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Bachelor-Studium: Studienzeitverlängerung + Drittversuche verweigert


| 08.05.2013 16:51 |
Preis: ***,00 € |

Verwaltungsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Daniel Hesterberg


| in unter 2 Stunden

Zusammenfassung: Wichtiger Grund für Studienzeitverlängerung


Sehr geehrte Damen und Herren,

mein Antrag auf Studienzeitverlängerung + Drittversuch in einem Fach und Gewährung eines Drittversuchs in einem weiteren Fach (beide Gegenstand des Vorstudiums), wurde von einer Fachhochschule in Baden-Württemberg abgelehnt. Dadurch erlischt nun die Zulassung zum gewählten Studiengang laut Landeshochschulgesetz (§32 Abs. 1).

Die Studienzeitverlängerung zur Inanspruchnahme des Drittversuchs im einen Fach wurde mit der Begründung abgelehnt, dass zwei zustehende Prüfungsversuche nicht zum frühestmöglichen Zeitpunkt genutzt wurden und für das "Schieben" im ersten Semester kein Attest vorgelegt werden konnte. Der Drittversuch kann somit nicht drei Semester nach dem frühestmöglichen Prüfungszeitpunkt gewährt werden, er wäre nur spätestens zwei Semester nach dem erstmöglichen Prüfungstermin genehmigungsfähig. Des Weiteren wurde der andere Drittversuch abgelehnt, da mein Studium bisher weniger erfolgreich ist.

Ich habe bereits einen Drittversuch im Vorstudium beansprucht, womit zunächst nur noch ein weiterer Drittversuch zusteht. Grundsätzlich steht es der Hochschule von Amts wegen jedoch frei, weitere Drittversuche einzuräumen. Eine Studienzeitverlängerung wird aufgrund von Krankheit, Elternzeit usw. nicht jedoch grundsätzlich jedem Studenten gewährt, womit eine Diskriminierung von Studenten erfolgt, welche aus anderen Beweggründen - die sie auch nicht zu vertreten haben - nicht die frühestmöglichen Prüfungstermine wahrnehmen können.

Da ich das Studium gerne fortführen möchte, jedoch nicht sicher bin, ob eine Höherbewertung (es fehlen im einen Fall recht wenige Punkte zum Bestehen) oder die Annullierung (in der Studien- und Prüfungsordnung der Hochschule wird diese Option erwähnt) der nicht bestandenen Prüfungen, zum gewünschten Ziel führen, würde ich mich über eine kurze Rückmeldung zu den Erfolgschancen eines Widerspruchs über o.g. Entscheidung der Hochschule freuen. Mir stellt sich in diesem Zusammenhang auch die Frage, ob der Verlust der Zulassung nicht gegen die Freiheit der Berufswahl (Art. 12 Abs. 1 GG) verstößt und bereits eine Benachteiligung vorliegt (Art. 3 Abs. 1 GG), falls ein grundsätzlich möglicher Drittversuch für ein Fach nicht in Anspruch genommen werden darf, infolge von nicht gewährter Studienzeitverlängerung?

Vielen Dank im Voraus für Ihre Antwort.
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08.05.2013 | 17:25

Antwort

von

Rechtsanwalt Daniel Hesterberg
889 Bewertungen
Sehr geehrte(r) Ratsuchende(r),

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich gerne auf Basis Ihres Einsatzes und des von Ihnen mitgeteilten Sachverhalts wie folgt beantworte:

Leider sehe ich hier erfahrungsgemäß nicht allzu gute Chancen, gegen diese universitäre Verfügung vorzugehen.

Eine Studienzeitverlängerung etc. ist durchaus nur aufgrund außerordentlicher, wichtiger Gründe denkbar, wobei diese Eingrenzung auch nicht gegen Art. 3 und 12 Grundgesetz verstößt.

Ein solcher Grund ist dann (unter Berücksichtigung der vorgenannten Artikel des Grundgesetzes) unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalls und unter Abwägung der beiderseitigen Interessen anerkennenswert, wenn er eine unbillige Härte beinhaltet, die eine Fortführung des Studiums als unzumutbar erscheinen lassen muss.

Dieses ist eher selten in der Praxis der Fall und außerhalb von Krankheit, Elternzeit, Schwangerschaft etc. kaum anzunehmen.

Eine Begrenzung ist aber auch grundsätzlich nicht vorgesehen - jedenfalls wäre diese rechtswidrig.

Eine solche Begrenzung ist aber erfahrungsgemäß auch nicht in den Studienordnungen vorgesehen.

Falls Sie Nachfragen haben, können Sie sich gerne jederzeit an mich wenden - eine ist hier auf diesem Portal kostenlos.

Es wäre gut, wenn Sie mir Ihren persönlichen Härtegrund noch mitteilen könnten.

Ich antworte Ihnen sodann ergänzend.

Ich hoffe, Ihnen damit weitergeholfen zu haben und wünsche Ihnen noch einen schönen Tag.


Rechtsanwalt Daniel Hesterberg

Nachfrage vom Fragesteller 08.05.2013 | 17:45

Sehr geehrter Herr Hesterberg,

besten Dank für die schnelle Beantwortung meiner Frage.

Mich interessiert vor allem, ob zumindest eine Annullierung oder Höherbewertung der erfolglosen Prüfungen versucht werden sollte, um an einer anderen Hochschule das Studium im selben oder einem ähnlichen Studiengang unter Anrechnung der bisherigen Leistungen fortzuführen.

Wie sehen Sie hier die Chancen?

Vielen Dank.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 08.05.2013 | 18:37

Sehr geehrte(r) Ratsuchende(r),

vielen Dank für Ihre Nachfrage (und ergänzende Information), die ich gerne wie folgt beantworte:

Dieses ginge jedoch nur, wenn die Widerspruchsfristen von einem Monat noch nicht abgelaufen sind und Sie insofern darüber zutreffende und vollständig schriftlich belehrt worden sind (=Rechtsbehelfsbelehrung).
Ansonsten gilt eine Jahresfrist.

Es müsste aber dann auch Beurteilungsfehler der Prüfer vorgelegen haben, die eine solche Anfechtung der jeweiligen Prüfung rechtfertigen. Dieses wäre gesondert zu prüfen.

Die Chancen dafür sind in der behördlichen und verwaltungsgerichtlichen Praxis aber leider eher gering - leider.

Es wäre aber die einzige und daher zu verfolgende Möglichkeit, sich Weiteres aufrecht zu erhalten.

Ich hoffe, Ihnen damit weitergeholfen zu haben und wünsche Ihnen noch einen schönen Tag.

Mit freundlichen Grüßen

Daniel Hesterberg
Rechtsanwalt

Bewertung des Fragestellers 08.05.2013 | 19:39


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Rechtsanwalt Daniel Hesterberg
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