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Baum stört Nachbarn


18.12.2016 20:45 |
Preis: 62,00 € |

Nachbarschaftsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Krim.-Dir. a.D. Willy Burgmer


Zusammenfassung: Es geht um Fragen des Nachbarschaftsrecht BW, ggf. Schiedsverfahren wegen Überwuchs, Überhang (Wurzeln, Äste) oder aber Beseitigung eines ganzen Magnolienbaums/Strauchs.

Hier gilt Bundes- und Landesrecht mit div. Verjährungs- und Duldungsfragen.


Sehr geehrte Damen und Herren,

im Jahre 2014 haben wir ein Haus gekauft in Baden Württemberg. Auf diesem Grundstück befindet sich ein Magnolienbaum, der seit dem Jahre 1975 an gleicher stelle steht.
Diesen Sommer stand unsere Nachbarin vor unserer Haustüre und gab uns das Nachbarschaftsrecht und forderte uns auf diesen Baum zu fällen da er 1. Schatten auf Ihre Seite wirft und 2. die Wurzeln des Baumes den Dünger ihrer Kartoffeln frisst und deshalb ihre Kartoffeln nichts werden. Diese Woche kam eine schriftliche Aufforderung von unserer Nachbarin das wir den Baum fällen lassen sollen. Ihre bedenken: Der Baum ist zu groß (laut ihrer Aussage 10 m hoch), die Wurzeln würden bis zu ihrem Haus reichen wir sollen die Wurzeln auf ihrem Grundstück abschneiden und der Abstand von ihrem Zaun wären 50 cm, deshalb sollen wir diesen Baum abschneiden lassen.
Nun zu den Infos zu dem Baum:
Dieser Magnolienbaum steht seit 41 Jahren an der gleichen Stelle ca. 1 m Abstand zum Zaun von der Nachbarin. Aktuell liegt seine Höhe bei ca. 6 m. Zur Seite der Nachbarin ist der Baum gerade nach oben geschnitten so das keine Äste zu ihr rüber ragen oder Blätter hinfallen. Die Magnolie ist ein Flachwurzler. Auf unserer Seite, die etwa auf gleicher Höhe liegt wie die der Nachbarin sind keine Wurzeln an der Oberfläche zu sehen. Der Baum wirft keinen Schatten auf das Grundstück der Nachbarin.
Nun meine Frage: Müssen wir diesen Baum abschneiden lassen weil die Nachbarin das möchte? Der Baum war schon da bevor die Nachbarin ihr Haus gebaut hat. Vor uns waren 2 Eigentümer von dem Haus, keiner von denen hat den Baum gefällt. Müssen wir die Wurzeln abschneiden auf ihrer Seite? Dadurch kann der Baum ein Ungleichgewicht bekommen bzw. die Magnolien sind sehr empfindlich und können dann kaputt gehen. Laut einem Gärtner sollen wir den Baum nicht schneiden, weil es dem Baum nicht gut tut. Besonders in der Zeit von September bis April darf man eine Magnolie nicht schneiden.
Durch einen Hinweis von dieser Nachbarin habe ich mir im Nachbarrechtsgesetz auch den Bereich Verjährung durchgelesen. Sie ist der Meinung das für diesen Baum die Verjährung nicht gilt, da sie die Magnolie als Strauch bezeichnet und nicht als Baum.
Was können wir tun damit uns dieser Baum erhalten bleibt? Wir müssen der Nachbarin jetzt schriftlich antworten, da sie uns schriftlich aufgefordert hat den Baum zu entfernen. Bitte helfen sie uns! Dankeschön!
Sehr geehrte Fragesteller, dies gerne zu Ihren Fragen:

Nun meine Frage: Müssen wir diesen Baum abschneiden lassen weil die Nachbarin das möchte?


Antwort:

Ihrer Schilderung des Sachverhalts nach: Nein.

Denn „Beseitigungsansprüche nach diesem Gesetz verjähren in fünf Jahren. Sind Gehölze im Sinne des § 16 Absatz 1 Nummer 4 oder 5 betroffen, so beträgt die Verjährungsfrist zehn Jahre. Bei Pflanzungen beginnt der Lauf der Verjährungsfrist mit dem 1. Juli nach der Pflanzung. Bei an Ort und Stelle gezogenen Gehölzen beginnt sie am 1. Juli des zweiten Entwicklungsjahres. Bei späterer Veränderung der artgemäßen Ausdehnung des Gehölzes beginnt die Verjährung von neuem; dasselbe gilt im Falle des § 16 Absatz 1 Nummer 4 Buchstabe c, wenn die Umtriebszeit von zehn Jahren überschritten wird."

So will es das Gesetz über das Nachbarrecht
(Nachbarrechtsgesetz - NRG) in der Fassung der Bekanntmachung vom 8. Januar 1996 (zum 18.12.2016 aktuellste verfügbare Fassung der Gesamtausgabe).

Allerdings ist „der Anspruch auf das Zurückschneiden der Hecken, auf Beseitigung herüberragender Zweige und eingedrungener Wurzeln sowie auf Verkürzung zu hoch gewachsener Gehölze der Verjährung nicht unterworfen." So § 26 Absatz 3 NRG.

Auch hier sollte diesbezüglich kein Anspruch auf „Zurückschneiden" bestehen, weil der sog. Überhang nach § 910 Absatz 2 BGB das Nachbargrundstück Ihrer Schilderung nach nicht beeinträchtigen.

Das ist aber letztlich sog. Tatfrage, die verlässlich nur vor Ort abschließen geklärt werden kann.

In solchen Nachbarrechtssachen empfehle ich im übrigen stets das Schiedsverfahren als wesentlich kostengünstigere und auch nachhaltigere Alternative, als etwa der Gang zum Gericht.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen
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