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Benachrichtigung von Erbschaft


24.10.2004 23:18 |
Preis: ***,00 € |

Erbrecht


Beantwortet von



Guten Tag,

ich habe folgende Frage zum Erbrecht.

Mein Vater ist am 9.10.04 in Dortmund gestorben. Dies habe ich zufällig in der Zeitung gelesen. Zufällig, weil ich seit knapp 30 Jahren keinerlei Kontakt zu meinem Vater mehr hatte. Meine Mutter hatte sich 1977 von ihm scheiden lassen, niemals Unterhalt erhalten für sich oder uns Kinder (ich habe eine Schwester, hier ist ebenfalls mein Vater der Kindsvater) Der Kontakt war seit der Scheidung komplett von seiner Seite her abgebrochen.

Mein Vater hat irgendwann dann neu geheiratet, aus dieser Ehe ist eine Tochter hervorgegangen, heute ca. 7 Jahr alt.

Meine Schwester und ich befürchten, dass mein Vater bis zum Tode hohe Schulden hatte und wir unter Umständen in Anspruch genommen werden könnten. Deshalb habe ich folgende Fragen:
1. Werde ich offiziell über Tod meines Vaters und eines möglichen Erbes benachrichtigt, wenn ja von wem und innerhalb welchen Zeitrahmens?
2. Von wem kann ich selbst Auskunft einholen über ein mögliches Erbe?
3. Wenn ich nicht über den Tod des Vaters informiert werde, kann es dann sein, dass ich ein Erbe (Schulden oder Guthaben gleichermaßen) annehme, ohne davon zu wissen?
4. Innerhalb welcher Frist kann ich – wenn notwendig - ein Erbe ausschlagen oder annehmen?
5. Wie hoch wäre mein Pflichtteilanspruch. Hintergrund: Mein Vater hatte 2 leibliche Kinder aus erster Ehe (meine Schwester und mich) und das Kind aus 2. Ehe und dann gibt es natürlich noch die aktuelle 2. Ehefrau (=Witwe). Ob es in der zweiten Ehe einen Ehevertrag oder Testament gibt, ist mir nicht bekannt.
6. Muss ich etwas beachten, falls mein Vater wirklich hohe Schulden hinterlässt und ich nicht aktiv werde? Muss ich fürchten, ggf. finanziell in Anspruch genommen zu werden?

Biite diese Frage nach Möglichkeit nicht veröffentlichen, sondern nur persönlich beantworten.
25.10.2004 | 01:43

Antwort

von


162 Bewertungen
Sehr geehrte Damen und Herren,

vielen Dank für Ihre Anfrage.

Zunächst möchte ich Ihnen mein Beileid ausdrücken. Auch Auch wenn Sie Ihren Vatar nicht gekannt haben, so war es immer noch Ihr Vater.

Ich rate Ihnen vorab schon jetzt einen Rechtsanwalt aufzusuchen.

Fragen 1)- 3
Ob Sie Erbe geworden sind, hängt u.a. davon ab, ob Ihr Vater ein Testament verfaßt hat oder nicht. Existiert ein Testament, gehen die dort enthaltenen Erbregelungen den gesetzlichen Bestimmungen vor. Liegt kein Testament vor, so sind Sie grds. Erbe. Da Ihr Vater eine Tochter hatte, ist Sie auch Erbin. Auch die neue Ehefrau hat ein gesetzliches Erbrecht.

Die geschiedene Ehefrau hat dagegen keinen Anspruch auf das Erbteil.

Ob ein Testament existiert, erfahren Sie beim Nachlaßgericht. Denn: Jeder, der in Besitz eines Testamentes des Erblassers ist, hat die Pflicht, dieses unverzüglich nach dem Tod des Erblassers bei dem Nachlaßgericht abzugeben. Zuständiges Nachlaßgericht ist dabei in aller Regel das Amtsgericht, in dessen Bezirk der Erblasser zuletzt seinen Wohnsitz hatte. (Ausnahme: Baden-Württemberg, wo nicht die Amtsgerichte, sondern die Notare für die Nachlaßangelegenheiten zuständig sind)

