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Anzeige wegen vorsaetzlichen Betrugs bei ebay


16.08.2008 13:12 |
Preis: ***,00 € |

Internetauktionen


Beantwortet von

Rechtsanwalt Carsten Dreier


| in unter 1 Stunde

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich moechte es kurz und schmerzloch machen, wobei ich einige Umstaende erwaehnen sollte und auch moechte die meine Persoenlichkeit und derzeitige Umstaende beschreiben

Ich habe am 28.Juli 2008 ein Notebook auf dem Verkaeuferportal EBAY.DE eingestellt und erfolgreich verkauft. Der Verkaufbetrag betrug 1460 Euro und wurde vom Kaeufer umgehend ueberwiesen.

Von Anfang an jedoch (und das traegt jetzt zum wesentlichen Verlauf bei) war der Kaeufer:

1. Misstrauisch
2. ungeduldig
3. penetrant (mehrfache Anfrage per Telefon)

Ich hatte viel Geduld und wollte das Macbook auch sofort losschicken was ich aber nicht tat, da ich selbst noch daran schreiben wollte, um moeglichst viel Zeit schinden zu koennen.

Die Anrufe und Anfragen und Recherchen seinerseits hoerten nicht auf.
Ich war die letzte Tage aufgrund anhaltender Arbeitslosigkeit, Schulden in Hoehe von 20 000 Euro sehr angespannt.

Das Notebook ging daraus und voellig unbeabsichtigt zu Bruch. Totalschaden.
Zu diesem Zeitpunkt hat der Kaeufer laengst eine Unstimmigkeit online erklaert.

Das ueberwiesene Geld allerdings wurde inzwischen in Kleidung sowie kleinere Anschaffungen investiert, die nicht quittiert werden koennen.

Ein Teil des Geldes wurde auch fuer private Schulden verwendet, sodass ich jetzt nur noch 300 Euro besitze.

Ich bin Arbeitslosengeld II Empfaenger und stehe kurz vor dem Insolvenzverfahren.

Der Kaufer gibt an bereits eine Anzeige gegen mich erstattet zu haben und aendert widerwillig seine Aussagen per e.mail sodass ich kaum noch schlafen kann.

Ist es moeglich das die Polizei einen deswegen abholen laesst?
Haftbefehl?
Vorladung?

Wie soll ich weiter vorgehen?
Ich kann keinen guten Willen finanziell zeigen, da ich beinahe mittellos bin?
Was schreibe ich dem Kaufer damit ich Ihn besaenftige?
Und besteht die Moeglichkeit einer Haftstrafe?
Das waere mein Ende.

Es dankt im Vorraus


R.


Trifft nicht Ihr Problem? Wir haben 744 weitere Antworten zum Thema:
16.08.2008 | 13:41

Antwort

von

Rechtsanwalt Carsten Dreier
37 Bewertungen
Sehr geehrter Fragesteller,

vorweg möchte ich Sie darauf hinweisen, dass diese Plattform eine ausführliche und persönliche Rechtsberatung nicht ersetzen kann, sondern ausschließlich dazu dient, eine erste überschlägige Einschätzung Ihres Rechtsproblems auf Grundlage der von Ihnen übermittelten Informationen von einem Rechtsanwalt zu erhalten.
Durch Hinzufügen oder Weglassen weiterer Sachverhaltsangaben Ihrerseits kann die rechtliche Beurteilung anders ausfallen. Unter Berücksichtigung Ihres Einsatzes möchte ich die Frage wie folgt beantworten:

Ihr Verhalten ist als Betrug zu werten. Hierfür sieht das Gesetz Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe vor.
Sie werden voraussichtlich einen Beschuldigten-Bogen von der Polizei bekommen. Sie haben das Recht keine Angaben zur Sache zu machen.
Ob für Sie eine Haftstrafe droht, hängt unter anderem davon ab, ob Sie bereits vorbestraft sind, insbesondere einschlägig. Normalerweise dürfte es hier jedoch im Falle einer Verurteilung bei einer Geldstrafe bleiben. Strafmildernd kann sich auswirken, wenn Sie versuchen, den Schaden wieder gut zu machen, indem Sie dem Käufer das Geld erstatten.

