016 17:48 |
Preis: 65,00 € |

Versicherungsrecht, Privatversicherungsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwältin Silke Jacobi



Meine Nachbarin ist zu Besuch. Beim Verabschieden stehen wir uns im engen Flur gegenüber. Dann geht sie in Richtung Türe und ich drehe mich auch in diese Richtung. Dabei stelle ich ihr meinen Fuß in den Weg, über den sie stolpert und stürzt. Oberschenkelhalsfraktur! Meine Private Haftpflichtversicherung erkennt den Schaden nicht an, behauptet, die Nachbarin hätte selber besser aufpassen müssen, das konnte sie aber gar nicht da meine Drehung erfolgte, als sie fast an mir vorbei war.

Jetzt will der RA meiner Nachbarin ein Schmerzensgeld in Höhe von 3.000€ plus sonstige Kosten von 314 € von mir ersetzt haben.

Frage:
Sollte ich an den RA bezahlen und was raten Sie mir in Bezug auf meine Versicherung den Schaden ersetzt zu bekommen.
Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Die private Haftpflichtversicherung tritt ein und reguliert einen Schaden, wenn Ihnen als Versichertem ein Verschulden an dem Unfall bzw. an der Verletzung der Nachbarin anzulasten ist.

Die Versicherung verweigert derzeit die Regulierung, weil sie kein Verschulden bei Ihnen sieht sondern das Haupt- oder Alleinverschulden an der Verletzung der Nachbarin anlastet.

Es ist davon auszugehen, dass Sie die Nachbarin auf keinen Fall absichtlich verletzt haben. Insoweit kommt allenfalls eine fahrlässige Körperverletzung in Betracht. Fahrlässigkeit bedeutet, dass die im Verkehr erforderliche Sorgfalt außer Acht gelassen wird. Schon das könnte hier fraglich sein. Es handelt sich um eine normale Alltagssituation, wenn man Besuch verabschiedet und ihn zur Tür begleitet, bei der üblicherweise keine besondere Sorgfalt zu beachten ist. Evtl. wären hier wegen der Enge im Flur eine etwas erhöhte Sorgfalt und Vorsicht zu beachten gewesen, da in der Enge vielleicht eher mit Stolperfallen wie einem Fuß oder einem Gegenstand gerechnet werden könnte. Allerdings dürfen auch dann keine zu hohen Anforderungen an die zu beachtende Sorgfalt und Vorsicht gestellt werden.

M. E. war es für Sie aber nicht vorhersehbar, dass Sie der Nachbarin versehentlich durch die Drehung ein Bein stellen und die Nachbarin über Ihren Fuß stolpert und stürzt. Selbst bei aller Vorsicht hätte dieser Unfall möglicherweise geschehen können. Genauso wenig war für Sie vorauszusehen, dass sich die Nachbarin durch diesen Sturz erheblich verletzen würde.

Nach meiner derzeitigen Einschätzung dürfte hier, wenn überhaupt, eine sehr leichte Fahrlässigkeit Ihrerseits vorgelegen haben. Ihre Schilderung klingt eher nach einer Verkettung unglücklicher Umstände, die niemand hat voraussehen können.

Insoweit kann ich die Antwort Ihrer Versicherung nachvollziehen, dass die Regulierung mangels Verschulden Ihrerseits abgelehnt wird. Ein eindeutiges Verschulden Ihrerseits an der Verletzung kann nach Ihrer Schilderung derzeit nicht sicher bejaht werden. Trifft Sie kein Verschulden, sind Sie gegenüber der Nachbarin aber auch nicht schadensersatzpflichtig und Sie müssten weder Schmerzensgeld noch sonstige Schäden ersetzen. Dann liegt aber auch kein Versicherungsfall vor, für den die Versicherung einstehen müsste.