Frage 4)
Ist man in einem Testament oder kraft gesetzlicher Erbfolge als Erbe vorgesehen, tritt man mit Todesfall des Erblassers zunächst von Gesetzes wegen in die Erbenstellung ein, ob man dies will oder nicht. Stellt man jedoch in der Folge fest, daß man die Erbschaft nicht antreten will, so hat man die Möglichkeit, die Erbschaft binnen einer Frist von sechs Wochen auszuschlagen. Man wird die Erbschaft regelmäßig dann ausschlagen, wenn der Nachlass überschuldet ist. Es dürfte kaum jemand daran interessiert sein, als Erbe und damit Gesamtrechtsnachfolger des Erblassers vorzugsweise für dessen Schulden aufkommen zu müssen.

Die Ausschlagung ist dabei gegenüber dem Nachlassgericht, also dem Amtsgericht in dessen Bezirk der Erblasser seinen letzten Wohnsitz hatte, zu erklären. Die Sechswochenfrist, binnen der die Ausschlagung zu erklären ist, beginnt grundsätzlich mit dem Zeitpunkt, in dem man erfahren hat, daß man Erbe geworden ist. Hatte der Erblasser seinen letzten Erstwohnsitz im Ausland oder hat sich der Erbe selbst bei Fristbeginn im Ausland aufgehalten, verlängert sich die Ausschlagungsfrist auf sechs Monat.

Frage 5) Der Pflichtteil besteht in der Hälfte des Wertes des gesetzlichen Erbteils. Dazu 1. der gesetzliche Erbteil zu bestimmt und dieser 2. halbiert werden. Bei der Ermittlung des Erbteils sind dabei alle gesetzlichen Erben mit zu berücksichtigen. Nicht berücksichtigt werden können die Erben, die auf ihr Erbe verzichtet haben. Daher kann bisher auch nicht Ihr Pflichtteil bestimmt werden.

Außerdem wäre zu klären, ob die neue Frau in Gütertrennung oder im Güterstand der Zugewinngemeinschaft lebte. Denn im letzteren Fall erhöht sich der der gesetzliche Erbteil des Ehegatten um 1/4.

Beachten Sie: die Verjährungsfrist für den Pflichtteilsanspruch ist drei Jahre!.

Frage 6) Als Erbe haftet man grds. für die sog. Nachlaßverbindlichkeiten.
Zu den Nachlaßverbindlichkeiten, für die ein Erbe grundsätzlich einzustehen hat, zählen die sogenannten Erblasserschulden (= vertragliche oder gesetzliche Verbindlichkeiten, die der Erblasser noch zu Lebzeiten übernommen hat) und Erbfallschulden (= Verbindlichkeiten, die mit dem Erbfall entstehen, so z.B. ein im Testament angeordnetes Vermächtnis).

Sollten Sie das Erbe annehmen, so besteht die Möglichkeit, die Haftung nur auf den Nachlaß zu beschränken. Hierzu sollten Sie sich aber anwaltlichen Rat einholen.

Eine dauerhafte Haftungsbeschränkung auf den Nachlaß und damit Schutz des eigenen Vermögens kann der Erbe herbeiführen, indem er die Anordnung einer gerichtlichen Nachlaßverwaltung oder bei Überschuldung des Nachlasses ein Nachlaßinsolvenzverfahren beantragt. Ein Antrag auf Durchführung eines Nachlaßinsolvenzverfahrens muss der Erbe sogar stellen, sobald er Kenntnis von der Überschuldung des Nachlasses hat., andernfalls drohen Schadensersatzansprüche.

Da Sie jetzt von dem Erbe Kenntnis bekommen haben, müssen Sie auf jeden Fall tätig werden, da andernfalls die Frist zur Ausschlagung des Erbes abläuft und Sie - u.U. gegen Ihren Willen - Erbe werden.

Ich rate Ihnen daher sich mit einem Anwalt in Verbindung zu setzen, um ggf. eine Ausschlagungserklärung zu formulieren.

Mit freundlichen Grüßen
Klaus Wille
Rechtsanwalt


Rechtsanwalt Klaus Wille
Fachanwalt für Familienrecht

ANTWORT VON

Köln

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