Ich hoffe, Ihnen eine erste rechtliche Orientierung gegeben zu haben und verbleibe.

Mit freundlichen Grüßen
Carsten Dreier
Rechtsanwalt

Anhang

§ 263 Strafgesetzbuch
Betrug
(1) Wer in der Absicht, sich oder einem Dritten einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, das Vermögen eines anderen dadurch beschädigt, daß er durch Vorspiegelung falscher oder durch Entstellung oder Unterdrückung wahrer Tatsachen einen Irrtum erregt oder unterhält, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Der Versuch ist strafbar.
(3) 1In besonders schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren. 2Ein besonders schwerer Fall liegt in der Regel vor, wenn der Täter
1.gewerbsmäßig oder als Mitglied einer Bande handelt, die sich zur fortgesetzten Begehung von Urkundenfälschung oder Betrug verbunden hat,
2.einen Vermögensverlust großen Ausmaßes herbeiführt oder in der Absicht handelt, durch die fortgesetzte Begehung von Betrug eine große Zahl von Menschen in die Gefahr des Verlustes von Vermögenswerten zu bringen,
3.eine andere Person in wirtschaftliche Not bringt,
4.seine Befugnisse oder seine Stellung als Amtsträger mißbraucht oder
5.einen Versicherungsfall vortäuscht, nachdem er oder ein anderer zu diesem Zweck eine Sache von bedeutendem Wert in Brand gesetzt oder durch eine Brandlegung ganz oder teilweise zerstört oder ein Schiff zum Sinken oder Stranden gebracht hat.
(4) § 243 Abs. 2 sowie die §§ 247 und 248a gelten entsprechend.
(5) Mit Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren, in minder schweren Fällen mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren wird bestraft, wer den Betrug als Mitglied einer Bande, die sich zur fortgesetzten Begehung von Straftaten nach den §§ 263 bis 264 oder 267 bis 269 verbunden hat, gewerbsmäßig begeht.
(6) Das Gericht kann Führungsaufsicht anordnen (§ 68 Abs. 1).
(7) 1Die §§ 43a und 73d sind anzuwenden, wenn der Täter als Mitglied einer Bande handelt, die sich zur fortgesetzten Begehung von Straftaten nach den §§ 263 bis 264 oder 267 bis 269 verbunden hat. 2§ 73d ist auch dann anzuwenden, wenn der Täter gewerbsmäßig handelt.


Nachfrage vom Fragesteller 16.08.2008 | 14:02

Was bedeutet einschlaegig?

Und ist es empfehlenswert die Aussage zu verweigern, sprich: Keine Angaben im Befragungsbogen zu machen?

Im Grunde muesste doch auch schon eine Teilweise Rueckerstattung ausreichen, oder doch ueber die Haelfte, um den Sachfall als Betrug auszuschliessen?

Und was wird nach der Befragung der Polizei geschehen?


Vielen Dank fuer Ihre Antwort


R.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 16.08.2008 | 14:22

Sehr geehrter Fragesteller,

vielen Dank für Ihre Nachfrage.

1. Einschlägig bedeutet in diesem Zusammenhang, dass eine Strafe höher ausfällt, wenn Sie bereits strafrechtlich wegen Betruges in Erscheinung getreten und verurteilt worden sind.

2. Grundsätzlich ist es immer empfehlenswert gegenüber den Ermittlungsbehörden keine Angaben zur Sache zu machen, ohne vorher durch einen Rechtsanwalt Akteneinsicht genommen zu haben.

3. Ihre strafrechtliche Verantwortung hat mit der Rückerstattung des Betrages nichts zu tun. Dies kann sich im Falle einer Verurteilung höchstens strafmildernd auswirken.

4. Nachdem die Polizei Ihnen den Beschuldigtenbogen zugeschickt hat, und Sie entweder keine Angaben zur Sache gemacht oder sich eingelassen haben, wird der Vorgang zur zuständigen Staatsanwaltschaft geschickt, die dann entscheidet, ob das Verfahren eingestellt, Anklage erhoben oder Strafbefehl erlassen wird.


Mit freundlichen Grüßen
Carsten Dreier

ANTWORT VON
Rechtsanwalt Carsten Dreier
Dortmund

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