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Balkon- und Dachterrassensanierung - fehlendes Gefälle


| 27.11.2014 10:06 |
Preis: ***,00 € |

Schadensersatz


Beantwortet von

Rechtsanwältin Dr. Elke Scheibeler


Zusammenfassung: Liegt ein Sachmangel an einem Bauwerk vor, haftet der ausführende Bauunternehmer zusammen mit dem Architekten gesamtschuldnerisch. Beide müssen zusammen den Mangel beseitigen. Architekten haben für solche Fälle eine Haftpflichtversicherung.


Sehr geehrter Frau Anwältin,
sehr geehrter Herr Anwalt,
zum Sachverhalt:
im Rahmen einer durch die Eigentümergmeinschaft beschlossenen Balkon- und Dachterrassensanierung (8 Balkone und 4 Dachterrassen) an einem 4-geschossigen bewohnten Wohnhaus mit zwei Eingängen wird der ausschreibende Architekt und die Gebäudeverwaltung vor Beginn der Arbeiten durch die Mitglieder der Eigentümer des Sanierungsausschuss schriftlich darauf aufmerksam gemacht, dass die Aussage im Leistungsverzeichnis "mit leichtem Gefälle zum Ablauf" unbestimmt sei und hier die Grad-Zahl "mind. 2% gemäß Flachdachrichtlinie" zu ergänzen sei. Außerdem empfehle dies der Hersteller der Abdichtfolie (Fa. Wolfin) zur Vermeidung von Pfützen- sowie Algen- und Pilzbildung. Dem bauleitenden Architekten war außerdem wiederholt schriftlich und mündlich mitgeteilt worden, dass die Balkone in der Vergangenheit bereits teilweise 2 mal wegen fehlenden Gefälles saniert wurden. Auf die Hinweise wurde weder mündlich noch schriftlich reagiert.
Nach Fertigstellung des neuen Estriches bis hin zur Verlegung der letzten Wolfin-Abdichtfolie stellten die Eigentümer durch einen Wassertest fest, dass kein Gefälle in der geforderten Art und Weise vorhanden ist. Wasser bleibt großflächig stehen. Dies wurde sowohl dem Architekten als auch der Verwaltung schriftlich als Mängelanzeige mitgeteilt. Ein eingeschalteter Sachverständiger stellte fest "das normativ geforderte Mindestgefälle von 2% wurde nicht erzielt".
Frage:
Wie ist die Rechtslage und wer hat wie zu haften?
Sehr geehrter Fragesteller,

offenbar gibt es baurechtliche Vorschriften, die eine Mindestgefälle von 2 % für Balkone und Dachterrassen vorsehen. In diesem Fall haftet der ausführende Bauunternehmer wegen eines Sachmangels des Werkvertrags gesamtschuldnerisch zusammen mit dem Architekten wegen Schlechtleistung des Vertrags zur Beaufsichtigung des Bauvorhabens. Dieser dürfte im Übrigen auch über eine Haftpflichtversicherung verfügen, so dass Sie auf die Bonität des Bauunternehmers und Architekten nicht angewiesen sind. Ich weise auf die üblicherweise fünf Jahre nach Abnahme ablaufende Gewährleistungsfrist hin.

Ob zudem noch die Hausverwaltung wegen der fehlenden Überarbeitung des Leistungsverzeichnisses haftet, ist letztlich eine Wertungsfrage, da ja ein Gefälle von 2 % auch ein als "leichtes Gefälle" bezeichnet werden kann. Hinzu kommt, dass dieses vom Architekten erstellt worden sein dürfte und man von einer Hausverwaltung nicht verlangen kann, dass sie ebenfalls die Kenntnisse eines Architekten hat, um diesen dann zu kontrollieren. Ich tendiere eher dazu, eine Haftung der Hausverwaltung zu verneinen. Halten Sie sich an den Bauunternehmer und den Architekten.

Mit freundlichen Grüßen
Bewertung des Fragestellers 30.11.2014 | 12:23


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