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Darf ich Songtexte für Gitarrenunterricht kopieren?


| 07.12.2009 11:17 |
Preis: ***,00 € |

Urheberrecht, Markenrecht, Patentrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Christian Joachim



Als freiberuflicher Musiker und Gitarrenlehrer unterrichte ich Einzelschüler und Gruppen. Bei dem Unterricht handelt es sich um Songbegleitung, d.h. der Unterricht ist darauf angelegt, sich selber mit der Gitarre beim Singen begleiten zu erlernen. Für den Unterricht verwende ich bekannte Songs aus unterschiedlichen Stilrichtungen. Jede Gruppe und jeder Schüler wird auf diese Weise seinem vorhandenen Können entsprechend unterrichtet. Ich arbeite nicht mit einem bestimmten Lehrbuch, sondern bereite den Unterricht individuell vor, d.h. die Schüler sagen mir, welche Songs sie gerne erlernen möchten.
Ich schreibe die Originaltexte ab (ohne Noten) und setze die entsprechenden Akkordgriffe, welche die Schüler lernen bzw. spielen sollen, dazu. Dann kopiere ich diese Texte und händige sie allen Unterrichtsteilnehmern aus.
Alle meine SchülerInnen haben einen direkten Bezug zu mir bzw. dem Unterricht; die kopierten Texte werden nicht von mir anderweitig vervielfältigt und veröffentlicht, sie dienen ausschließlich Unterrichtszwecken.
Fragen:
Darf ich solche oben beschriebenen Vervielfältigungen einfach so vornehmen oder verstoße ich dabei gegen irgend ein Urheberrecht?
Brauche ich eine besondere Genehmigung, wenn ja, von wem?
Wäre ich notfalls auf der sicheren Seite, wenn ich den vorbereiteten Text nur EINMAL anfertige und ihn dann von den Schülern selbst. kopieren lasse?
Ist es überhaupt relevant, wie viele Texte ich jeweils kopiere?

Ich bitte um eine für einen Nichtjuristen klar verständliche Antwort, bitte kein Fach-Chinesisch, vielen Dank!
sehr geehrter Fragesteller,

Herzlichen Dank für Ihre Fragen dass damit entgegengebrachte Vertrauen.

Grundsätzlich ist die von Ihnen gehandhabte Vorgehensweise urheberrechtlich bedenklich.

Songtexte dürfen in der Regel ohne Zustimmung des Rechteinhabers weder kopiert, verbreitet oder in der Öffentlichkeit unkörperlich wiedergegeben werden, da es sich hier ebenfalls um urheberrechtlich geschützte Werke handelt.

Vor diesem Hintergrund sind die Anfertigung von Fotokopien grundsätzlich nicht zulässig.

Ausnahmevorschriften finden sich in § 52a Urhebergesetz und § 53 Urhebergesetz. Beide Vorschriften zielen jedoch darauf ab, dass es sich nicht um eine gewerbliche und auf Gewinn gerichtete Tätigkeit handelt. Die erste o.g. Vorschrift ermöglicht eine Verwendung zu Unterrichtszwecken, die zweite Vorschrift für den privaten Gebrauch. Dabei gilt hinsichtlich der Unterrichtszwecke, als dass hier eine normale Schule ohne jegliche Gewinnerzielungsabsicht gemeint ist.

Aus diesem Grund wäre die einzige Alternative, hier einen entsprechenden Pauschalvertrag mit den jeweiligen Urhebern abzuschließen, was jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit für Sie nicht infrage kommt.

Sofern es sich nur um kleine Teile eines erschienenen Werks, die in der Zeitung erschienen sind oder wenn das Werk seit mindestens zwei Jahren vergriffen ist, bestehen hierfür keine Einschränkungen.

Die Genehmigung müssten Sie vom Urheber einholen, mit diesem wäre auch die Anzahl der Fotokopien zu vereinbaren.

Selbst, wenn Sie den Text einmal vervielfältigen, würde dies eine Urheberrechtsverletzung darstellen.

Eine mögliche Lösung ergibt sich aber daraus, dass zB. die Schüler die Texte aus öffentlich zugänglichen und rechtmäßigen Quellen für den eigenen Privatgebrauch einfach abschreiben oder für eigene eben private Zwecke nutzen. Sodann wären Sie vom Risiko der Urheberrechtsverletzung befreit und die Schüler könnten sodann die Texte für sich selbst nutzen.

Ich hoffe, Ihre Frage zunächst hilfreich beantwortet zu haben, stehe Ihnen aber gerne, auch im Rahmen der kostenlosen Nachfragemöglichkeit, zur Verfügung.


Nachfrage vom Fragesteller 08.12.2009 | 13:19

Guten Tag Herr Joachim,
vielen Dank für die rasche Antwort!

Sie schreiben u.a.: "Die Genehmigung müssten Sie vom Urheber einholen, mit diesem wäre auch die Anzahl der Fotokopien zu vereinbaren."
Nun kann ich ja nicht etwa Udo Jürgens oder Paul Mc Cartney persönlich um Erlaubnis bitten - hat der Gesetzgeber hier so etwas wie eine "übergeordnete Institution" (so wie z.B die GEMA für Tonaufnahmen), zur Verfügung gestellt?
Aus organisatorischen Gründen kann ich nicht meine SchülerInnen die Texte abschreiben lassen, dies würde den zeitlichen Unterrichtsrahmen sprengen und zu Komplikationen führen.

Bereits im voraus vielen Dank für Ihre Unterstützung!
Herzlichst,
HansMichael

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 08.12.2009 | 15:18

Sehr geehrter Fragesteller,

herzlichen Dank für Ihre Nachfrage.

Richtig, sofern der Urheber in einer Organisation eingebunden ist, die die Urheberrechte verwaltet bzw. vermarktet, wären die entsprechenden Genehmigungen, hier für die Musikindustrie bei der GEMA, dort einzuholen. Die GEMA ist auch für die sog. Textdichter zuständig und bietet nach meiner Kenntnis auch unterschiedliche Kostenstrukturen auch für „Wenignutzer“.

Die Schüler könnten ggf. das Abschreiben in Hausarbeit erledigen, um nicht die Unterrichtszeit zu nutzen.

Ich hoffe, mithin auch Ihre Nachfrage hilfreich beantwortet zu haben und stehe Ihnen selbstverständlich weiterhin gerne zur Verfügung.

Bewertung des Fragestellers 08.12.2009 | 16:32


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