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Arbeitszeugnis nach Kündigung in Probezeit


| 20.01.2006 12:59 |
Preis: ***,00 € |

Arbeitsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Jens O. Gräber


| in unter 2 Stunden

Hallo,

mir wurde vom Arbeitgeber in der Probezeit fristgerecht zum 19.12.2005 gekündigt. Ich habe dort 5 1/2 Monate gearbeitet. Das Arbeitszeugnis, das ich anschließend erhielt, weist schwerwiegende Mängel auf. Es stellt zwar ein qualifiziertes Zeugnis dar. Jedoch ist in dem Zeugmis nur eine Gesamtleistungsbeurteilung nach der Aufzählung der Aufgaben mit den Worten "Die Ihr übertragenen Aufgaben erledigte XXX zu unserer vollen Zufriedenheit. Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Mitarbeitern war stets einwandfrei".

Im Schlusssatz steht dann, daß mir fristgemäß gekündigt wurde in der Probezeit und man mir alles Gute für die Zukunft wünscht.

Mein Arbeitgeber weigert sich, den Schlussatz abzuändern und die Erwähnung, wie das Arbeitsverhältnis geendet hat, wegzulassen. Auch weigert er sich, mehr als diese Gesamtbeurteilung reinzuschreiben mit den Worten, dies sei eine gute Beurteilung und ich hätte in der Probezeit keinen Anspruch auf ein qualifiziertes Zeugnis.

Ich habe im Internet bisher unterschiedliche Meinungen gehört über den Anspruch eines qualifizierten Zeugnisses während der Probezeit. Wie steht es damit?
Welche Chancen hätte ich bei einer gerichtlichen Auseinandersetzung, dass die Erwähnung der fristgerechten Kündigung gestrichen wird? Wo liegen da die Kriterien für die Verpflichtung des Arbeitgebers, ein wohlwollendes Arbeitszeugnis auszustellen und seiner Wahrheitspflicht?

Wenn ich lediglich ein einfaches Zeugnis anfordere, fürchte ich, dass mein Arbeitgeber wieder reinschreibt, dass er gekündigt hat. Welche Schritte kann ich diesbezüglich einleiten?


Vielen Dank im voraus für die Beantwortung!
Trifft nicht Ihr Problem? Wir haben 1425 weitere Antworten zum Thema:
20.01.2006 | 14:21

Antwort

von

Rechtsanwalt Jens O. Gräber
50 Bewertungen
Sehr geehrte Fragestellerin,
sehr geehrter Fragesteller,

gerne will ich Ihre Anfrage beantworten.

Auch bei einer Kündigung innerhalb der Probezeit haben Sie Anspruch auf Ausstellung eines qualifizierten Zeugnisses. So hat etwa das LAG Düsseldorf in seiner Entscheidung vom 14. 5. 1963, Az.: 8 S 177/63 entschieden. Ebenso urteilte das LAG Köln in seiner Entscheidung vom 30.3.2001, 4 Sa 1485/00.

Von Belang ist nur, dass das Arbeitsverhältnis auf Dauer angelegt war, nicht aber, wie lange es tatsächlich gedauert hat. Sie haben also in Ihrem Fall durchaus einen Anspruch auf Erteilung eines qualifizierten Zeugnisses.

Zu Ihrer nächsten Frage: In einem qualifizierten Zeugnis sind nach § 109 Abs. 1 Satz 3 GewO Leistung und Verhalten des Arbeitnehmers zu beurteilen. Unter Leistung sind insoweit Faktoren wie Leistungsfähigkeit, also Können, Wissen, Fertigkeiten etc, Leistungsbereitschaft, und berufliches Engagement sowie die erzielten Erfolge zu verstehen, wie etwa Arbeitsgüte, -tempo und Ökonomie.

Ihr Zeugnis aber enthält zwar eine Beurteilung Ihres Verhaltens, nicht aber eine genaue Beurteilung Ihrer Leistung. Die Gesamtsleistungsbeurteilung ist hierfür nicht ausreichend. Vielmehr müssen die o. g. Faktoren auch einzeln bewertet werden.

Im Übrigen ist Ihr Zeugnis anhand der Schlussbewertung mit der (Schul-)note „befriedigend“ gleichzusetzen.

Sie haben in jedem Fall die Möglichkeit, Ihren Zeugniserteilungsanspruch geltend zu machen. Fordern Sie Ihren ehemaligen Arbeitgeber unter Darlegung der Gründe dazu auf. Sollte er es dennoch nicht tun, so könnten Sie vor dem Arbeitsgericht auf Zeugniserteilung klagen.

Jedoch können Sie keine einzelnen Formulierungen beanspruchen, der Text steht im pflichtgemäßen Ermessen des Arbeitgebers.

Im Hinblick auf die Aufnahme der Kündigung: Ohne Ihre Zustimmung darf der Arbeitgeber die Kündigung nicht mit in das Zeugnis aufnehmen. Insofern steht Ihnen also ein Berichtigungsanspruch zu. Diesen können Sie auch gerichtlich geltend machen.

Das gleiche gilt, wenn Sie ein einfaches Zeugnis verlangen. Das ist aber dann nicht mehr möglich, wenn Sie selbst schon ein qualifiziertes beansprucht haben. Wenn das nicht der Fall ist, so können Sie auch jetzt noch ein einfaches Zeugnis beanspruchen, dass keinen Hinweis auf die Kündigung enthält.


Ich hoffe, Ihnen zunächst weitergeholfen zu haben und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

Jens O. Gräber
Rechtsanwalt


www.rechtsanwalt-graeber.de
info@rechtsanwalt-graeber.deLAG Köln 30.3.2001, 4 Sa 1485/00


Nachfrage vom Fragesteller 20.01.2006 | 18:35

Die Antwort hat mir in der Tat weitergeholfen!

Sie meinten, dass für den Anspruch auf ein Arbeitszeugnis lediglich relevant sei, ob das Arbeitsverhältnis auf Dauer angelegt war oder nicht. Was ist jedoch bei einem befristeten Arbeitsverhältnis, das von vornherein nur auf ein Jahr angelegt war?
Vielen Dank für die Bearbeitung!

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 21.01.2006 | 14:33

Sehr geehrte Fragestellerin,

gerne will ich Ihre Nachfrage beantworten.


Auch bei einem von vorneherein auf ein Jahr befristeten Arbeitsverhältnis besteht ein Anspruch auf Erteilung eines Arbeitszeugnisses. Auch ein solches nämlich ist auf Dauer angelegt.

Ich hoffe, hiermit Ihre Nachfrage beantwortet zu haben und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

Jens O. Gräber
Rechtsanwalt


www.rechstanwalt-graeber.de
info@rechtsanwalt-graeber.de

Bewertung des Fragestellers 2009-07-25 | 19:18


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ANTWORT VON
Rechtsanwalt Jens O. Gräber
Saarbrücken

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