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Arbeiten in der Schweiz - was ist günstiger? Grenzgänger oder WE-Pendler?


| 12.11.2008 18:46 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Manfred A. Binder



Hallo,

ich habe ein Angebot aus der Schweiz.
Zu meiner Situation:
In fester Lebensgemeinschaft mit Partnerin und gemeinsamer Tochter, gemeinsames Sorgerecht. Wohnhaft Nähe München als momentaner Erstwohnsitz.

Nun zu den Fragen:

1) Ich werde in der Schweiz eine kleine Wohnung beziehen und am WE nach München pendeln. Was muss ich in der Schweiz anmelden? Erst- oder Zwitwohnsitz? Ist das steuerlich relevant? Das Doppelbesteuerungsabkommen ist mir bekannt, aber muss ich dafür in der Schweiz einen Erstwohnsitz haben oder ist das unerheblich?

2) Jahresbruttolohn bewegt sich um die 90.000 Euro. Könnte eine Wohnung im Grenzgebiet und ergo eine Besteuerung als Grenzgänger günstiger sein? Große Freibeträge außer Pendlerpauschale und Zweitwohnung nicht vorhanden.

Danke!
Sehr geehrter Fragesteller,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich aufgrund Ihrer Angaben und der Höhe Ihres Einsatzes wie folgt beantworte.

Zu Frage 1:
Nach dem deutschen Steuerrecht ist die Einteilung 1. oder 2. Wohnsitz unerheblich. Das Wesen eines Wohnsitzes im steuerrechtlichen Sinne besteht darin, dass objektiv die Wohnung ihrem Inhaber jederzeit als Bleibe zur Verfügung steht und von ihm subjektiv zu entsprechender Nutzung auch bestimmt ist (BFH Urteil v. 23. November 2000 VI R 107/99). Im Einzelfall können auch zwei Wohnsitze nebeneinander bestehen, wenn nach äußeren Umständen der Lebensmittelpunkt zeitlich und örtlich zwei Wohnungen in verschiedenen Orten zuzuordnen ist und so zwei Schwerpunkte der Lebensverhältnisse gebildet worden sind. Soweit Sie wie beabsichtigt Ihren Wohnsitz in Deutschland beibehalten, bleiben Sie in Deutschland auch weiterhin unbeschränkt einkommensteuerpflichtig, also auch mit Ihren schweizer Einkünften. Um aber eine Doppelbesteuerung in Deutschland zu vermeiden, wird durch Art. 15 DBA dem Tätigkeitsstaat das Besteuerungsrecht zugewiesen. Nach Art. 24 Abs. 1 Nr. 1 lit. d DBA werden Löhne und Gehälter, die aus einer Arbeit in der Schweiz stammen, von der Bemessungsgrundlage der deutschen Steuer ausgenommen, aber bei der Festsetzung des Satzes der Steuer auf die Einkünfte, die nach Art. 24 DBA nicht von der Bemessungsgrundlage der deutschen Steuer auszunehmen sind, einbezogen (sog. Progressionsvorbehalt.
Unabhängig hierfür ist es, ob Sie nach DBA als in Deutschland oder in der Schweiz als ansässig gelten, den die Regelung des Art 24 Abs. 1 Nr. 1 lit. d DBA gilt über Art. 4 Abs. 3 DBA für Personen, die in Deutschland über eine ständige Wohnstätte verfügen, aber iSd. DBA als in der Schweiz ansässig gelten.

Zu Frage 2:
Grenzgänger ist nach Art. 15a Abs. 2 DBA jede in einem Vertragsstaat ansässige Person, die in dem anderen Vertragsstaat ihren Arbeitsort hat und von dort regelmäßig an ihren Wohnsitz zurückkehrt. Unbeachtlich ist für die Grenzgängerregelung, ob der Wohnsitz oder aber die Arbeitsstätte sich im Grenzgebiet befindet. Sofern Sie unter die Grenzgängerregelung fallen, verhält sich die Besteuerung folgendermaßen: Die Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit werden in dem Vertragsstaat besteuert, in dem dieser ansässig ist, also in Deutschland. Zum Ausgleich hierfür kann der Tätigkeitsstaat von der Vergütung eine Steuer im Abzugsweg erheben. Die Steuer darf 4,5 vom Hundert des Bruttobetrages der Vergütung nicht übersteigen, wenn die Ansässigkeit durch eine amtliche Bescheinigung der zuständigen Finanzbehörde in Deutschland nachgewiesen wird. Diese Quellensteuer wird auf die deutsche Einkommensteuer angerechnet und in der Schweiz wird der Bruttobertrag der Vergütung bei der Ermittlung der Bemessungsgrundlage um ein fünftel herabgesetzt.

