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DHL (Post) hat Paket verloren und weigert sich Versicherungsbetrag zu zahlen...


16.07.2004 13:36 |
Preis: ***,00 € |

Versicherungsrecht, Privatversicherungsrecht


Beantwortet von



Hallo,

es geht um ein versichertes Paket (abgeschickt 12/2003), das nie beim Empfänger ankam - Ich schreibe nun schon Monate gegen automatisierten Computerschreiben ohne Namen und Telefonnumer an, die immer die gleichen Ausreden enthalten und möchte nun mit Anwalt vorgehen.


Die Fakten:
Paket an "Herrn Müller, Hauptstr. 23" geschickt, kam nicht an. Nachforschung ergibt lt. Post/DHL: "Paket wurde an Nachbarn Herrn Maier, Hauptstr. 4 abgegeben, dies ist lt. unserer AGB zulässig..."


Problem:
1. Der Nachbar existiert nicht.
2. Die Adressen (Hausnummer 4 anstatt Nr. 23) liegen satte 0,6 km auseinander.


Nun die Frage(n):
- Darf sich die Post hier darauf berufen, dass das Paket bei Nachbarn abgegeben wurde? D.h. u.a. ist ein 600m entferntes Haus (schätzungsweise 50 Häuser weiter) in einer Großstadt als Nachbar anzusehen??? Zudem, wenn der angegebene Ersatzempfänger in der ganzen Stadt nicht existiert...

- Wie kann ich gegen das Verhalten der Post vorgehen?
- Kann ich auf die 550,- EUR Paketwert Zinsen geltend machen (es geht ja nun schon viele Monate hin- und her...)?


Grüße,

NP




16.07.2004 | 16:00

Antwort

von


3 Bewertungen
Sehr geehrter Ratsuchender,

vielen Dank für Ihre Anfrage.
Ich gehe im Folgenden davon aus, dass Sie selbst ein Paket mit DHL verschickt und selbst einen Nachforschungsauftrag bereits gestellt haben.
Durch Ihre Aufgabe des Paketes kam mit DHL ein sogenannter Beförderungsvertrag zustande, wobei der Beförderer selbstverständlich für Verlust oder Beschädigung haftet.

Dieses Vertragsverhältnis wird neben gesetzlichen Bestimmungen durch die AGBs von DHL, namentlich „AGB Paket/Express National“ bestimmt, welche man in jeder Postfiliale oder auch im Internet einsehen kann.

Hiernach gilt in Nummer 4 Folgendes:

4 Leistungen der Deutschen Post

(1) Die Deutsche Post befördert die Sendungen zum Bestimmungsort und
liefert sie an den Empfänger unter der vom Absender genannten Anschrift ab.
Die Einhaltung einer bestimmten Lieferfrist ist nicht geschuldet, soweit nicht
für einzelne Produkte, insbesondere für Express-Sendungen, durch die in
Abschnitt 1 Abs. 2 genannten Bedingungen etwas anderes geregelt ist.

(2) Die Deutsche Post bescheinigt dem Absender die Übernahme (Einlieferung)
der Sendungen; dies gilt nicht, wenn eine vereinfachte Übernahme nach den
in Abschnitt 1 Abs. 2 genannten Bedingungen erfolgt.

(3) Die Deutsche Post nimmt die Ablieferung (Zustellung) unter der auf der
Sendung angebrachten Anschrift durch Aushändigung gegen Empfangsbestätigung
an den Empfänger, an seinen Ehegatten oder an eine Person, die
schriftlich zum Empfang der Sendung bevollmächtigt ist (Empfangsbevollmächtigter/
Postempfangsbeauftragter) vor. Dies gilt nur, soweit die Deutsche
Post nichts anderweitiges, wie z. B. Lagerung, Nachsendung oder Zustellung
durch Ablage, mit dem Empfänger vereinbart und der Absender keine entgegenstehenden
Vorausverfügungen getroffen hat. Sendungen mit dem
Service „Eigenhändig“ und Express-Sendungen mit dem Service „Transportversicherung
25.000 EURO“ werden außer dem Empfänger nur einem hierzu
besonders Bevollmächtigten ausgehändigt. Der EXPRESS BRIEF ohne die
Services „Eigenhändig“ und/oder „Transportversicherung“ kann auch durch
Einlegen in eine für den Empfänger bestimmte und ausreichend aufnahmefähige
Vorrichtung (Hausbriefkasten etc.) abgeliefert werden.

(4) Die Deutsche Post darf Sendungen, die nicht in der in Absatz 3 genannten
Weise abgeliefert werden können, einem Ersatzempfänger aushändigen. Dies
gilt nicht für Sendungen mit dem Service „Eigenhändig“, Express-Sendungen
mit dem Service „Transportversicherung 25.000 EURO“ und EXPRESS BRIEFE
mit dem Service „Transportversicherung 2.500 EURO“. Ersatzempfänger sind
1. Angehörige des Empfängers und des Ehegatten, oder
2. andere, in den Räumen des Empfängers anwesende Personen, sowie dessen
Hausbewohner und Nachbarn, sofern den Umständen nach angenomme
werden kann, dass sie zur Annahme der Sendungen berechtigt sind; EXPRESS
BRIEFE werden nicht an Hausbewohner und Nachbarn ausgehändigt.

Nun scheint sich DHL hier auf Absatz 4 auf den „Ersatzempfänger“ zu berufen, was bei Ihnen ein Nachbar sein könnte.

Sollte das Paket tatsächlich an einen Herrn in der Hauptstr. 4 ausgehändigt worden sein, so ist dieser natürlich völlig ungeeignet gewesen, um Ihnen das Paket zu vermitteln. Als Nachbarn dürften lediglich die angrenzenden Grundstücke zu verstehen sein, wobei aber zusätzlich zu beachten ist, dass nicht an jeden Nachbar etwas ausgehändigt werden darf. Der Zusteller muss prüfen, ob der Nachbar überhaupt zur Annahme der Sendung berechtigt ist. Beides liegt bei Ihnen nicht vor, so dass DHL seine Pflichten bei der Zustellung verletzt hat. Da hierdurch wohl der Verlust des Paketes resultierte, ist Ihnen DHL schadensersatzpflichtig.

Zinsen können Sie auf den Wert Ihres Paketes verlangen, sofern Sie DHL eine Frist zur Begleichung des Schadens gesetzt haben. Nach Ablauf dieser Frist befindet sich DHL im Verzug, so dass Zinsen als Verzugsschaden zu ersetzen sind. Anwaltskosten gelten im Übrigen auch als Verzugsschaden.
Ich empfehle Ihnen, nochmals schriftlich per Einschreiben mit Fristsetzung (falls dies noch nicht geschehen ist) DHL zur Zahlung aufzufordern. Nach Fristablauf sollten Sie die Angelegenheit einem Anwalt übergeben.

Ich hoffe, Ihnen vorerst weitergeholfen zu haben.

Alexander Birmili
Rechtsanwalt



Rechtsanwalt Alexander Birmili
Fachanwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht

ANTWORT VON

Reutlingen

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