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Bitcoin: Besteuerung von Splits/Spinoffs (Devisen / privates Veräußerungsgeschäft)


| 05.08.2017 09:13 |
Preis: 100,00 € |

Generelle Themen


Beantwortet von



Kryptowährungen werden steuerlich wie Devisen behandelt (privates Veräußerungsgeschäft, steuerfrei nach Haltefrist von einem Jahr). Vor kurzer Zeit ist ein Klon von Bitcoin entstanden, der die Buchführung von Bitcoin kopiert hat und getrennt weiter führt ("Bitcoin Cash" bzw. "BCash" Fork). Halter von Bitcoin haben automatisch die Zugriffsschlüssel zu BCash. Was ist der steuerliche Einfluss dieses "Forks" auf die ursprünglichen Bitcoins und wie wird BCash steuerlich behandelt? Muss die Fußstapfentheorie angewendet werden oder könnte das Finanzamt auf eine andere Methode bestehen?

Könnte die neu entstandene Währung nach § 23 EStG (1) 2 Satz 4 als Einkünfte auf die ursprüngliche Währung betrachtet werden und so eine Verlängerung der Haltefrist zur Steuerfreiheit auf zehn Jahre auslösen? Falls nein, warum nicht?


Einsatz editiert am 10.08.2017 20:57:21
11.08.2017 | 08:55

Antwort

von


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Sehr geehrter Fragesteller,
ihre Frage beantworte ich auf Grundlage der von Ihnen gemachten Angaben. Bitte beachten Sie, dass schon bei geringfügig anderem Sachverhalt eine andere rechtliche Bewertung erfolgen kann.
Die von Ihnen gestellte Frage wurde bislang noch nicht höchstrichterlich entschieden, sodass die folgende Antwort auf bisherigen Erkenntnissen.
Hinsichtlich der steuerlichen Einordnung von Bitcoins ist noch vieles ungeklärt und rechtlich noch nicht im Gesetz verankert. Bitcoins erfüllen nicht die Anforderungen des Geldbegriffs, stellen jedoch wie Devisen ein sonstiges Wirtschaftsgut dar. Wenn Bitcoins im Privatvermögen gehalten werden, kommt daher eine Besteuerung als privates Veräußerungsgeschäft gemäß § 23 (1) S. 1 Nr. 2 EStG in Betracht.
Im Rahmen des Fork am 1. August 2017 erhielten Halter von Bitcoins für jeden Bitcoin sowohl den regulären Bitcoin als auch einen neuen BitcoinCash.
Halter von Bitcoins erzielten im Zeitpunkt des Forks einen Ertrag (Zufluss des BitcoinCash). Steuerlich gesehen handelt es sich daher um Einkünfte aus Kapitalvermögen im Sinne des § 20 (1) Nr. 7 EStG.
Werden aus einem Wirtschaftsgut i.S.d. § 23 (1) S. 1 Nr. 2 S. 1 EStG zumindest in einem Kalenderjahr Einkünfte erzielt, erhöht sich der Zeitraum, in dem eine Veräußerung steuerbar wäre, auf 10 Jahre (§ 23 (1) S. 1 Nr. 2 S. 3 EStG).
Das heißt die Haltefrist der ursprünglichen Bitcoins verlängert sich von 1 Jahr auf 10 Jahre.
BitcoinCash gilt mit dem Fork als angeschafft und ist momentan gemäß § 23 (1) S. 1 Nr. 2 EStG nach einer Haltedauer von 1 Jahr steuerfrei veräußerbar.
Ich hoffe, ihre Frage zu Ihrer Zufriedenheit beantwortet zu haben. Sollte dies nicht der Fall sein können sie gerne die kostenlose Nachfragefunktion nutzen.

Mit freundlichen Grüßen

Krueckemeyer
Rechtsanwalt


Nachfrage vom Fragesteller 11.08.2017 | 12:40

> Im Rahmen des Fork am 1. August 2017 erhielten Halter von Bitcoins für jeden Bitcoin sowohl den regulären Bitcoin als auch einen neuen BitcoinCash.

