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Abfindung - Steuerfrei - Auswandern - Weltreise


| 07.11.2014 14:36 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Andreas Wehle



Ich werde einen Aufhebungsvertrag unterschreiben und kann wählen, ob ich zum 31.12.2014 oder zum 31.3.2015 (wahlweise Ende Januar und Ende Februar) ausscheide.

Ziel ist die Vermeidung der Besteuerung der Abfindung (Auszahlung ohne Steuerabzug)

3 Alternativen würde ich gern von Ihnen bewerten lassen:
1. Auswandern nach Indonesien (Bali), keine Erwerbstätigkeit dort geplant, Rückkehr nach Deutschland in 2016
2. Auswandern nach Zürich und Aufnahme eines Beschäftigungsverhältnisses zum 1.4.2015
3. Weltreise ab 1.4.2015 bis nach 31.12.2015 ohne festen Wohnsitz und keine Erwerbstätigkeit, Rückkehr nach Deutschland in 2016

Meine Fragen :
1. Ist in allen Fällen die Vermeidung der Besteuerung möglich und was bzw welche Zeitpunkte und –fristen habe ich dabei zu beachten (Bsp. bis wann muss ich in D abgemeldet sein?)
2. Falls keine der Varianten das gewünschte Ergebnis bewirken, welche Alternative habe ich stattdessen? (bspw Thailand statt Indonesien..bin offen für alles)
Sehr geehrter Ratsuchender,

die aufgeworfenen Fragen beantworte ich gern anhand Ihrer Darstellung des Sachverhaltes wie folgt.

Nach finanzgerichtlicher Rechtsprechung sind Zahlungen, die ein Arbeitnehmer als Ausgleich für den Verlust seines Arbeitsplatzes erhält nicht als Arbeitsentgeltzahlungen zu werten.
Das hat zur Folge, dass Sie soweit in Deutschland keine unbeschränkte Steuerpflicht mehr vorliegt (§ 1 Abs. 1 EStG), diese nicht mehr in Deutschland versteuern müssen. In wie weit solche Einkünfte in einem anderen Land steuerpflichtig sind, bleibt nach dem dort gültigen Rechtssystem zu beurteilen.

So sind in der Schweiz grundsätzlich Abfindungen aus nicht-selbständiger Arbeit, die der neue Inländer für den Verlust seines Arbeitsplatzes in Deutschland erhalten, nicht steuerbar.
Voraussetzung dafür ist, dass die Abfindung ausschließlich für den Verlust eines Arbeitsplatzes in Deutschland ausgezahlt wird und somit keinen konkreten Zusammenhang zur ehemaligen Tätigkeit aufweist. Das ist bei Abfindungen der Fall, die lediglich als Kompensation für den Verlust des Arbeitsplatzes gezahlt werden. Im Gegensatz dazu sind Abfindungen, die für Erfolge oder die Dauer der Betriebszugehörigkeit gezahlt werden und somit einen direkten Bezug zur Tätigkeit aufweisen, als erweitertes Arbeitsentgelt steuerbar. Das Recht zur Besteuerung fällt grundsätzlich dem Wohnsitzstaat zu.
Zu einer Besteuerung von derartigen Einkünften in Bali kann ich jedoch nichts sagen, ich rate hierzu eventuell einen dort ansässigen Kollegen um Rat zu fragen. Für das benachbarte Thailand besteht eine Steuerbarkeit derartiger Einkünfte, wenn auch wesentlich geringer als in Deutschland. Aber auch auf Zypern und Malta ist eine steuerfreie Vereinnahmung derartiger Abfindungen möglich.

Von der Weltreiseidee zum Zwecke der Steuerminderung möchte ich grundsätzlich abraten, hierbei entstehen vielfach mehr Probleme, als die Sache am Ende wert sein wird. Es mag zwar eine schöne Idee sein, aber ggf. müssen Sie Ihren gewöhnlichen Aufenthalt bzw. einen Wohnsitz bzw. eine Ansässigkeit außerhalb Deutschlands nachweisen. Das dürfte u. U. sehr viel schwieriger sein, wenn Sie unterwegs sind/waren.

Zu diesem Thema bin ich unter folgenden Links fündig geworden.
http://weltreise-info.de/organisation/behoerden.html
http://www.klicktipps.de/einkommensteuer-und-weltreise.php#Einkommensteuererklaerungen-waehrend-der-Reise
oder
http://wirelesslife.de/digitale-nomaden-steuern/

mit vielfach hilfreichen Hinweisen.
Gern stehe ich Ihnen für weitere Fragen zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
Andreas Wehle
Rechtsanwalt /Aachen

Nachfrage vom Fragesteller 10.11.2014 | 19:13

Sehr geehrter Herr Wehle, vielen Dank für diese kompetente Antwort.
Gilt es bei der Auswanderung nach Malta Fristen zu beachten, falls ich nach 2015 zurück nach Deutschland möchte (siehe Fristen in meiner Ursprungsfrage) und besteht bei der Nichtbesteuerung bei Übersiedlung in die Schweiz ein Risiko, daß die deutschen Finanzbehörden "umentscheiden" und ich dann doch noch versteuern muss?
MgG

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 10.11.2014 | 22:57

Sehr geehrter Ratsuchender,

gern beantworte ich Ihre Nachfrage.
Soweit es sich bei Ihrer Abfindung, die in der Zeit (regelmäßig das Kalenderjahr) des ausländischen Wohnsitzes und keiner Steuerpflicht (§ 1 EStG) in Deutschland, um eine Entschädigungszahlung für den Verlust Ihres Arbeitsplatzes handelt, fällt das Recht der Besteuerung dem jeweiligen Ansässigkeitsstaat zu.
Diese Frage ist bereits durch den Bundesfinanzhof mehrfach eindeutig entschieden, so dass ein "umentscheiden" der deutschen Finanzbehörden schlichtweg fehlschlägt.
Zu den Fristen, hier gilt es zu beachten, dass der Anspruch auf die vereinbarte Abfindung erst nach der Abmeldung in Deutschland und der Anmeldung in dem anderen Staat (Malta, Schweiz,...) fällig und auch tatsächlich bei Ihnen gutgeschrieben wird.

Mit freundlichen Grüßen
Andreas Wehle
Rechtsanwalt /Aachen

Bewertung des Fragestellers 12.11.2014 | 07:39


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"Für einen Nichtjuristen wie mich hätten die Antworten "einen Tick" umgangssprachlicher sein können, insgesamt bin ich sehr zufrieden und kann Herrn Wehle wirklich weiterempfehlen."