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Darf ein Anwalt seine Zeitaufstellung nachträglich nach oben korrigieren?


| 18.12.2004 06:07 |
Preis: ***,00 € |

Anwaltsrecht, Gebührenrecht



Hallo!
Ich habe mit meinem Rechtsanwalt eine Stundenvereinbarung über 100 EUR/Stunde zzgl. Mwst im Abrechnungstakt von je 15 Minuten.

Vor kurzem hat er mir seine Rechnung und die dazugehörige Zeitaufstellung zugeschickt. Auf der Zeitaufstellung stimmen einige Positionen nicht, es wurde was ich auch teilweise belegen kann (z.B.) bei Telefonaten die laut EVN der Telekom 37 Minuten dauerten mit 60 Minuten abgerechnet usw. Vor- und Nachbereitungszeit gab es für diese Telefonate keine. Ich suchte darauf hin das persönliche Gespräch mit dem Anwalt, jedoch zeigte dieser keinerlei Einsicht.
Daher erwäge ich nun seine Rechnung um diese Beträge zu kürzen.

Meine konkrete Frage ist nun:
Kann der Anwalt nun, falls ich die Rechnung kürzen sollte erneut eine "korrigierte" Zeitaufstellung schicken, auf welcher dann bisher nicht aufgeführte Positionen für seine Dienstleistungen hinzufügen um sich so den gekürzten Betrag auf diesem Wege zurückzuholen? Oder sind einmal erstellte Zeitaufstellungen inkl. Rechnung verbindlich und können nicht mehr nach oben hin korrigiert werden?

Danke schonmal im Voraus für Ihre Mühe
Guten Morgen,

auf Ihre Frage kann es nur eine Antwort geben: die Zeitaufstellung muß natürlich korrekt sein.

Dies bedeutet, daß Ihr Rechtsanwalt die gegebene Abrechnung korrigieren kann, sofern er tatsächlich geleistete Zeiten in der ersten Abrechnung nicht aufgeführt hat. Ihr Anwalt muß dann allerdings im Streitfall belegen, daß die in der Rechnung aufgeführten Zeiten auch zutreffend. Hier wäre ein starkes Indiz die Tatsache, daß die Zeiten in der ersten Abrechnung nicht aufgeführt sind. Ausgeschlossen ist aber eine erneute Abrechnung nicht.

Ich hoffe, ich habe Ihnen weitergeholfen. Für Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Michael Weiß
Rechtsanwalt und auch Fachanwalt für Arbeitsrecht
Esenser Straße 19
26603 Aurich
Tel 04941 60 53 47
Fax 04941 60 53 48
e-mail: info@fachanwalt-aurich.de

Nachfrage vom Fragesteller 18.12.2004 | 08:05

Und wie muss er das im Streitfalle beweisen/belegen?
Er könnte sich doch alles aus den Fingern saugen und auf seine Zeitaufstellung schreiben?
Muss er für eine Position für er 1h veranschlagt hat im Streitfalle auch nachweisen, dass er wirklich 1h gearbeitet hat?
Wie müsste so ein Nachweis aussehen?

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 18.12.2004 | 08:13

Wenn Ihr Anwalt eine Stunde für eine bestimmte Tätigkeit veranschlagt hat, dann muß er im Streitfall auch belegen, daß er eine Stunde gearbeitet hat.

Sie können zunächst einmal die Richtigkeit der Abrechnung bestreiten, wobei Ihnen sicherlich zugute kommt, daß nachweislich z.B. die Telefonpositionen nicht stimmen. Ihr Anwalt müßte dann seine Position genauer erläutern, etwa durch Vorlage seiner eigenen Aufstellung. Letztlich kann er den Beweis aber nur durch etwa eine Aussage seiner Mitarbeiter führen, die dann genau die geleisteten Zeiten belegen müßten.

Sie können natürlich auch die Angemessenheit der Rechnung durch die für Sie zuständige Anwaltskammer überprüfen lassen. Legen Sie, falls erforderlich, dort die Unterlagen vor.

Mit freundlichen Grüßen

Michael Weiß

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