Hilfe & Kontakt
Schnell einen Anwalt fragen:
 Antworten,  Anwaltsbewertungen
472.756
Registrierte
Nutzer
Anwalt? Hier lang

1
 
Frage Stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage Stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Behandlung schriftlicher Gebote in klassischen Auktionen


16.12.2009 18:27 |
Preis: ***,00 € |

Kaufrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Alexander Sauer



Sehr geehrte Damen und Herren,

1. Generell interessiert mich die Frage, ob ein Auktionshaus den Nachweis schuldet über den Eingang von Geboten. Auf vielen Auktionen habe ich wie auch andere Bieter erlebt, dass nicht im Saal anwesenden schriftlichen Bietern gegenüber mutmaßlich wahrheitswidrig das Vorliegen von weiteren Geboten behauptet wurde und die Ware dann dem schriftlichen Bieter zu dessen Maximalgebot verkauft wurde, während er sie bei Anwesenheit vermutlich erheblich billiger bekommen hätte.

Auf Nachfragen heißt es dann, es seien entsprechende Gebote im Saal abgegeben worden, man habe es aber nicht auf Band aufgezeichnet und könne es daher nicht dokumentieren. Natürlich kann der Bieter auch nichts beweisen. Muss er also zahlen?

2. Im konkreten Fall hat das betreffende Auktionshaus in einer früheren Auktion mein schriftliches Gebot nicht angenommen und die Ware für die Hälfte an einen anderen Bieter verkauft. Auf Nachfragen wurden mir keine Gründe mitgeteilt. Bei der nächsten Auktion habe ich vorher gefragt, ob sie meine Gebote akzeptieren würden - keine Antwort. Dann habe ich über das Portal lot-tissimo.com geboten. Der Eingang des Gebots wurde vom Auktionshaus nicht bestätigt. Ich nahm daher an, meine Gebote seien weiterhin unerwünscht und bat einen Dritten, als Strohmann für mich zu bieten, allerdings weniger als ich geboten hatte. Nach der Aktion erhielt ich eine Rechnung genau über den Betrag meines Maximalgebots, eine ungerade Summe, die deutlich mehr als 10% über dem bereits hohen Gebot meines Strohmanns liegt, während ähnliche Werke desselben Künstlers zum untersten Limit verkauft wurden. Im übrigen - siehe oben. Schulde ich die Bezahlung?

In den AGB heißt es:

"b) Der Versteigerer ist berechtigt, Personen ohne Angabe von Gründen von der Auktion auszuschließen.

e) Der Aufruf beginnt in der Regel bei dem angegebenen Limitpreis. Regelmäßig wird um rund 10 % gesteigert. Der Zuschlag wird erteilt, wenn nach dreimaligem Wiederholen des höchsten Gebotes ein Übergebot nicht gegeben wird. "

Mit freundlichen Grüßen

Notfall?

Jetzt vertrauliche kostenlose Ersteinschätzung von einem erfahrenen Anwalt erhalten!

Feedback noch heute.

Kostenlose Einschätzung starten
Sehr geehrter Fragesteller,

ich will Ihre Frage aufgrund der erhaltenden Sachverhaltsschilderung beantworten:

1.
Nach erfolgreichen Zuschlag (§ 156 BGB) liegt ein wirksamer Kaufvertrag vor, welcher zur Kaufpreiszahlung verpflichtet (§ 433 Abs. 2 BGB).

Voraussetzung für eine Befreiung von der Zahlungspflicht ist, dass kein wirksamer Vertrag vorliegt. Dies wäre der Fall, wenn wie von Ihnen geschildert, niedrigere Gebote vorgelegen hätten, welche nicht überboten worden sind. Wurde manipuliert hätten Sie daher keine Zahlungspflicht. Jedenfalls bestünde ein Schadensersatzanspruch in Höhe der Differenz zwischen dem zustande gekommenen Zuschlag und dem Preis der im Falle der Nichtmanipulation zustande gekommen wäre.

Beweispflichtig dafür, dass manipuliert wurde, sind Sie. Den Versteigerer trifft keine Dokumentationspflicht. Nach Ihrer Schilderung sieht es daher schlecht aus, was die Befreiung von der Zahlungspflicht betrifft. Beweisbelastet wären Sie.


