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Darlehen


| 01.04.2007 23:20 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von



Hallo,

1. Ist ein Darlehen von der Steuer absetzbar oder nur die Zinsen? Der Darlehensgeber muss die Zinsen als Kapitalerträge versteuern und der Darlehensnehmer kann die Zinsen von der Steuer als Sonderausgaben absetzen - richtig?

Der Fall ist so, dass ein Einzelunternehmer einem anderen Einzelunternehmer ein Darlehen gewährt hat für den Kauf eines Autos. Beide Male wirkt sich das Darlehen doch gewinnmindernd aus oder? Sprich der Darlehensgeber hat weniger Gewinn und muss daher auch weniger Geld versteuern??? Der Darlehennehmer hat nun Schulden und daher auch wieder weniger Geld zur Verfügung, also höhere Kosten, und somit auch weniger zu versteuern oder?
Wie wird das in der EÜR gebucht für Darlehensnehmer und Darlehengeber? Wie wird die monatliche Rate, die der Darlehennehmer bezahlen muss, gebucht?

2. Wie werden Reisekosten/Fahrtkosten im Ausland (EU-Land) behandelt? Wenn der Unternehmer eine Dienstreise ins Ausland unternimmt und dort z. Bsp. tankt, wie wird das dann gebucht? Dann ist ja auf dieser Tankrechnung die jeweilige Ust. des Landes berechnet. Ist das ein innergemeinschaftlicher Erwerb oder.....? Und wie wäre es im Fall von einem Nicht-EU-Land????

Tausend Dank!

02.04.2007 | 01:38

Antwort

von


296 Bewertungen
Sehr geehrte Fragende,

1. Ist ein Darlehen von der Steuer absetzbar oder nur die Zinsen? Der Darlehensgeber muss die Zinsen als Kapitalerträge versteuern und der Darlehensnehmer kann die Zinsen von der Steuer als Sonderausgaben absetzen - richtig?
Der Fall ist so, dass ein Einzelunternehmer einem anderen Einzelunternehmer ein Darlehen gewährt hat für den Kauf eines Autos. Beide Male wirkt sich das Darlehen doch gewinnmindernd aus oder? Sprich der Darlehensgeber hat weniger Gewinn und muss daher auch weniger Geld versteuern??? Der Darlehennehmer hat nun Schulden und daher auch wieder weniger Geld zur Verfügung, also höhere Kosten, und somit auch weniger zu versteuern oder?

Es gilt dabei immer zu unterscheiden zwischen Zahlungsab/-zuflüssen, die die reine Vermögensebene des Unternehmens betreffen (wie Tilgungsleistungen für ein Darlehen), und denen, die betrieblichen Aufwand für den Leistenden bzw. betrieblichen Ertrag für den Leistungsempfänger bedeuten. Bei Darlehensleistungen liegt insoweit für den Darlehensnehmer nur den Gewinn mindernder Aufwand vor, sofern es sich um Zinsen und Disagio oder ggf. Darlehensgebühren (wie bei Bankkreditgeschäften üblich) handelt. Der Darlehensgeber hat durch die Zinszahlungen des Kreditnehmers in selbiger Höhe entsprechenden, seinen Gewinn erhöhenden Ertrag. Die bloße Rückzahlung des Darlehens stellt zwar einen Liquiditätsabfluss beim Kreditnehmer dar, den Gewinn/Verlust beeinflusst dieses jedoch nicht, da nur davon nur die Vermögensebene betroffen wird. Besteuert wird schließlich nicht das Vermögen des Unternehmers, sondern der betriebliche Erfolg desselben.

