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EV droht, neuer Job... Was tun?


12.04.2006 13:36 |
Preis: ***,00 € |

Insolvenzrecht


Beantwortet von



Hallo,

ich habe zur Zeit Schulden von circa 5.000 EUR und konnte diese letztes Jahr nicht zahlen, da ich erst Grundwehrdienstleistender war und danach arbeitslos wurde.

Nun habe ich seit fast 2 Wochen einen unbefristeten Arbeitsvertrag und habe mich mit einem Gläubiger, dem Deutschen Inkasso-Dienst, sehr positiv auf Ratenzahlung geeinigt.

Doch die RA-Kanzlei ***** beharrt auf eine EV.

Was passiert danach? Droht mir eine Lohnpfändung? Nur ist diese ja völlig sinnlos, da ein Betrag von fast 25 EUR pfändbar wäre und ich danach meinen Arbeitsplatz verlieren würde. Somit würde danach kein Geld mehr fließen.

Wäre auch eine Privatinsolvenz möglich?

Vielen Dank!
12.04.2006 | 15:15

Antwort

von


157 Bewertungen
Sehr geehrte/r Fragesteller/in,

vielen Dank für Ihre Frage, die ich aufgrund der von Ihnen mitgeteilten Informationen im Rahmen einer Erstberatung wie folgt beantworte:

Durch die Abgabe einer eidesstattlichen Versicherung erhalten Ihre Gläubiger Auskünfte über Ihre wirtschaftlichen Verhältnisse (Einkünfte, Arbeitgeber, Schulden, etc.). Es handelt sich hierbei um den letzten Schritt des Gläubigers im Zwangsvollstreckungsverfahren, der in der Regel dann eingeleitet wird, wenn die vorherige Zwangsvollstreckung durch einen Gerichtsvollzieher erfolglos geblieben ist.

Die Abgabe der EV wird bei dem für Ihren Wohnort zuständigen Vollstreckungsgericht im dortigen Schuldnerverzeichnis eingetragen und damit jedem Gläubiger auf Anfrage zugänglich gemacht. Die Sache hat allerdings auch eine positive Seite: Der Gerichtsvollzieher wird sich für ganze Weile (ca. 2 Jahre) nicht mehr bei Ihnen melden, da die Zwangsvollstreckung bei Ihnen offensichtlich erfolglos geblieben ist.

Eine Lohnpfändung droht Ihnen dann, wenn Sie pfändbare Einkünfte erzielen. Ob dies der Fall ist, können Sie der „Pfändungsfreigrenzen-Tabelle“ entnehmen, die Sie auf meiner Homegage unter „Service“ finden.

Die Pfändung würde Ihnen auch ohne die Abgabe der eidesstattlichen Versicherung drohen, wenn Ihr Schuldner einen vollstreckbaren Titel gegen Sie in der Hand hält, Sie pfändbare Einkünfte erzielen und dem Gläubiger Ihr Arbeitgeber bekannt ist.

Ein geringer Pfändungsbetrag ist für den Gläubiger kein Grund, die Pfändung zu unterlassen. Es ist auch nicht zwingend so, dass Sie bei einer Lohnpfändung Ihren Arbeitsplatz verlieren. Insbesondere ist eine Pfändung kein legitimer Kündigungsgrund. Die Arbeitgeber sehen Pfändungen deshalb nicht gern, weil dies für sie mit zusätzlicher Arbeit verbunden ist. Sie sollten die Sache daher schnellstmöglich mit Ihrem Arbeitgeber besprechen, da Ihnen ja auch bei einer Lohnpfändung an dem Erhalt des Arbeitsplatzes gelegen sein dürfte.

Die Einleitung eines Verbraucherinsolvenzverfahrens wäre grundsätzlich möglich. Ob Sie angesichts der eher geringen Schulden diesen Weg gehen möchten sollten Sie sich aber gut überlegen. Denn die Ihre pfändbaren Einkünfte wären auch im Falle eines gerichtlichen Insolvenzverfahrens an Ihre Gläubiger abzugeben. Einen Überblick über den Ablauf des Verfahrens erhalten Sie auf meiner Homepae unter „Rechtsgebiete“.

Ich hoffe, dass ich die Frage zu Ihrer Zufriedenheit beantwortet habe und verbleibe

Mit freundlichen Grüßen

Stephan Bartels


Rechtsanwalt Stephan Bartels

Nachfrage vom Fragesteller 12.04.2006 | 18:56

Bei einer Privatinsolvenz würden mir jedoch bei einem NettoGehalt von 1027,- EUR nur 24,40 EUR gepfändet werden, bzw. dürfte ich alles was darunter liegt zum Leben benutzen.

Nun ist es so, das allein der Deutsche Inkasso-Dienst fast 100 EUR Raten monatlich bekommt. Die besagte RA-Kanzlei verlangt nun sogar 260,- EUR monatlich für eine von zwei Forderungen.

SOmit müsste ich von 1027,- EUR netto ja mehr als 450,- EUR (mit den anderen Gläubigern) an Raten zahlen. Das geht aber wirklich nicht, da ich allein lebe und allein Miete schon 408,- EUR beträgt.

Was raten Sie mir zu tun?

Mit meinem Arbeitgeber werde ich das wohl durchsprechen müssen.

Vielen Dank bisher.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 12.04.2006 | 23:11

Sehr geehrte/r Fragesteller,

mehr als den monatlichen pfändbaren Tabellenbetrag kann Ihnen niemand wegnehmen.

ch rate ihnen daher, Ihren Glaübigern einen Vergleich anzubieten, der vorsieht, dass Sie für den Zeitraum von 6 Jahren den pfändbaren Betrag Ihres Einkommens auf Ihre Gläubiger quotal verteilen und nach 6 Jahren alle dann evtl. noch verbleibenden Schulden entfallen (Restschuldbefreiung). Wenn die Gläubiger auf dieses Angebot nicht eingehen, dann sollten Sie die Durchführung des Verbraucherinsolvenzverfahrens erwägen.

Mit freundlichen Grüßen

Stephan Bartels
Rechtsanwalt

ANTWORT VON

Hamburg

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