2.
Eine Ablehnung bzw. Nichtannahme von Geboten ist grundsätzlich zulässig, da kein Kontrahierungszwang (Zwang zum Vertragsabschluss vorliegt). Etwas anderes könnte sich aus dem Vertragsverhältnis Verkäufer – Versteigerer ergeben, für den Fall dass Objekte versteigert werden, die nicht im Eigentum des Auktionators stehen. Dann ja der Verkäufer ja ein Interesse an einer möglichst hohen Zahl an Geboten und sollte sich dies vertraglich zusichern lassen, dass eingereichte Gebote auch angenommen werden. Sie selbst haben gegen den Auktionator keine Ansprüche – es sei denn, sie hätte eine sonstige vertragliche Beziehung, die Abweichendes vorsieht. Auch auf Gründe, weshalb Ihre Gebote nicht angenommen wurden, haben Sie im Regelfall keinen Anspruch.

Für den von Ihnen geschilderten Fall haben Sie keinerlei Nachweis darüber, ob nicht Ihr Strohmann einfach überboten wurde und Sie mit Ihrem Maximalgebot eben auch diese dritte Person überboten haben. Wenn Sie das Angebot nur zum Schein abgegebenen haben, können Sie sich hierauf nicht berufen, die sogenannten Mentalreservation ist unbeachtlich, § 116 S. 1 BGB.

Wenn gravierende Verdachtsmomente vorliegen sollten, wäre es denkbar, dass sich ein Auskunftsanspruch ergeben könnte, wenn es sich beispielsweise um ein Auktionssystem handelt, welches systemseitig Gebote protokolliert, so z.B. ebay (wobei dieses kein klassisches Auktionssystem ist).

Für eine weitergehende Beratung stehe ich gerne auch telefonisch zur Verfügung.

Ich weise ausdrücklich darauf hin, dass das Ergebnis der juristischen Bewertung anders ausfallen kann, wenn wesentliche Informationen der Sachverhaltsdarstellung hätten hinzugefügt werden müssen und dass diese Online-Plattform eine ausführliche anwaltliche Beratung nicht ersetzt.

Mit freundlichem Gruß

Nachfrage vom Fragesteller 17.12.2009 | 15:57

Sehr geehrter Herr Sauer,

ist es aber a) nicht gegen Treu und Glauben, wenn dreimal hintereinander schlüssig der Eindruck erweckt wird, dass Gebote eines bestimmten Käufers nicht berücksichtigt werden und sie dann beim vierten Mal doch berücksichtigt werden?

b) ist mir unklar, ob Gebote über lot-tissimo.com tatsächlich juristisch genauso zu betrachten sind wie schriftliche Gebote in klassischen Auktionen, oder ob es sich nicht doch um eine Art Internetauktion handelt, bei der für den Verbraucher günstigere Bedingungen gelten, indem es z.B. ein Widerrufsrecht für Käufer gibt und die Verkäufer im Voraus die Versandkosten angeben müssen, was klassische Auktionshäuser nicht tun?

Mit freundlichen Grüßen

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 17.12.2009 | 17:49

a) Sie haben ja leider gerade keinen Nachweis darüber, dass die ersten Gebote nicht berücksichtigt wurden.

b) was lot-tissimo.com angeht, übersteigt dies den Rahmen dieser Nachfrage. Die Prüfung des ganzen Ablaufprozesses dieser lot-tissimo-Auktionen ist eine gesonderte Frage, die nicht mehr kostendeckend über den gebotenen Einsatz beantwortet werden kann, wofür ich wirklich um Verständnis bitte. Insbesondere wäre notwendig, dass Sie den Bestellprozess ausführlich darstellen (wie wird Auftrag vergeben, wie entgegengenommen, von wem und ob entgeltlich oder nicht). Bei Bedarf können Sie mich auch anrufen.

Mit freundlichem Gruß

FRAGESTELLER 30.12.1899 /5.0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 58398 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Trotz für mich ungünstiger Prognose war die Antwort sehr hilfreich und verständlich. ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Einfach Spitze! Sehr kompetent... Immer wieder...! ...
FRAGESTELLER
4,2/5,0
Vielen Dank für Ihre Einschätzung meiner Situation. Ihre Beurteilung hat mir sehr geholfen. Der Vermieter (Wohngenossenschaft) ist stark zurück gerudert. Wir entfernen nur noch Tapteten in einem Raum anstatt in 3 Räumen :-) ...
FRAGESTELLER