Das Wochenendpendlertum hat den Vorteil, dass Sie Ihr schweizer Gehalt in der Schweiz zu versteuern haben und soweit Sie keine inländischen Einkünfte haben, werden sich keine Besonderheiten ergeben. Allerdings sind die Werbungskosten nicht von der deutschen Steuerbemessungsgrundlage abzugsfähig. Wenn Sie sich dafür entscheiden, keine ständige Wohnstätte in der Schweiz zu unterhalten, dann fallen Sie unter die Grenzgängerregelung und haben Ihre Einkünfte aus der nichtselbständigen Arbeit in Deutschland zu versteuern. Jedoch könnten Sie dann die Werbungskosten geltend machen (Pendlerpauschale, Mehraufwendungen).
Welche Alternative für Sie günstiger ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab und kann aufgrund fehlender Angaben nicht entschieden werden.

Ich hoffe, dass ich Ihnen in Ihrer Angelegenheit weiterhelfen konnte. Bei Unklarheiten verweise ich auf die kostenlose Nachfrageoption.


Mit freundlichen Grüßen

Manfred A. Binder
Rechtsanwalt


info@ra-manfredbinder.de

Ich darf schließlich noch auf Folgendes hinweisen:
Durch Weglassen oder Hinzufügen weiterer Sachverhaltsangaben Ihrerseits kann die rechtliche Beurteilung anders ausfallen, so dass die Beratung innerhalb dieses Forums lediglich eine erste rechtliche Orientierung in der Sache darstellt und keinesfalls den Gang zu einem Kollegen vor Ort ersetzen kann.


Nachfrage vom Fragesteller 15.11.2008 | 18:22

Vielen Dank für die schnelle Antwort.

Ich verstehe richtig, dass Grenzgänger "überwiegend" (da gibt es eine Grenze, oder) zurück ins "Nicht-Arbeitgeberland" zurückfahren müssen, also nicht nur an den Wochenenden, oder?

Wenn ich meine Zweitwohnung in der Schweiz einrichte, dann werden in Deutschland aber keine Sozialabgaben auf die in der Schweiz erzielten (und dort versteuerten) Einnahmen erhoben, denn ich zahle ja in der Schweiz Sozialabgaben, richtig?

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 16.11.2008 | 12:33

Sehr geehrter Fragesteller,

die Grenzgängerregelung findet nur Anwendung auf Personen, die regelmäßig nach Arbeitsende an ihren Wohnort zurückkehren. Dabei spielt die 60-Tage-Regel eine gewichtige Rolle. Hiernach ist es für die Grenzgängereigenschaft unbeachtlich, wenn die Person bei einer Beschäftigung während des gesamten Kalenderjahres an weniger als 60 Arbeitstagen auf Grund ihrer Arbeitsausübung nicht an ihren Wohnsitz zurückkehrt.
Soweit Sie nur am Wochenende an Ihren Wohnsitz zurückkehren, wird die 60-Tage-Regel überschritten und die Grenzgängereigenschaft entfällt.

Für Personen, die nicht im selben Staat arbeiten, wo sie auch wohnen, kommt durch das Sozialversicherungsabkommen mit der Schweiz nur zur sozialversicherungsmäßigen Unterstellung in einem Staat, dh. für diesen bestimmten Zeitraum sind Sie nur noch in der Schweiz versicherungspflichtig. Die Versicherungspflicht beurteilt sich daher nicht nach dem Wohnort, sondern nach dem Erwerbsort. Sofern Sie aber der Grenzgängerregelung unterfallen, haben Sie bezüglich der Krankenversicherung ein Wahlrecht. Sie können entscheiden, ob Sie sich in Deutschland oder der Schweiz krankenversichern lassen.

Mit freundlichen Grüßen

Manfred A. Binder
Rechtsanwalt

Bewertung des Fragestellers 15.11.2008 | 18:20


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