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Acrylrohre unter der Dusche - falschen Reiniger benutzt - haftbar?


| 29.11.2008 19:26 |
Preis: ***,00 € |

Mietrecht, Wohnungseigentum



Guten Tag,

ich habe mit meiner Lebensgefährtin im Februar 2008 eine Mietwohnung in der zweiten Etage eines 3 Parteienhauses bezogen. In der ersten Etage unter uns wohnt der Vermieter der Wohnungen.

Ich habe im März 2008 einen handelsüblichen Rohrreiniger (Granulat) gekauft und ihn in den Abfluß unserer Duschekabine geschüttet, da dass Wasser nur sehr zögerlich ablief. Ich habe ca. 3 Tage später bemerkt, dass sich das Abfloßrohr gelöst hatte und stark verformt war. Das Duschwasser ist somit unter der Duschwanne ausgetreten. Kurze Zeit später informierte uns unser Vermieter unter uns darüber, dass in seinem Badezimmer sowie seinem Gäste WC Wasser von den Wänden herunterkommt.

Wie sich herausstellte befanden sich unter unserer Duschwanne Rohre aus Acryl, die die Temperaturen des Rohrreinigers nicht vertragen haben und sich somit verformten und lösten.

Wir haben daraufhin unserem Vermieter die Klärung mit unserer Haftpflichtversicherung überlassen.

Wir haben im Oktober 2008 unsere Wohnung ordnungsgemäß gekündigt. Bis dahin ist bezüglich der Reparatur nichts passiert, und wir konnten die Dusche nicht benutzen. Jetzt besteht der Vermieter auf eine Schadensregulierung unsererseits. Die Kosten hierfür betragen nach Aussage des Vermieters ca. 1.900 € exklusive unserer Duschkabine sowie der Duschkabine des Vermieters. Hierfür wären weitere 300 - 400€ fällig.

Die von uns hinterlegt Mietkaution beträgt 1.980 €.
Nach Aussage unseres Vermieters übernimmt weder unsere Haftpflicht, noch die Hausratversicherung des Vermieters irgendwelche Schäden. Nach wie vor erhalten wir von Seiten des Vermieters keinerlei Unterlagen über unsere Haftpflichtabsage oder Kostenvoranschläge.

Mir wurde zugetragen, dass in einem Mietvertrag darauf hingewiesen werden muß, dass Acrylrohre in der Badewanne bzw. Dusche eingesetzt worden sind, und daher nicht jeder handelsübliche Reiniger eingesetzt werden darf. Dieses erscheint mir durchaus sinnvoll, welcher Mieter kontrolliert erstmal seine Rohre unter der Duschkabine, die vollständig von aussen abgedichtet ist.

Eine Reparatur hat bis heute nicht stattgefunden. Da wir bereits ausgezogen sind findet lediglich ein e-Mail Verkehr zwischen uns und dem Vermieter statt. Die Kündigungsfrist endet am 31.12.2008.

Meine Fragen lauten daher wie folgt:

Ist es richtig, dass auf die Verwendung von Acrylrohren im Mietvertrag hingewiesen werden muß, bzw. der Hinweis auf gesonderte Reiniger?
Kann im Falle eines Falles die Haftpflichtversicherung mit dem Hinweis auf die Gebrauchsanweisung des Reinigers die Regulierung verweigern?
Ist der Vermieter dazu berechtigt die Mietkaution ohne konkrete Vorlage von Kostenvoranschlägen bzw. Rechnungen einzubehalten? Ist der Vermieter dazu berechtigt die Wohnungsabnahme bis zur Klärung des Sachverhaltes zu verweigern?
Können wir den Austausch von zwei kompletten Duschkabinen verweigern, da sie in keinster Weise beschädigt sind?

Vielen Dank für die Beantwortung dieser 5 Fragen.
Sehr geehrter Fragesteller,

gerne beantworte ich Ihnen ihre Frage auf der Grundlage des von Ihnen angegebenen Sachverhalts wie folgt:

Grundsätzlich haftet sich im Falle einer unsachgemäße Rohrreinigung für eintretende Schäden, sofern Sie sich sorgfaltswidrig verhalten haben.
Das Amtsgericht Gießen sprach z.B. dem Vermieter einen Schadensersatzanspruch gegen einen Mieter zu, der den Einsatz einer Handpumpe zur Beseitigung der Verstopfung verwendet hatte und daraufhin ein Rohrschaden entstand, .AZ 48 MC 141/07.
Die entscheidende Frage ist somit, ob Sie den Schaden schuldhaft verursacht haben und dies - aufgrund der Verwendung eines handelsüblichen Rohreinigers - verneint werden kann. Im Einzelfall kann auch eine Pflicht des Vermieters bestehen, auf diese Art der Rohren hinzuweisen. Eine pauschale Beurteilung ist in diesen Fällen allerdings nicht möglich, vielmehr ist dies in jedem Einzelfall gesondert zu betrachten. Erforderlich ist hier eine umfassende anwaltliche Prüfung, um im Rahmen einer Urteilsrecherche das Prozessrisko anhand vergleichbaren Fällen bestimten zu können.

Der Vermieter ist verpflichtet, Ihnen den konkreten Schaden anhand der geeigneten Unterlagen nachzuweisen. Nicht möglich ist es , pauschal die Kaution einzubehalten.

Es ist nicht ersichtlich, mit welcher Begründung der Vermieter die Wohnungsabnahme verweigert, da der Sachverhalt geklärt ist. Offen ist lediglich die abschließende rechtliche Einordnung, wen die Kostenpflicht trifft. Der Vermieter kann den Schaden beseitigen und mit der ensprechenden Rechnung kann er die Kaution einbehalten. In der Folge kann - notfalls gerichtlich - geklärt werden, wer die Kosten zu tragen hat. Wird die Wohnung nicht abgenommen und somit nicht weitervermietet, entsteht noch ein wesentlich höherer Schaden.

Grundsätzlich ist im Rahmen des Schadensersatzes der Geschädigte so zu stellen, als wäre der Schaden nicht eingetreten. D.h. der geschädigte darf auch nicht mehr bekommen als ohne Schadenseintritt. Insofern können die Duschkabinen nur ausgetauscht werden, sofern dies erforderlich ( ebenfalls beschädigt ) ist. Ist dies nicht der Fall, müssen diese nicht ersetzt werden. Wären die Duschkabinen beschädigt, ist ein entsprechender Abzug neu für alt vorzunehmen.

Die Übernahme durch Ihre Haftpflichtversicherung sollten Sie nicht dem Vermieter überlassen, sondern selbst abklären. Eine Ablehnung kommt grundsätzlich in Betracht, wenn in dem Verwenden des Rohreinigers ein grob fahrlässiges Verhalten gesehen wird. Möglich ist, dass sich die Versicherung hierauf berufen wird. In diesem Fall ist - wie oben - wiederrum eine umfassende Prüfung erforderlich und kann nicht im Rahmen einer ersten rechtlichen Orientierung abschließend beantwortet werden.


Mit freundlichen Grüßen

Florian Günthner
Rechtsanwalt

Bewertung des Fragestellers 03.12.2008 | 20:39


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