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Auffahrunfall / Betrugsverdacht


13.09.2004 16:09 |
Preis: ***,00 € |

Verkehrsrecht



Hallo,
ich wurde in einen Auffahrunfall verwickelt bei dem ich auf einen PKW aufgefahren bin. Allerdings hege ich den Verdacht, dass der Unfall von dem Vorausfahrenden provoziert wurde.

Hergang:
Zweispurige Bundesstrasse,gerade Gefällstrecke, Nacht, gute Sicht (ca. 2km), Baustellenbereich (mehrere km), keine Behinderung der Fahrbahnbreite (fehlende Markierung), Tempolimit 50km/h, Überholverbot.

Ich fuhr in einer Fahrzeugkolonne von ca. 10 PKW, an 6./7. Stelle
mit ca. 60km/h. Nachdem die o.g. Gefällstrecke einsehbar war habe ich gleichzeitig mit dem 3.(A) und 4.(B) Wagen der Kolonne zum Überholen angesetzt und alle vor mir befindlichen Fahrzeuge überholt, ausser Wagen A. Ich befand mich also zwischen Wagen A und B. Bin dann hinter Wagen A eingeschert, weil Gegenverkehr in Sicht kam. Daraufhin hat Wagen A leicht gebremst und den Abtand zwischen meinem und seinem Wagen verringert, um dann übergangslos und ohne ersichtlichen Grund eine Notbremsung einzuleiten. Ich konnte trotz einer ABS-Bremsung den Aufprall nicht mehr verhindern.

Verdacht:

Der Wagen auf den ich aufgefahren bin war ein älterer Kleinwagen mit einem unfachmännisch behobenen Blechschaden an der Heckklappe. Die Fahrer der Wagen A und B waren junge Männer (ca. 20) die sich als Bekannte zu erkennen gaben. Und mir sofort eine Schadensabwicklung ohne Polizei gegen Bar anboten. Und in keiner Weise durch den Unfall verunsichert wirkten. Ich habe allerdings auf eine Aufnahme durch die Polizei bestanden, da es sich bei meinem Fahrzeug um einen Geschäftswagen handelt.
Gegenüber der Polizei habe ich angegeben das ich aus Unachtsamkeit auf den Vordermann aufgefahren bin - ohne den Überholvorgang etc. zu erwähnen, da ich fürchtete wegen Verursachen eines Unfalls im Überholverbot zur Verantwortung gezogen zu werden.

Ich denke die beiden Jungs haben sich eine neue Stossstange für ihr Auto holen wollen und so wie die Heckklappe aussah, haben Sie das auch nicht zum ersten Mal gemacht. Wirkte recht professionell die Vorstellung...

Frage:

Natürlich will ich wegen eines kleinen Blechschadens nicht meinen Führeschein verlieren - so ohne weiteres die Beiden davonkommen lassen will ich aber auch nicht. Was kann ich machen um gegenüber
Polizei und Versicherung meinen Verdacht zu Äussern ohne meinen Führerschein in Gefahr zu bringen ?

Vielen Dank für Ihre Geduld ...

Sehr geehrter Ratsuchender,
nach Ihrer Schilderung sieht es in der Tat wie ein provozierter Verkehrsunfall aus. Ob tatsächlich ein Fahrverbot verhängt worden wäre, wenn Sie gegenüber der Polizei den Hergang vollständig beschrieben hätten, halte ich für fraglich, da der Überholgang vollständig abgeschlossen war, als es zum Unfall kam.

Gegenüber der Polizei haben Sie Ihre Aussage gemacht. Eine nachträgliche Mitteilung Ihres Verdachts wird zum jetzigen Zeitpunkt nichts bringen, birgt aber die Gefahr eines Fahrverbots.

Für Ihren Haftpflichtversicherer ist in erster Linie interessant, wie es zum Unfall gekommen ist und wer ihn verschuldet hat. Problematisch ist, dass Sie bei der Polizei angegeben haben, dass Sie auf das vorausfahrende Fahrzeug aus Unachtsamkeit aufgefahren sind. Andererseits haben die Haftpflichtversicherer die Möglichkeit bei sich und anderen Versicherern zu prüfen, ob für bestimmte Fahrzeuge öfters in gleicher Art und Weise Unfälle und Schäden gemeldet worden sind. Gegebenenfalls kann sich aus der Gesamtschau aller Unfälle der Verdacht eines provozierten Unfall erhärten. Für Ihren Haftpflichtversicherer dürfte es meines Erachtens nur von untergeordneter Bedeutung sein, dass Sie im Überholverbot überholt haben, da der Unfall erst nach der vollständigen Beendigung des Überholvorgangs passsiet ist. Mithin kommt es gar nicht darauf an, ob Sie vorher überholt haben. Entscheidend ist, dass dar Fahrer des vor Ihnen fahrenden Fahrzeugs, aus nicht ersichtlichen Gründen, eine Notbremsung gemacht hat.

Sie sollten Ihren Verdacht in jedenm Fall Ihrem Haftpflichtversicherer mitteilen. Dafür sollten Sie ausführlich den Zustand des gegnerischen Fahrzeugs beschreiben. Wenn sich der Verdacht bestätigt können Sie nach Eintritt der Verfolgungsverjährung gefahrlos bei der Polizei insbesondere dann Anzeige erstatten, wenn bei Ihrem Haftpflichtversicherer Ansprüche gelten gemacht werden.

Die Beschreibung des Zustands des gegnerischen Fahrzeugs ist nicht nur zur Begründung des geschilderten Verdachts von Bedeutung, sondern auch für die Höhe des berechtigten Schadens.

Ich hoffe Ihnen geholfen zu haben und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

Calsow
Rechtsanwalt

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