Darüber hinaus wäre tatsächlich zu klären, ob die Nachbarin nicht besser hätte aufpassen müssen, denn die Beachtung der Sorgfaltspflichten gilt nicht nur für Sie sondern auch für die Nachbarin. Vielleicht hätte Sie damit rechnen müssen, dass Sie sich auch zur Tür drehen oder Sie hätte in dem engen Flur auf evtl. Stolperfallen mehr achten müssen. Dann wäre u. U. ein Mitverschulden der Nachbarin gegeben, das, wenn man bei Ihnen von einer fahrlässigen Verletzung ausgeht, bei der Berechnung des Schadensersatzes und Schmerzensgeldes entsprechend berücksichtigt werden müsste.

Es wäre daher tiefergehend zu prüfen, inwieweit die Schmerzensgeldforderung der Nachbarin dem Grunde und der Höhe nach berechtigt ist und inwieweit auch die Nebenforderungen begründet sind.

Ich würde Ihnen deshalb nicht raten wollen, die Forderung, die die Nachbarin über ihren Anwalt stellt, ohne weitere Prüfung zu begleichen.

Sie sollten das Schreiben des Anwalts, wenn noch nicht geschehen, der Versicherung vorlegen mit der Bitte um erneute Prüfung des Sachverhalts und der Einstandspflicht. Darüber hinaus sollten Sie der Versicherung evtl. noch einmal den genauen Unfallhergang mitteilen, auch mit Erklärungen, wer sich wo befunden hat, ggf. mit einer Skizze und Maßangaben zum Flur und inwieweit die Nachbarin hätte erkennen können, dass Ihr Fuß versehentlich im Wege stand. Evtl. lässt sich danach für die Versicherung noch besser beurteilen, ob Sie vielleicht doch ein Verschulden an dem Unfall trifft bzw. die Versicherung kann ein Mitverschulden der Nachbarin besser beurteilen.

Es ist aber durchaus damit zu rechnen, dass die Versicherung bei ihrer bisherigen Einschätzung bleibt und die Regulierung ablehnt.

Dann sollten die Forderung der Nachbarin noch einmal anwaltlich vor Ort prüfen lassen und sich – auch im Sinne der „Waffengleichheit" – anwaltlich gegenüber der Nachbarin vertreten lassen, um unberechtigte oder überhöhte Forderungen abzuwehren. Gleichzeitig sollten Sie auch die Ablehnung der Versicherung dann anwaltlich prüfen lassen. Evtl. kann ein Anwalt die Versicherung von ihrer Einstandspflicht überzeugen, wenn tatsächlich ein Versicherungsfall vorliegt.

Ich hoffe, Ihre Frage damit verständlich beantwortet und Ihnen Möglichkeiten zum weiteren Vorgehen aufgezeigt zu haben.

Bei Nachfragen / Verständnisfragen nutzen Sie bitte die einmalige, kostenfreie Nachfragefunktion.

Mit freundlichen Grüßen

Silke Jacobi
Rechtsanwältin








Nachfrage vom Fragesteller 16.12.2016 | 10:30

Ich habe meiner Nachbarin das Bein gestellt nachdem sie an mir vorbei war.
Also praktisch in ihrem Rücken. Ändert das eventuell Ihre Sichtweise auf meine mangelnde Sorgfaltspflicht und bin ich dann doch Schuld?

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 16.12.2016 | 10:47

Sehr geehrter Fragesteller,

vielen Dank für Ihre Nachfrage, die ich wie folgt beantworten möchte:

Nach meiner Einschätzung bleibt es dabei, dass Sie allenfalls leicht fahrlässig gehandelt haben. Sie haben der Nachbarin nicht bewusst oder absichtlich ein Bein gestellt, damit sie stürzt und sich verletzt. Es war ein Versehen, das Sie nicht erahnen konnten.

Da auch die Nachbarin Sorgfaltspflichten insoweit trifft, dass sie schauen muss, wohin sie tritt und ob jemand hinter ihr steht, dürfte auch weiterhin ein Mitverschulden nicht völlig auszuschließen sein.

Legen Sie wie in der Antwort beschrieben das Schreiben des Anwalts bei Ihrer Versicherung vor und bitten Sie um erneute Prüfung.

Mit freundlichem Gruß

Silke Jacobi
Rechtsanwältin

Bewertung des Fragestellers 16.12.2016 | 10:33


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