Gleichwohl wäre im Falle der von der Einnahme-Überschussrechnung abweichenden Bilanzierung durch den Unternehmer zu beachten, dass beim Darlehensgeber die Darlehensforderung, die sich im Laufe der Tilgungsleistungen vermindert, auf der Aktiv-Seite der Bilanz (als Umlaufvermögen) auszuweisen ist. Beim Darlehensnehmer ist in entsprechender Höhe eine Verbindlichkeit auf der Passiv-Seite der Bilanz auszuweisen. Je höher der Darlehenssaldo, desto höher (bzw. niedriger) fällt auch der Stand des bilanziellen Kapitals beim Darlehensgeber (bzw. Darlehensnehmer) aus – auf die Gewinn/Verlustrechnung hat dieses aber wie gesagt keine Auswirkung.

(Laut Ihren Angaben gehe ich bei meinen Ausführungen im Übrigen davon aus, dass es sich auf beiden Seiten definitiv um Betriebseinnahmen bzw. –ausgaben handelt, da es ja ebenso denkbar wäre, dass - beim Darlehensgeber - die Darlehensgewährung z. B. aus privaten Mitteln desselben erfolgt und keinen betrieblichen Bezug hat, oder womöglich - beim Darlehensnehmer - das anzuschaffende Auto von diesem nicht überwiegend betrieblich verwendet wird. Im ersten Fall hätte sodann der Darlehensgeber die Zinserträge als Einkünfte aus Kapitalvermögen in Höhe des Zinsertrags zu versteuern, im zweiten Falle hätte der Darlehensnehmer gar keinen (da privat veranlassten) Aufwand im steuerlich relevanten Sinne. Sie sehen also, dass grundsätzlich immer erst zu prüfen ist, ob bzw. inwieweit überhaupt steuerliche Auswirkungen bestehen)

Wie wird das in der EÜR gebucht für Darlehensnehmer und Darlehengeber? Wie wird die monatliche Rate, die der Darlehennehmer bezahlen muss, gebucht?

Im Falle der Gewinnermittlung durch Einnahme-Überschussrechnung wirken sich wie gesagt nur die Einnahmen, die betrieblichen Ertrag darstellen, sowie die Ausgaben, die betrieblichen Aufwand darstellen, auf den betrieblichen Erfolg aus, weshalb auch nur diese insoweit zwingend zu buchen sind. Beim Darlehensgeber lautet der Buchungssatz (für jeden Eingang einer Zinszahlung): „Bank an Zinserträge“. Beim Darlehensnehmer dagegen: „Zinsaufwand an Bank“.

Für den Fall von Raten/Annuitätenzahlungen, die sich aus einem Zinsanteil und einem Tilgungsanteil zusammensetzen, müssen hierfür die enthaltenen Zinsen herausgerechnet werden.

Für den Fall der Bilanzierung bei beiden Unternehmern ist dagegen auch der Tilgungsanteil zu buchen: Beim Darlehensgeber (mit jedem Zahlungseingang): „Bank an Darlehensforderung“, beim Darlehensnehmer: „Darlehensverbindlichkeit an Bank“.


2. Wie werden Reisekosten/Fahrtkosten im Ausland (EU-Land) behandelt? Wenn der Unternehmer eine Dienstreise ins Ausland unternimmt und dort z. Bsp. tankt, wie wird das dann gebucht? Dann ist ja auf dieser Tankrechnung die jeweilige Ust. des Landes berechnet. Ist das ein innergemeinschaftlicher Erwerb oder.....? Und wie wäre es im Fall von einem Nicht-EU-Land????

Grundsätzlich sind auch Kosten, wie z. B. Tankkosten, die im Ausland entstehen, Betriebsausgaben. Die in den ausländischen Rechnungen enthaltene ausländische Umsatzsteuer ist aber in Deutschland nicht als Vorsteuer abziehbar. Um sich diese Umsatzsteuer als Vorsteuer „wiederzuholen“, müsste sich der Unternehmer ggf. in dem entsprechenden ausländischen Staat für Umsatzsteuerzwecke registrieren lassen – was aber i. d. R. in keinem Verhältnis zum Aufwand steht und meistens nur schwierig mit den Behörden umsetzbar ist.