'Erhalten' hat man in dem Sinne nicht unbedingt etwas. Es ist eher so, dass die Schlüssel für Bitcoin jetzt auch woanders passen würden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das automatisch als Ertrag gewertet wird. Das wäre etwa so, als ob mein Nachbar eine Garage baut zu der mein Haustürschlüssel passt und sich dadurch plötzlich meine Steuerlast verdoppelt. Ich vermute, dass durch passives Verhalten also 'nicht verwenden der Schlüssel für BitcoinCash' auch kein Einfluss auf die eigentlichen Bitcoins entstehen kann.

Handelt es sich sicher um einen Ertrag? Ich könnte Argumentieren, der Wert der Bitcoins hat sich um den Wert der BCashs verringert. Also wie ein geteiltes Grundstück. Ich frage mich, wie es wohl gehandhabt wird wenn ein Pferd ein Fohlen gebärt :-)

Aus meiner Frage: Warum kann die Fußstapfentheorie wie bei Aktiensplits/Spinoffs oder Immobilien nicht angewandt werden?

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 11.08.2017 | 15:02

Sehr geehrter Fragesteller,

danke für Ihre Nachfrage die ich wie folgt beantworten möchte.

Es mag sein, dass die Finanzverwaltung auch die Fußstapfentheorie wie bei Aktiensplits anwendet. Bei einem Aktiensplit ist es jedoch so, dass die Anzahl der Aktien erhöht wird, der Wert der Aktien insgesamt beim Anteilseigner bleibt jedoch gleich.

Der Bitcoin Fork ist eine andere Situation. Zu dem Wert des Bitcoin ist ein weiterer BitcoinCash mit einem entsprechenden (neuen) Wert hinzugekommen. Es ist eben nicht so, dass sich quasi ein Teil des Bitcoins in einen BitcoinCash umgewandelt hat. Addiert man die Werte im Zeitpunkt des Fork erhält man gerade nicht den gleichen Wert wie vorher.

Auf die tatsächliche Nutzung eines Wirtschaftsgutes kommt es für die steuerliche Betrachtungsweise nicht an. Durch den Fork ist die Möglichkeit geschaffen, zukünftig sowohl mit Bitcoins als auch mit BitcoinsCash zu handeln. Ist eine Nutzung des BitcoinCash nicht gewünscht, so wäre hier auch denkbar einen entsprechenden Verlust aus privaten Veräußerungsgeschäften durch den Verkauf/Tausch von BitcoinsCash innerhalb von 1 Jahr nach dem Fork zu realisieren (§ 23 (1) S. 1 Nr. 2 EStG).

Ich vermag hier nur die aktuelle Rechtslage aufzuzeigen, ob diese die Finanzverwaltung für Bitcoins so übernimmt, ist nicht gesichert. Es ist jedoch davon auszugehen, dass der Fiskus sprichwörtlich ein "Stück vom Kuchen" haben möchte, d.h. alle gesetzlichen Möglichkeiten abklopfen wird um eine Steuerbarkeit anzunehmen. Höchstrichterliche Rechtsprechung gibt es bekanntermaßen noch nicht zu dem Thema Bitcoins.

Ich hoffe, ihre Frage damit umfassend beantwortet zu haben. Sollte dies nicht der Fall sein können sie mir (kostenlos) eine Email zukommen lassen.

Mit freundlichen Grüßen

Krueckemeyer
Rechtsanwalt

Bewertung des Fragestellers 29.08.2017 | 18:12


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"Wenn BCash Erträge aus Kapitalvermögen sind können sie nicht gleichzeitig eine Anschaffung im Rahmen eines privaten Veräußerungsgeschäftes sein."
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BEWERTUNG VOM FRAGESTELLER 29.08.2017
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Wenn BCash Erträge aus Kapitalvermögen sind können sie nicht gleichzeitig eine Anschaffung im Rahmen eines privaten Veräußerungsgeschäftes sein.


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