Ein Innergemeinschaftlicher Erwerb nach §1a UStG kommt nur für Lieferungen (nicht für sonstige Leistungen) in Betracht, bei denen auf beiden Seiten ein Unternehmer steht und die Ware von einem EU-Staat in einen anderen EU-Staat gelangt. Der Nachweis der Unternehmereigenschaft hat dabei über die Angabe der USt-Ident.-Nummer erfolgen. Nur dann kann der Lieferer die Rechnung ohne USt ausstellen. Der Lieferungsempfänger hat dann die Erwerbsteuer zu zahlen, die dieser aber als Vorsteuer abziehen kann. Der Buchungssatz im Falle des I.g. Erwerbs lautet: „Wareneingang (oder hier: Kfz-Kosten) + Vorsteuer an Bank/Kasse + Erwerbsteuer“.

Sofern kein i.g. Erwerb vorliegt, ist die ausländische Vorsteuer nicht abziehbar, sodass die Bruttokosten Aufwand darstellen. Der Buchungssatz lautet dann: „Wareneingang (oder hier: Kfz-Kosten) an Bank/Kasse“.

Im Falle der Einfuhr, die sich vom i.g. Erwerb nur davon unterscheidet, dass hierbei die Ware/der Gegenstand aus einem sog. Drittland in das Inland gelangt, verhält es sich grds. entsprechend der o. a. Ausführungen. Buchungssatz wäre: „Wareneingang + Vorsteuer(EUSt) an Bank/Kasse + EUSt“.

Ich hoffe, dass ich Ihnen weiterhelfen konnte.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. C. Seiter


Rechtsanwältin Dr. Corina Seiter
Fachanwältin für Familienrecht, Fachanwältin für Strafrecht

Nachfrage vom Fragesteller 03.04.2007 | 21:53

Sehr geehrte Frau Dr. Seiter,

ich danke Ihnen für die ausführliche Erläuterung.

Mir ist immer noch nicht ganz klar wie sich das Darlehen auf meine Einnahmen-Ü-RE auswirkt: Wenn ich ein Darlehen aufnehme, muss ich es ja auch wieder zurückbezahlen, also sind doch nicht nur die Zinsen, die ich bezahlen muss ein Aufwand, sondern meine Kosten erhöhen sich doch auch durch die Tilgungsrate. Also Darlehensverbindlichkeit an Bank (wenn ich eine Rate bezahle) oder erscheint dieser Aufwand nicht in meiner EÜR, sprich ich muss das nur bei Bilanzierung buchen???

Danke nochmals!

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 04.04.2007 | 23:31

Ja, auch wenn es vielleicht nicht ganz einzusehen ist, haben Tilgungen keine Gewinn-/Verlustauswirkung. Das liegt daran, dass es sich hierbei zwar um Ausgaben (im Sinne von Zahlungsabfluss), aber nicht um Kostenaufwand handelt.

Dieses wird vielleicht einleuchtender, wenn man überlegt, dass bei der Einbuchung des Darlehensbetrages zum Zeitpunkt dessen Gewährung ("Bank an Darlehensverbindlichkeit") auch kein Erfolgskonto, sondern nur Bestandskonten bebucht werden. Und auch bei Buchung der mtl. Tilgungen ist dieses nicht anders: "Darlehensverbindlichkeit an Bank". Erst wenn ein Erfolgskonto - wie z. B. "Zinsaufwand" - betroffen wird, hat dieses auch Auswirkung auf den Gewinn/Verlust.

Im Gegensatz zur Bilanzierung sind bei der EÜ-Rechnung die Bestände und somit die Bestandskonten grds. uninteressant, sondern es werden nur die Betriebseinnamen und - ausgaben (wie "Zinsaufwand" oder "Umsatzerlöse") zum Zwecke der Gewnnermittlung gegenübergesetllt.

Ich hoffe, dass ich hiermit die letzten Unklarheiten beseitigen konnte.

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